12. Februar 2018

 Von Dämonen und Damone

12. Februar 2018

Bezügliches: Vorgestern Erstlektüre von Stauffenbergs ‚Opfergang II‘ – darin die recht vorzeigbaren, dem Täter-Bruder nachgerufenen Verse: „Du wusstest wohl: wo feindlicher dämonen / Entgegenwirken das gelingen beugt, / Dass derer, die im stand der gnade wohnen / Hingang ein rettendes geheimnis zeugt.“ Kühnheit der Inversionen als verlässlicher Gradmesser für literarische Potenz: Droste-Hülshoff an Levin Schücking über den Magneten Liebe: „Nicht fragt er, ob ihn Fels und Strom gefährde, / Ein Strahl fährt mitten er durchs Herz der Erde.“ Schilling über den Abstieg in die Grotte: „Schmal sind und von Holz die Sprossen, / Drauf der Fuß zu gehn sich scheut.“ Oder über das Holde Reich: „Wer seine Schwelle je betrat, / Kehrt nicht zurück denn blind.“ Schiller über gemeinsame Nenner, die Generationen übergreifen: „Unter demselben Blau, über dem nämlichen Grün / Wandeln die nahen und wandeln vereint die fernen Geschlechter.“ George hoffnungsfroh um die Jahrhundertwende: „Der glanz der war bringt wenn auch späte spende.“ Schließlich Eichendorff als sein wandelndes Klischee: „Als ich nun zum ersten Male / Wieder durch den Garten ging, / Busch und Bächlein in dem Tale / Lustig an zu plaudern fing.“

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Für nun aber zurück zu Stauffenberg und den Dämonen: Gestern, so verlautet es heute, hat ihrer einer, der niemals anders als zu aller Gunsten wirkte, dem Vernehmen nach seinen letzten samtigen Atem ausgehaucht: Vic Damone, zu gerechtem Ruhm gelangt noch im äußersten Zenit von Hollywood’s Golden Age und verantwortlich für das Seidenste, was je einer Crooner-Kehle entfuhr, die nicht Andy Williams gehörte. Als jemand, der mit den Tönen des Great American Songbook – gleichberechtigt neben denen des deutschen Kunstlieds – seine formativsten Jahre verbracht hat, nimmt man in letzter Zeit naturgemäß von manchem Abgang – von Lena Horne über Gogi Grant bis Kay Starr – meist bloß noch buchhalterisch Notiz, kaum aber je so betroffen wie im Fall dieses freundlichen Dämons, der als Jugendlicher im Fahrstuhl einmal dem großen Perry Como vorsang, woraufhin sich ihm nicht nur die Aufzugstür wieder, sondern auch der eigene weitere Berufsweg auftat und ebnete.

In Erinnerung bleiben die Duette mit Judy Garland ebenso unauslöschlich wie Frühstes und Spätes von dem Mann, der Diahann Carroll ein Jahrzehnt seine Frau und Donald Trump allem Anschein nach viele Jahrzehnte einen Freund nennen konnte. Wenige Tage vor seinem Tod, so entnimmt man es zumindest den Nachrufen, erreichte ihn denn auch im Krankenhaus noch ein Anruf aus dem Weißen, was doch gleich das Ansehen beider weiter mehren dürfte, des derzeitigen Präsidenten wie des zeitlosen Vokalisten. Bürgerlich hieß Damone übrigens „Farinola“, was nicht fern ist vom stimmlich wohl ähnlich exzeptionellen Farinelli, so wie der legendäre Überschwang des Elagabal, eigentlich „Bassianus“, dann und wann im Lichtkegel auch von Shirley Bassey Besitz ergreift.