Angeführt

 

„Das ungenaue Zitieren zählt zu den Attributen eines souveränen Geistes.“

(Schilling)

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„Wenn Sie nicht schweigen, werde ich Sie zitieren!“

(Karl Kraus)

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Der Aphorismus besitzt den Vorzug, dass man nicht beliebig aus ihm zitieren kann.“

(Klonovsky)

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„Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem?“

(Matthäus 7:3)

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„Während sie mit Laternen nach der Inhumanität suchen, phosphoresziert ihre kainitische Substanz.“

(Jünger)

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Wer ein gutes Deutsch schreibt, führt vermutlich auch sonst irgendetwas im Schilde.“

(Klonovsky)

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„Zensur verfeinert den Stil.“

(Jünger)

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Man muss es nur so formulieren, dass jene, die sich darüber aufregen könnten, nicht verstehen, was Sie eigentlich gesagt haben. Man muss ein bisschen listig sein.“

(Harald Schmidt)

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Die alte Provokationslust mag eine Rolle gespielt haben, als Böckelmann sich im letzten Winter auf einer Dresdner Pegida-Demonstration sehen ließ, ohne dass ihm und der Zeitschrift das geschadet hat. Das liegt auch daran, dass «Tumult» sich auf einem Niveau bewegt, dem mit den schlichten Abwehrformeln gängiger Krawallkommunikation nicht beizukommen ist.“

(NZZ)

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Von Linken nicht Gelittene / Heißen auf links: Umstrittene.“

(Pommerening)

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Wer heute nicht einmal als ‚umstritten‘ gilt, ist meist auch belanglos.“

(Wolfgang Ockenfels)

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„Physik, hüte dich vor Metaphysik!“

(Newton)

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„Metaphysik, hüte dich vor Physik!“

(Schilling)

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Man geht nicht ungestraft nach Trier. Man geht nach Trier und macht sich lächerlich.“

(Thomas Bernhard)

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Als Schwan trittst in Berlin du ein, / Um auszutreten dann als Schwein.“

(Rückert)

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Er lässt dich ein, / Als Mädchen ein, / Als Mädchen nicht zurücke.“

(Mephisto)

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„Man beginnt als Genie und endet als Redakteur für die Rätsel-Ecke.“

(Sebastian Haffner)

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„George begann mit Schalmeien und schloss mit Hörnern, stieg auf als Idyll und endete als Revolution.“

(Benn)

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Ihr sehet wechsel · doch ich tat das gleiche. / Und der heut eifernde posaune bläst / Und flüssig feuer schleudert weiss dass morgen / Leicht alle schönheit kraft und grösse steigt / Aus eines knaben stillem flötenlied.“

(George)

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Der Weg zu allem Großen geht durch die Stille.“

(Paul Keller)

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Man muss in unseren Zeitläuften über eine salamandrische Ruhe verfügen, wenn man zu seinen Zielen kommen will.“

(Jünger)

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„In jedem Gutmenschen schlummert ein Robespierre.“

(Roland Baader)

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In jedem Drewermann schlummert ein Savonarola.“

(Meynrath)

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„Sie sollten Renoir raten, das Malen sein zu lassen.“

(Manet zu Monet)

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Offen gestanden: Sie malen wie ein Verrückter.“

(Cézanne zu Vincent van Gogh)

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„Die Malerei hat mit den Impressionisten aufgehört zu existieren.“

(De Chirico)

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„Ich bewundere Picasso. Niemand sonst verkauft sein Öl so teuer.“

(Dali)

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„Ich mal noch ’nen Botticelli.“

(Wolfgang Beltracchi auf Harald Schmidts Frage, was er heute noch vorhabe)

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„So wird Ruh im Tode sein.“

(Emanuel Schikaneder)

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Er saß im Schauspiel, vom Gesang beweget, / Und hatte, der ermüdet war, die Wangen / Auf seines Lieblings schönes Knie geleget: / Als nun der Chöre Melodien verklangen, / Will wecken ihn, der ihn so sanft geheget, / Doch zu den Göttern war er heimgegangen.“

(Platen über Pindar)

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Nun ist er im Zentrum der Poesie.“

(Jünger über Pound nach dessen Tod)

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 „Der Berg ist überschritten.“

(letzte Worte Friedrichs des Großen)

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Wer weiß heute noch etwas vom Douaumont, dem schon fast sagenhaften Berg? Doch nun hat Cordt von Brandis ihn ganz bezwungen; er darf mit Friedrich dem Großen sagen: ‚La montagne es passée.'“

(Jünger an die Witwe von Brandis nach dessen Tod)

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Das ist das größte Kunstwerk, das es überhaupt gibt für den ganzen Kosmos. Stellen Sie sich das doch vor, was da passiert ist: Da sind also Menschen, die sind so konzentriert auf eine Aufführung – und dann werden fünftausend Leute in die Auferstehung gejagt, in einem Moment. Das könnte ich nicht. Dagegen sind wir gar nichts als Komponisten.“

(Karlheinz Stockhausen über 9/11)

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Der Todes-Eintopf des Dr. Mabuse.“

(Bastian Pastewka über die Kochkünste seiner Serien-Schwiegermutter)

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Ein freiberuflicher Organist liest die Todesanzeigen wie den Wirtschaftsteil.“

(Harald Schmidt)

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Herr, lehre doch mich, daß es ein Ende mit mir haben muß und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muß.“

(Psalm 39:5)

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Schon geht verherrlichter aus unsern Grüften / Die Glorie der Endlichkeit hervor; / Auf Gräbern hier Elysium zu stiften, / Ringt neue Kraft zu Göttlichem empor.“

(Hölderlin)

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Ich bin nur ein Gast auf Erden; / Droben ist mein Vaterland. / Wird die Welt zerstöret werden, / So geht an mein Ehrenstand.“

(Johann Jakob Rambach)

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O sink hernieder, Nacht der Liebe, / Gib Vergessen, dass ich lebe, / Nimm mich auf in deinen Schoß, / Löse von der Welt mich los.“

(Wagner)

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Welt der gestalten lang lebewohl! / Öffne dich wald voll schlohweisser stämme! / Oben im blau nur tragen die kämme / Laubwerk und früchte: gold karneol.“

(George)

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„Welt, ade! Gott woll‘ bewahren, / Die noch irr im Dunkeln fahren.“

(Eichendorff)

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Man soll vom Leben scheiden wie Odysseus von Nausikaa schied – mehr segnend als verliebt.“

(Nietzsche)

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Wer nicht stirbet / Eh er stirbet, / Der verdirbet, / Wann er stirbet.“

(Jakob Böhme)

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Wer nicht gestorben, wenn er stirbt, / Muß ewiglich verderben / Und durch den Wurm, der nie verdirbt, / Ohn alles Ende sterben.“

(Angelus Silesius)

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Der hier, von keinem Neid bedroht, / Errang, was Mitleid ihm verhieß, / Erlitt vieltausendmal den Tod, / Bevor das Leben ihn verließ.“

(Paul Scarron)

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Man kann ihm nicht vorwerfen, dass er nicht genügend Gelegenheiten zum Sterben aufgesucht hätte.“

(Helmut Lethen über Jünger)

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Ich will nicht durch meine Filme unsterblich werden. Ich will unsterblich werden, indem ich nicht sterbe.“

(Woody Allen)

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„Das Gepäckband in Düsseldorf bewegt sich nicht, weil Tote keine Koffer abholen.“

(Franz-Josef Wagner über die verunglückte Schulklasse aus Haltern am See)

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„Der Schmach der Materie entrückt.“

(Thomas Mann über Schillers Tod)

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Sterben ist der langen Narrheit Ende.“

(Schiller)

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Hoffen wir, dass auch ich bald die Augen schließe, um mit der ganzen Sache nichts mehr zu tun zu haben.“

(Breker 1979)

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„Göring hat mit der Partei so viel zu tun wie die Kuh mit der Strahlenforschung.“

(Goebbels)

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Im Westen liegt Frankreich, im Osten wird Frank reich.“

(Volksmund über den Reichsprotektor von Böhmen und Mähren)

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Sind wir noch auf Sendung?“

(Lisa Eckhart auf die Frage, welche Rolle der Nationalsozialismus in ihrem Programm spiele)

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Soll ich darauf antworten?“

(Karl Lagerfeld auf die Frage, ob er nur im Privatjet fliege)

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Soll ich bezahlen oder wollen Sie ein Autogramm?“

(Willy Millowitsch zu seinem Taxifahrer)

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Jedes Volk hat seinen Tag in der Geschichte, doch der Tag des Deutschen ist die Ernte der ganzen Zeit.“

(Schiller)

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„Die Russen haben Tiefe, aber keine Form. Die im Westen haben Form, aber keine Tiefe. Beides zusammen haben nur wir Deutsche.“

(Konrad Deutschlin)

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 „Trennt ihr vom Inhalt die Form, so seid ihr nicht schaffende Künstler. / Form ist vom Inhalt der Sinn, Inhalt das Wesen der Form.“

(Hofmannsthal)

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Gehalt ohne Methode führt zur Schwärmerei; Methode ohne Gehalt zum leeren Klügeln; Stoff ohne Form zum beschwerlichen Wissen, Form ohne Stoff zu einem hohlen Wähnen.“

(Goethe)

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Der Inhalt strebt zur Form.“

(Richard von Weizsäcker)

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Der Beurteilung von Kunst entlang Gestalt, nicht Gehalt, entspricht die Wahrnehmung der Demokratie als Prozess statt als Wert und die Definition des Extremismus anhand von Gesittung statt Gesinnung.“

(Meynrath)

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In der dunkelsten Ecke der Intellektuellenköpfe steckt noch das unterschiedliche Urteil über Hitler und Stalin – der eine habe doch Millionen umgebracht, um die Menschen zu unterjochen, der andere, um sie zu befreien. Wann wird die Welt kapieren, dass die Motive gleichgültig sind, dass es mehr auf die Mittel ankommt als auf die Zwecke?“

(Johannes Groß)

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Du weißt es, aber vergiß es nie: / Es gibt keine andere Lust, / Als tiefen Wortes tiefre Magie, / Der du gehorsamen mußt.“

(Weinheber)

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Sein Wort ist nicht weltgeboren, seine Welt ist wortgeboren.“

(Schilling über den archaischen Menschen)

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Die edelsten Dinge auf Erden existieren vielleicht nur in den Worten, die sie heraufbeschwören.“

(Gómez Dávila)

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In unsern Worten liegt es drin, / So tritt des Bettlers Fuß den Kies, / Der eines Edelsteins Verlies.“

(Hofmannsthal)

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Tonnen puren golds verstreut im staub: / Volk in lumpen streift es mit dem saum – / Keiner sieht.“

(George)

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Wie ist das Gold so gar verdunkelt – und liegen Steine des Heiligtums vorn auf allen Gassen zerstreut!“

(Klagelieder 4:1)

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Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott, / Sie wissen alles, was wird und war; / Kein Berg ist ihnen mehr wunderbar; / Ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.“

(Rilke)

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Under- und Overstatement, oberflächlich als Gegensätze missdeutbar, erweisen sich bei näherer Betrachtung als Überlebensgemeinschaft: Ironie, die ihrerseits der Größe bedarf wie das Sakrileg des Heiligtums, wirft in dürftiger Zeit den Schatten, der Pathos und Heroismus unbehelligt zu überwintern erlaubt.“

(Meynrath)

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Zum Understatement gehört auch, daß etwas da ist, was herunterzuspielen sich lohnt.“

(Asfa-Wossen Asserate)

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„Die Ironie verkümmert ohne das soziale Substrat.“

(Jünger)

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„Der Ironiker ist meist nur ein beleidigter Pathetiker.“

(Christian Morgenstern)

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Die Parodie ist oft nur der Weg, mit seiner Ergriffenheit fertigzuwerden.“

(Klonovsky)

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„Ein Gott braucht keine Ironie.“

(Jünger)

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Immer spielt ihr und scherzt? Ihr müßt! O Freunde! mir geht dies / In die Seele, denn dies müssen Verzweifelte nur.“

(Hölderlin)

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Ich brauchte einen neuen Rolls-Royce.“

(Laurence Olivier auf die Frage, warum er in einem breitenwirksamem Kostümfilm mitgespielt habe)

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Da wollen sich gerade in Deutschland eben viele noch in so eine Künstler-Ecke flüchten – aber das Problem hatte ich ja ohnehin nie.“

(Harald Schmidt über die Berührungsängste mancher seiner Kollegen zum ‚Traumschiff‘)

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Swanson and Keaton and Dressler and William S. Hart, / No-one pretended that what we were doing was art.“

(Jerry Herman)

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Als ich mich der Fotografie widmete, war es mein Wunsch, sie als Kunst anerkannt zu sehen. Heute würde ich für dieses Ziel keinen Pfifferling geben.“

(Edward Steichen)

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Vielleicht bin ich ein musikalischer Banause, aber ich kann mir nicht helfen: Wenn ich, was den Schwung, die Stimmung angeht, eine Parallele zu Beethoven suche, so fallen mir die frühen Songs der Beatles ein – und umgekehrt. Beide Male ein plötzlicher Aufbruch, ein neuer Sound – freilich, Beethoven hat ihn durchgehalten auf höchstem Niveau, während die Beatles scheiterten, als sie das Feld ihrer Stärke verließen und mit ‚Sergeant Pepper‘ Kunst machen wollten.“

(Schilling)

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Lieber von einem Fürsten oder Mäzen abhängig sein als vom freien Markt – das ist das Fazit nach zwei Jahrhunderten ‚freier‘ Kunst.“

(Schilling)

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Nur wer die kulturellen Massive der aristokratischen Gesellschaften nicht kennt, kann sich in den Steppen der demokratischen Massenkultur sehnsuchtsfrei wohlfühlen.“

(Klonovsky)

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„Wer das Ancien Régime nicht erlebt hat, kennt die Süße des Lebens nicht.“

(Talleyrand)

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In Eden war ewig Oktober.“

(Botho Strauß)

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Versinke denn! Ich könnt‘ auch sagen: steige! / ’s ist einerlei. Entfliehe dem Entstandnen / In der Gebilde losgebundne Reiche! / Ergetze dich am längst nicht mehr Vorhandnen.“

(Mephisto)

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Es wird dunkel, wir sitzen noch auf dem Balkon, das Windlicht flackert. Rauschen der Bäume. Der Balkon scheint ins Dunkel der Baumkronen fortzutreiben, wir Erinnerungssüchtigen darauf wie auf einer Arche mit angefaulten Planken.“

(Tellkamp)

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Alte Klänge blühend schreiten! / Wie aus lang versunken Zeiten / Will mich Wehmut noch bescheinen / Und ich möcht von Herzen weinen.“

(Eichendorff)

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Die Gegenwart war ihm verhasst, die Zukunft erschreckte ihn, und nur in die Vergangenheit, die er liebte, drangen seine offenbarenden Seherblicke.“

(Heine über Friedrich Schlegel)

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Der Historiker ist ein rückwärtsgekehrter Prophet.“

(Friedrich Schlegel)

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Welches Deutschland Stauffenberg auch immer vor Augen stand: Sein letzter Ruf ist nicht als Botschaft an die Nachlebenden zu verstehen, sondern als Beschwörung der Welt, aus der er kam.“

(Thomas Karlauf)

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In alten Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat, lebte einmal ein König.“

(Märchen der Gebrüder Grimm)

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„Ja, was hilfts, wenn du klagst / Und was hilfts, wenn du weinst? / Alle Blumen der Welt / Duften nie mehr wie einst.“

(Zarah Leander)

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Summertime seemed to last forever / Friends would come and friends would go / But their warmth would always linger / In the days when time ran slow.“

(Shirley Bassey)

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Kein Wandrer bald auf hoher Stelle, / Zu schauen Gottes Welt, mehr weilt, / Bald alles mit des Blitzes Schnelle / An der Natur vorübereilt.“

(Justinus Kerner)

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In dieser Ländlichkeit, wo die Welt noch groß ist und der Tag noch lang, liegt meine eigentliche Heimat – und dort wird sie auch bleiben.“

(Björn Höcke)

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„Eine Schar von Fiebern hielt die Erde belagert, und der Tod, früher nur langsam die Sterblichen beschleichend, beflügelte seinen Schritt.“

(Aus Gustav Schwabs ‚Sagen des klassischen Altertums‘)

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Etwas rast um den Erdball…“

(Heidegger)

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Es geht durch unsere Zeit ein Suchen, ein ängstliches Tasten nach göttlichen Dingen. Über unsere Zeit ist die große Einsamkeit gekommen, eine Einsamkeit, die es nur dort gibt, wo Gottverlassenheit herrscht.“

(Bonhoeffer)

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Ich fühle mich wie eine von ihrem Fels gerissene Auster.“

(Joseph de Maistre)

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„Heimat ist ein Ort, wo noch niemand war.“

(Ernst Bloch)

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Heimat ist immer etwas Retrospektives. Ein Gefühl des Verlusts.“

(Edgar Reitz)

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Everything seems amazing in retrospect.“

(Rumsfeld auf die Frage, ob der Umgang mit 9/11 in der Rückschau nicht wundersam anmute)

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Früh, eh die Flut noch in die Welt gebrochen, / Gab es Geschöpfe, ob zwar wunderlich, / Des zeugen noch fossile Mammutknochen / Und das System des Fürsten Metternich.“

(Grillparzer)

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„Es starb zu derselbigen Stunde / Die ganze Saurierei, / Sie kamen zu tief in die Kreide, / Da war es natürlich vorbei.“

(Victor von Scheffel)

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Dass ihre Gene aussterben werden, ist vielleicht das Beste, was sich über Merkel sagen lässt.“

(Klonovsky)

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Das gibt es auch: Dass Menschen Genies sind, aber trotzdem mit einem göttlichen Talent gesegnet.“

(Akif Pirincci über Leni Riefenstahl)

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„Genie ist zu einem Zehntel Erfindungs- und zu neun Zehnteln Urteilskraft.“

(Schilling)

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Menschen, die zu allem ein gesundes Urteil haben, ahnen gar nicht, wie ein Urteil beschaffen sein muss, um Bestand zu haben: Dass es nämlich zuerst unter Zähneklappern, zitternd und fiebernd durch den Eiswald der Sachverhalte irren muss, um sich zu finden.“

(Botho Strauß)

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Wenn er’s nicht erhofft, wird er das Unverhoffte nicht finden. Denn sonst ist’s unerforschlich und unzugänglich.“

(Heraklit)

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An das Göttliche glauben / Die allein, die es selber sind.“

(Hölderlin)

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Wär nicht das Auge sonnenhaft, / Die Sonne könnt es nie erblicken. / Läg nicht in uns des Gottes Kraft, / Wie könnt uns Göttliches entzücken?“

(Goethe)

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Mag auch das Auge des Nachtvogels die Sonne nicht sehen, es schaut sie dennoch das Auge des Adlers.“

(Thomas von Aquin)

*

„Zutiefst kam die Furchtlosigkeit seines Fragens von der Erkenntnis, dass wir nicht fragen können nach der Wahrheit, wenn sie nicht zuerst gefragt hätte nach uns; dass wir Wahrheit nicht suchen könnten, wenn wir nicht schon zuvor gefunden wären von ihr.“

(Ratzinger über Gottlieb Söhngen)

*

Auch lebte er, wie jeder grobe Theoretiker, vom Zeitgemäßen in der Wissenschaft und trieb besonders die Archäologie. Er war nicht fein genug, zu ahnen, daß unser Spaten unfehlbar alle Dinge findet, die uns im Sinne leben.“

(Jünger)

*

Die Seele fragte: ‚Sag, wo bist du Herr, daß ich dich aufsuchen kann?‘ Und Gott antwortete: ‚Wo du mich zu suchen beginnst, bist du schon angelangt bei mir.'“

(Algazel)

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Göttliches trifft Unteilnehmende nicht.“

(Hölderlin)

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Wer sich als Seher weiß, der weiß auch seinen Gott – und jeder Fromme weiß durch Frommsein schon, dass sein Erlöser lebt.“

(Gundolf)

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Göttlich belehret, / Dürft ihr vertrauen; / Den ihr verehret, / Werdet ihr schauen.“

(Goethe)

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Da jedes bild vor dem ihr fleht und fliehet / Durch euch so gross ist und durch euch so gilt, / Beweinet nicht zu sehr was ihr ihm liehet.“

(George)

*

George hat selbst zugegeben, ‚Maximin könnte auch ein schwarzer Stein sein oder eine grüne Kugel‘. Für ihn zählte nicht das Was, sondern das Wie, nicht der Inhalt des Glaubens, sondern die Hingabe der Gläubigen.“

(Karsten Dahlmanns)

*

Das Gleichnis ist wie Wort und Lied und wie der Stein vergänglich, doch nicht das Wunder, für das es spricht.“

(Jünger)

*

Ich weiß, daß ohne mich / Gott nicht ein Nu kann leben; / Werd ich zunicht, er muß / Von Not den Geist aufgeben.“

(Angelus Silesius)

*

Gott ist ein schemen wenn ihr selbst vermürbt!“

(George)

*

Denn du warst selber nur ein Gast des Golds. / Nur einer Zeit zuliebe, die dich flehte / In ihre klaren marmornen Gebete, / Erschienst du wie der König der Komete, / Auf deiner Stirne Strahlenströme stolz.“

(Rilke)

*

Still doch! Es war ja der Wind nur, / Welcher dich fürchten gemacht, / Sieh, alle Dinge sind nur / Wandelnde Schatten der Nacht. / Aber das Auge erhellt sie / Mehr als die Sonne vermag, / Schenkt ihnen Leben und stellt sie / In den taumelnden Tag.“

(Alexander von Bernus)

*

Wie wundervoll sind diese Wesen, / Die, was nicht deutbar, dennoch deuten / Was nie geschrieben wurde, lesen, / Verworrenes beherrschend binden / Und Wege noch im Ewig-Dunkeln finden.“

(Hofmannsthal)

*

Nur allein der Mensch / Vermag das Unmögliche: / Er unterscheidet, / Wählet und richtet; / Er kann dem Augenblick / Dauer verleihen.“

(Goethe)

*

Setz deine Runen ins Rechte, / Sei, der du bist, / Ob dich der Himmel befechte, / Ob dich die Erde vergißt, / Gott sich mit Schattengebärde / Jenseits der Zeiten verlier, / Weißt du: Gott, Himmel und Erde / Dauern gewaltig in dir.“

(Schilling)

*

Und sagt mir wer, du siehst, was gar nicht ist, / So sag ich, daß das Glück allein das Wähnen. / Und rührt mich Eingebildetes zu Tränen, / So weiß ich: alle lügen, du nur – bist.“

(Wolf von Aichelburg)

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Und bist du auch nur, weil ich nur dich begehre, / So wärest du auch, wenn dem nicht so wäre.“

(Lisa Eckhart)

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Ihr rufe junger jahre die befahlen / Nach ihr zu suchen unter diesen zweigen: / Ich muss vor euch die stirn verneinend neigen · / Denn meine liebe schläft im land der strahlen.“

(George)

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Im eignen Herzen such’s, nicht in der Welt Getriebe.“

(Martha Eggerth)

*

Mensch, geh nur in dich selbst, / Denn nach dem Stein der Weisen / Darf man nicht zuallererst / In fremde Länder reisen.“

(Angelus Silesius)

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„Dies alles ist in dir. Laß deinen eitlen Wahn, / Und eh du fürder gehst, so geh in dich zurücke. / Wer selbst sein Meister ist, und sich beherrschen kann, / Dem ist die weite Welt und alles untertan.“

(Paul Fleming)

*

Unzählige Menschen haben Völker und Städte beherrscht, nur wenige sich selbst.“

(Seneca)

*

„Angesichts der Ewigkeit hat der Mensch bloß die Wahl, freiwillig oder unfreiwillig komisch zu sein.“

(Friedrich Schlegel)

*

„Ohne Ahnung vom Übersinnlichen ist der Mensch ein Tier. Eine Überzeugung davon ist aber nur für den Toren möglich und nur für den Entarteten notwendig.“

(Grillparzer)

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Es wäre Stutenbissigkeit, wenn ich Gott kritisieren würde.“

(Lisa Eckhart zur Frage, ob Künstler Religionen aufs Korn nehmen sollten)

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„Ich bin noch mehr Pole als ich Gott bin.“

(Nietzsche)

*

Ich bin die Revolution.“

(Napoleon)

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Wenn die Zeitgenossen berichten, um Napoleons Haupt habe eine Glorie gestrahlt und sein Blick habe die Körper entflammt wie ein Blitz, so ist das zwar unhaltbar, aber immer noch unvergleichbar viel wahrer, als wenn die Historiker behaupten, er sei ein Mensch gewesen wie sie selbst.“

(George)

*

Der vor dem Gott, an den er nicht glaubt, in die Knie geht, hat alles begriffen.“

(Klonovsky)

*

Wohl dem Manne, der den Ewigen fürchtet.“

(Schriftzug an der Statue zu Ehren Friedrich Augusts I. von Sachsen)

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Wes Herz die Holdin nicht verehrt, / Der höre meinen Hohn.“

(Hölderlin)

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Womöglich haben in einem mittelalterlichen Dorf mehr authentische Individuen gelebt als in einer modernen Großstadt.“

(Klonovsky)

*

Das schlimmste, was man sein kann, ist authentisch. Man hat gefälligst eine Kunstfigur zu entwerfen und sie vor allem im öffentlichen Raum durchzuziehen, um den anderen nicht auf die Nerven zu gehen. Man zerfällt in verschiedene Referenten: Heute sitzt hier der Referent zur Bespaßung eines akademischen Publikums, nachher wird man mich volkstümlich im Restaurant am Neckar-Ufer erleben und heute Abend bin ich dann wieder der Mega-Star im Park hinter dem Stuttgarter Hauptbahnhof.“

(Harald Schmidt)

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Wenn man an meinen Nationalismus appelliert, dann antworte ich als Nationalist. Wenn man von mir verlangt, Europäer zu sein, bin ich es. Einem Weltbürger antworte ich als Weltbürger. Das läuft in mir ab wie in einem gut geölten Mechanismus.“

(Jünger)

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Die schärfste Waffe der Jungen Freiheit ist das Fluchtauto.“

(Schilling nach einer linken Attacke am Bodensee)

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Der ideale Untertan ist historisch ahnungslos, hysteriebereit und unbewaffnet.“

(Klonovsky)

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„Ein Staat ist immer nur so frei wie sein Waffengesetz.“

(Gustav Heinemann)

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„Die sterbenden Gesellschaften häufen Gesetze an wie die Sterbenden Heilmittel.“

(Gómez Dávila)

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Es ist unglaublich, wie ich dich zur gleichen Zeit bemitleide und verachte – ich bin sicher, die Deutschen haben ein Wort dafür.“

(Lisa zu Bart Simpson)

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„Jenes lauwarme Gefühlsgemisch aus Ekel, Verachtung und Mitleid – bekannt als Toleranz.“

(Patrick Süskind)

*

„Wer den ganzen Tag arbeitet, hat keine Zeit, Geld zu verdienen.“

(Rockefeller)

*

Auf Einnahme-Ausfälle verzichte ich gern, solange ich Ausnahme-Einfälle habe.“

(Schilling)

*

Das Geld ist die Kraft des Bösen und der Jude ist sein Trabant.“

(Goebbels)

*

„Groshens, farsholtene, ir hersht mit der velt.“

(jiddisches Lied)

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Fechte der Satan, wo Kaufleute rechnen!“

(Grabbe)

*

Frailty, thy name is woman!“

(Shakespeare)

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„Verlogenheit, dein Name ist Gegenwart.“

(Ulrich Sieg)

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Und stürzt, umwogt von Feuerfluten, / Der Erdball selbst ins Grab der Zeit; / Entschwebst, ein Phönix, du den Gluten: / Dein Nam ist Unvergänglichkeit.“

(Friedrich von Matthisson über die Liebe)

*

Doch alle Lust will Ewigkeit.“

(Nietzsche)

*

Oft sehnt das Herz sich nach dem Glück und nach der Liebe, / Und ist sie da, sehnt sich das Herz, dass es so bliebe.“

(Zarah Leander)

*

Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich.“

(Hohelied 8:6)

*

Wie schickt sich aber Eis und Flammen? / Wie reimt sich Lieb‘ und Tod zusammen? / Es schickt und reimt sich gar zu schön, / Denn beide sind von gleicher Stärke / Und spielen ihre Wunderwerke / Mit allen, die auf Erden gehn.“

(Johann Christian Günther)

*

So ruhen die Liebenden nebeneinander. Friede schwebt über ihrer Stätte, heitere, verwandte Engelsbilder schauen vom Gewölbe auf sie herab, und welch ein freundlicher Augenblick wird es sein, wenn sie dereinst wieder zusammen erwachen.“

(Goethe)

*

„Als man die beiden Skelette voneinander trennen wollte, zerfielen sie zu Staub.“

(Klonovsky)

*

Number there in love was slain.“

(Shakespeare)

*

Ein Strahl fährt mitten er durchs Herz der Erde.“

(Droste-Hülshoff über den Magneten Liebe)

*

Laßt die Scheidestunde schlagen, / Laßt des Würgers Flügel wehn! Brüder, drüben wird es tagen! / Schwestern, dort ist Wiedersehn! / Jauchzt dem heiligsten der Triebe, / Den der Gott der Götter gab, / Brüder, Schwestern, jauchzt der Liebe, / Sie besieget Zeit und Grab!“

(Hölderlin)

*

Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen.“

(1. Korinther 15:51)

*

Non omnis moriar.“

(Horaz)

*

Das galt auch für den Spiegel Nigromontans; sein Blitzen weissagte uns, daß wir nicht gänzlich untergehen würden, ja daß das Beste in uns den niederen Gewalten unzugänglich sei. So ruhen unsere hohen Kräfte unverletzlich wie in den Adlerschlössern aus Kristall.“

(Jünger)

*

Ich habe dich geliebt, großer Tutanchamun, und meine Trauer ist groß, dass du gehst. Aber vergiss, dass die Zeit Zeit ist. Denn nach der Zeit sehen wir uns wieder.“

(Anches-En-Amun)

*

Es ist nicht tot, was ewig liegt, / Wenn einst die Zeit den Tod besiegt.“

(frei nach Lovecraft)

*

O Mutterherz, dich drücke / Dein Schmerz nicht allzusehr! / Nur wenig Augenblicke / Trennt uns des Todes Meer. / Dort angelangt, entweiche / Ich nimmermehr dem Strand: / Seh‘ stets nach dir, und reiche / Der Landenden die Hand.“

(Elisabeth Kulmann)

*

„Kunst ist Geist, gebrochen durch das Prisma der Liebe.“

(Schilling)

*

Profession vom Dichten machen, das ist überhaupt lächerlich, als wenn einer beständig verliebt sein wollte und noch obendrein auf öffentlicher Straße.“

(Eichendorffs Eichenmann Dryander in ‚Dichter und ihre Gesellen‘)

*

Traum-Charakter des Dichtens: Unsere größten Werke vollbringen wir in einer Art von öffentlichem Schlafwandel.“

(Schilling)

*

Fürwahr, das ewge Wort / Wird heute noch geborn, / Wo da? Da wo du dich / In dir hast selbst verlorn.“

(Angelus Silesius)

*

„Der Geist der Poesie ist das Morgenlicht, das die Statue des Memnon tönen macht.“

(Novalis)

*

Jeder Buchstab ist zumal / Memnonsäule worden, / Die geküsst vom Morgenstrahl / Aufwacht in Akkorden.“

(Rückert)

*

Der Dichter besingt die Welt, die wie Memnons Bild, voll stummer Bedeutung, nur dann durch und durch erklingt, wenn sie die Aurora eines dichterischen Gemütes mit ihren verwandten Strahlen berührt.“

(Eichendorff)

*

Others, that some original shape, or form / Shaped by decay perchance, hath given the power / (Though less than that of Memnon’s statue, warm / In Egypt’s rays, to harp at a fix’d hour) / To this grey ruin, with a voice to charm.“

(Lord Byron)

*

Als Poesie gut.“

(Friedrich Wilhelm III. zur Forderung Gneisenaus nach allgemeiner Volksbewaffnung)

*

Auf Poesie ist die Sicherheit der Throne gegründet.“

(Gneisenaus Erwiderung)

*

Das Volk war einmal ein Märchen. Tief verwurzelt in diesem wiederum die Dichter. Später war das Volk nichts als eine Satire aus dem Geiste der Bevölkerung.“

(Botho Strauß)

*

Nie ist die Classe des echten Volkes von jener des Pöbels unterschiedener, als in Zeiten, wo Erstere eigenen Besitz gegen die Angriffe der Zweiten zu vertheidigen hat.“

(Metternich)

*

Ein Volk ist der Umschweif der Natur, um zu sechs, sieben großen Männern zu kommen.“

(Nietzsche)

*

Doch, etwa an jene Bachs, Shakespeares, Homers, Heideggers oder Velázquez’. Aber dieses Gremium ist wohl längst vollzählig. Der Mensch ist zu klein geworden, um noch Vertreter dorthin zu entsenden.“

(Klonovsky auf die Frage, ob er an Unsterblichkeit glaube)

*

Nur sieben sind gerettet die einst kamen / Und denen unsre kinder zugelächelt.“

(George)

*

Der soziologische Nenner, / Der hinter Jahrtausenden schlief, / Heißt: ein paar große Männer / Und die litten tief.“

(Benn)

*

Einer gilt mir zehntausend, falls er der Beste ist.“

(Heraklit)

*

Zehntausend muss der heilige wahnsinn schlagen, / Zehntausend muss die heilige seuche raffen.“

(George)

*

Man kann den kontinuierlichen Anstieg der Weltbevölkerung mit der ständigen Verdünnung einer Substanz vergleichen.“

(Klonovsky)

*

Was? du suchst? du möchtest dich verzehnfachen, verhundertfachen? du suchst Anhänger? – Suche Nullen!“

(Nietzsche)

*

Die Gesellschaft, die zivile, / Droht dem einen: Wir sind viele!“

(Pommerening)

*

Die Mächte der Wahrheit, der Erkenntnis und der Gerechtigkeit sind nicht Massen-, sondern Qualitätswerte, und wo sie nur in einem Menschen in Erscheinung treten, sind sie so überwältigend und ausstrahlend, daß sie zu veranschlagen sind wie das eine Gramm Radium, das vielen Zentnern dunklen Muttergesteins Daseinsberechtigung gibt.“

(Ina Seidel)

*

Als Masse treten die Massenhaftigen nicht mehr auf. ‚Masse‘ ist nunmehr, als ‚Massenhaftigkeit‘, eine Qualität von Millionen Einzelnen geworden; nicht mehr deren Zusammenballung. Die Nürnberger Parteitage gehören einer anderen Epoche an.“

(Günther Anders)

*

Dreihundert Spartaner, die mit Leonidas fielen, schufen ein Sinnbild für für uns, weil sie nicht Masse waren: weil sie als kleines Häuflein, in dem sich die Kraft und der Glauben von Hellas niederließ, die persischen Herden sterbend überwanden.“

(George)

*

Hammer muß sein, / daß Masse Volk wird.“

(Will Vesper)

*

Es ist schwierig, über die Arbeiten des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki keine Satire zu schreiben.“

(Handke)

*

„Siedler hat mich regelrecht in Speer hineingeschubst.“

(Reich-Ranicki)

*

„Er schreibt über mich, also bin ich.“

(Wolfgang Koeppen über Reich-Ranicki)

*

Mit dieser Nennung habe ich ihm das Überleben gesichert: Als Fußnote zu unserer Correspondenz.“

(Schilling in einem Brief über Timo Kölling)

*

Wo immer Menschen meiner gedenken, wird ihrer gedacht sein.“

(Thomas Mann über Katia)

*

„Natürlich hätte ich das noch viel besser malen können, aber dann wär’s ja kein Dix mehr gewesen.“

(Wolfgang Beltracchi)

*

„Verworrensein und Nicht-Schreiben-Können ist noch kein Surrealismus.“

(Benn)

*

„Ein Werk nicht gut zu kennen ist keine hinreichende Voraussetzung, es zu inszenieren.“

(Joachim Kaiser)

*

Karriere ist kein Nonnenhockey.“

(Bernd Stromberg)

*

In der Bäckerei seines Großvaters aß der junge Christian viele Puddingteilchen.“

(Reinhold Beckmann aus dem Off über Christian Lindner)

*

„Das dicke Biest begeht Landesverrat.“

(Goebbels über Friedelind Wagner)

*

Gespieener Claudel.“

(George über Fritz von Unruh)

*

Hintertreppenklatsch übers Jenseits.“

(Gundolf über Theosophie)

*

FDP mit Dosenpfand.“

(Lafontaine über die Grünen)

*

Eine zweipfündige Grabschrift auf ein Scheingelebtes.“

(Franz Blei über Wolters‘ ‚Blättergeschichte‘)

*

Das übelste Monstrum, das die deutsche Literaturbetriebsgeschichte je durchkrochen hat.“

(Handke über Marcel-Reich-Ranicki)

*

„Things have learned to walk that ought to crawl.“

(Lovecraft)

*

Now the sneaking serpent walks / In mild humility, / And the just man rages in the wilds / Where lions roam.“

(William Blake)

*

And captive good attending captain ill.“

(Shakespeare)

*

Es ist schon unfassbar, was sich so alles auf der Welt rumtreibt.“

(Brigitte Schermuly über Liane Bednarz)

*

„Eine völlige Null.“

(Wilhelm von Humboldt an Schiller über Matthias Claudius)

*

A shipwreck of a genius.“

(Arthur Symons über den in Ungnade gefallenen Simeon Solomon)

*

Ein kleiner, verschrumpfter, goldbebrillter Greis von fünfunddreißig Jahren.“

(Mendelssohn über Platen im Exil)

*

„Der Mann hat keine Rasse, nur Zivilisation.“

(Goebbels über Thomas Mann)

*

„Eine Personage, so schmierig, wenn man sie an die Wand würfe, sie täte pappen bleiben.“

(George über Rudolf Borchardt)

*

Ich befürchte, dass zumindest zwei der eben Genannten bis heute nicht in der Lage sind, zentrale Wesensmerkmale des Konservatismus und Liberalismus zu nennen.“

(Björn Höcke über die vorgeblich zu liberalen Thüringer Fraktions-Abtrünnigen)

*

Wir stehen auf der richtigen Seite der Geschichte. Macron und Merkel werden fallen wie die Kegel.“

(Steve Bannon)

*

Es mag sein, dass Frevel siegt, / Wo der Fromme niederliegt; / Doch nach jedem Unterliegen / Wirst du den Gerechten sehn / Lebend aus dem Feuer gehn, / Neue Kräfte kriegen.“

(Rudolf Alexander Schröder)

*

Denn was dem Abgrund kühn entstiegen, / Kann durch ein ehernes Geschick / Den halben Weltkreis übersiegen, / Zum Abgrund muß es doch zurück.“

(Goethe)

*

Gert Voss allerdings spielt das Stück weit in den Kleistschen Abgrund hinein. Je schrecklicher Hermann mordet, desto sanfter werden Voss’ Mittel; seine Anmut wächst mit den Greueln. Voss versucht da keine tröstlichen Erklärungen mehr, die Figur entgleitet dem Verstehen, auch dessen, der sie spielt. Gert Voss verzichtet auf alle theatralischen Attraktionen, gerät in eine immer tiefere Erstarrung – es herrscht Ruhe im Mittelpunkt des Wahnsinns.

(Benjamin Henrichs)

*

Zur universellen Inspiration tritt ein totalitärer Anspruch: Einzig der Künstler gilt Schilling nach Gottes Tod noch als Künder des Göttlichen. Nur er schaffe in unserer Welt der Bedingtheiten das Unbedingte, im ewigen Chaos das ein für alle Mal Kosmische.“

(Meynrath)

*

„Aber das Wort, dir gegeben / Einmal für allezeit, / Stiftet ein Heiles im Schweben, / Stiftet ein Reines im Leid.“

(Schilling)

*

Die Schöpfung muss durch Zeugen aufgefrischt, sie muss, obwohl nur im Gleichnis, in der Zeit wiederholt werden. Die Zeugung ist ihr Symbol und auch der Schmerz – er wird in der Geburt und im Martyrium wiederholt.“

(Jünger)

*

Dann wieder schaut er aus wo sich ihm weise / Ein fester stern – dein stern – zu stetem preise / Und wo ein ruhen sei im allgekreise.“

(George)

*

Stat crux dum volvitur orbis.“

(Wahlspruch des Kartäuser-Ordens)

*

Ich will stehen und ruhen, du aber sollst gehen!“

(Christus zu Ahasver)

*

Ich bin ein Felsen im tobenden Meer, der unaufhörliche Denker, der Mann der Wahrheit, der Wortführer der Vernunft, der Felsen der Ordnung.“

(Metternich)

*

Es wechseln die Zeiten. Die riesigen Pläne / Der Mächtigen kommen am Ende zum Halt. / Und gehn sie einher auch wie blutige Hähne / Es wechseln die Zeiten, da hilft kein Gewalt.“

(Brecht)

*

Do I really look like a guy with a plan?“

(Heath Ledger als Joker)

*

„Nicht wenige, die damals im Straßenkampf aktiv waren, wälzen ja heute in der Business Class die Plauze auf den Nebensitz.“

(Harald Schmidt)

*

Macht, dass ihr fortkommt; in zehn Jahren seid ihr alle Notare!“

(Jouhandeau aus dem Fenster zu lärmenden Studenten vor seinem Haus)

*

Die großen Zertrümmerer und Innovatoren enden psalmodierend.“

(Schilling über Pound)

*

Macht kaputt, was euch kaputt macht.“

(Rio Reiser)

*

Verwerft, was euch verwirrt. / Verfemt, was euch verführt.“

(Ernst Bertrams Geleitverse zur Bücherverbrennung)

*

„Wohltätigkeit ist eine Sünde, sofern sie ihrem Empfänger nicht hilft, von ihr unabhängig zu werden.“

(Rockefeller)

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„Wohltätigkeit ist das Ersäufen des Rechts im Mistloch der Gnade.“

(Pestalozzi)

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„Kann man einen Blinddarm evangelisch operieren?“

(Breker auf die Frage nach faschistischer Kunst)

*

Unten im Graben wird C‑Dur gespielt. Und dieses C‑Dur klang 1944 genauso wie heute. Kunst ist stärker als ihre Vereinnahmung.“

(Thielemann)

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‚Guernica‘, benannt nach der im Spanischen Bürgerkrieg zerstörten Küstenstadt, sei nicht aus eigenem Recht als Kunstwerk berühmt geworden, so Angerer, sondern als Anklage gegen Franco und Hitler. Zwar ist der Maler selbst weit entfernt davon, einen der beiden freisprechen zu wollen, doch erhebt er den Anspruch, dass Kunst auch ohne moralische Stützräder ästhetisch Fahrt aufnehmen müsse. Künstlern, denen das gelungen sei, hätten bisher noch stets ihr jeweiliges Tugendsystem überstrahlt, erklärt er am Beispiel der Medici, die zwar durchaus korrupt und mörderisch gewesen seien, im kollektiven Gedächtnis aber vornehmlich als Mäzene Botticellis und Michelangelos fortlebten.“

(Meynrath)

*

„Die beste Antwort auf den Hochverrat des Geistes gegen das Leben ist der Hochverrat des Geistes gegen den Geist.“

(Jünger)

*

Es gibt keine Lösung, vor allem keine endgültige. Wir müssen die Spannung von Innen und Außen, zwischen Geist und Macht, zwischen Kunst und Leben aushalten, in ihr existieren auf Gedeih und Verderb.“

(Schilling)

*

Ein Jenseits im christlichen Sinne haben die Griechen nicht gekannt, vor den Tagträumen der Sozialisten hat sie ihr Realismus bewahrt. In ihren Augen gibt es keinen Ausgleich, kein Jüngstes oder sonstiges Gericht, keine ewige Seligkeit und keine ewige Verdammnis.“

(Konrad Adam)

*

Immer bleibt das Missverständnis, dass man in der Politik etwas sucht, was man dort niemals finden wird: Erlösung, das wahre Sein, Antworten auf die letzten Fragen, Verwirklichung der Träume, Utopie des gelingenden Lebens, den Gott der Geschichte, Apokalypse und Eschatologie.“

(Safranski)

*

Wäre dem Geist die Schule der Erde überflüssig, warum wäre er ihr verkörpert; wäre aber das Geistige je ganz irdisch geworden, wer könnte ohne Verzweiflung von der Erde scheiden? Dies sei unserer Zeit ernstlich gesagt, die ihr Zeitliches überheiligen möchte mit vollendeter, ewiger Bestimmung, mit heiligen Kriegen, Frieden und Weltuntergang.“

(Achim von Arnim)

*

„Wer die Menschheit verteidigt, hat immer recht.“

(Lied der Partei)

*

Wer ‚Menschheit‘ sagt, will betrügen.“

(Carl Schmitt)

*

Wenn die Regierenden sich für die Sachwalter der ganzen Menschheit halten, nähert sich der Terror.“

(Gómez Dávila)

*

Nur für Regen und Thau und fürs Wohl der Menschengeschlechter / Laß du den Himmel, Freund, sorgen, wie gestern, so heut.“

(Schiller an den Weltverbesserer)

*

Den Ort, wo Atlantis vergangen, / Ergründet kein Taucher im Meer, / Der Schoß, der Atlantis empfangen, / Gibt nichts, was er trägt, wieder her.“

(Schilling)

*

Ach, kein Steg will dahin führen, / Ach, der Himmel über mir / Will die Erde nicht berühren, / Und das Dort ist niemals hier!“

(Schiller)

*

Wacht noch ein Herzrot im Ghetto des Seins? / Grünt das begrabene Wort? / Asche und Stern, Sinn und Schatten sind eins, / Hier wie dort.“

(Schilling)

*

O Wesen, dem nichts gleich! / Gott ist ganz außer mir / Und inner mir auch ganz, / Ganz dort und auch ganz hier.“

(Angelus Silesius)

*

Fürwahr, du bist ein verborgener Gott, du Gott Israels, der Heiland.“

(Jesaja 45:15)

*

Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht.“

(Bonhoeffer)

*

Höre mein Gebet, Herr, und vernimm mein Schreien, schweige nicht zu meinen Tränen; denn ich bin ein Gast bei dir, ein Fremdling wie alle meine Väter.“

(Psalm 39:13)

*

Du laß, wenn die Streiter sich zeigen, / Die Brünne, von Schwertern gerieft, / Du schweig vor dem Stein, dessen Schweigen / Den Purpur des Traums noch vertieft.“

(Schilling über den Pergamon-Altar)

*

Und doch sehen wir, dass der neueste Schnörkel, der die vordersten Vordergründe behandelt, für uns ganz und gar tot ist, während auf der andern Seite ein gräcisierender Päan ganze Fluten neuen Lebens erregen kann.“

(George)

*

Und es kann leicht möglich sein, daß man von der toten Büste hypnotisiert wird, während man den Lebendigen nach einem kühlen Gruße ein für alle Mal vergisst.“

(Fritz Karpfen über die Skulpturen von Gustinus Ambrosi)

*

Wir schatten atmen kräftiger!“

(George)

*

„Die abgestorbene Eiche steht im Sturm, / Doch die gesunde stürzt er schmetternd nieder, / Weil er in ihre Krone greifen kann.“

(Kleist)

*

Sie nennen’s Träume, wenn er seine Blicke / Unbeweglich zu den Wolken hebt. / Sie ahnen nicht die flammenden Geschicke, / Die er lebendiger als all ihr Leben lebt.“

(Wolf von Aichelburg)

*

Ich bete nachts oft: Sei der Stumme / Der wachsend in Gebärden bleibt / Und den der Geist im Traume treibt, / Daß er des Schweigens schwere Summe / In Stirnen und Gebirge schreibt.“

(Rilke)

*

Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.“

(2. Mose 33:20)

*

Those who have seen your face / Draw back in fear.“

(Richard Stilgoe)

*

Da hört ich von Ihm der am klippengestad / Aus klaffendem himmel im morgenschein / Ein nu lang die Olympischen sah / Worob ein solches grausen ihn schlug / Dass er zu der freunde mahl nicht mehr kam / Und sprang in die schäumenden fluten.“

(George)

*

Das Universum lässt sich als Kunstwerk oder als Mechanismus auffassen. Hier wie dort wird die Grenze erreicht, über die nur Furcht und Bewunderung hinausreichen. Auch die Metaphysik hat die Schranken gezeichnet – bildhaft bei Plato, methodisch bei Kant.“

(Jünger)

*

Erschrecken über die ersten Strahlen seiner Herrlichkeit ist die letzte Grenze allen Verstandes.“

(Algazel)

*

Die menschen griffe lähmendes entsetzen / Den mutigsten vereiste blut und same / Sie brächen nieder wenn vor ihrem blick / Das Andre grausam schreckhaft sich erhübe.“

(George)

*

Immer steht irgend eins zwischen Menschen und Ihm. / Und treppenweise steiget / Der Himmlische nieder.“

(Hölderlin)

*

Er, den du riefest, / Wähnend, er sei, / Fern, da du schliefest, / Strich er vorbei.“

(Schilling)

*

Bleib immer, wo du stehst. / Du stehst so fern. / Du nahst mir und vergehst: / Bleib ferne, Stern!“

(Weinheber)

*

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern. / Die Dinge singen hör ich so gern. / Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm. / Ihr bringt mir alle die Dinge um.“

(Rilke)

*

Der Kuß, um den ich innigst mich bemühte, / Die Nacht, um die ich lang voll Glut geworben, / Ward endlich mein – und war gebrochene Blüte, / Der Duft war hin, das Beste war verdorben.“

(Hesse)

*

Daß er so viel Liebesabenteuer hätte haben können, wie er wollte, schien ihm zu genügen, und es war, als scheute er vor jeder Bindung ans Wirkliche zurück, weil er einen Raub am Potentiellen darin sah.“

(Thomas Mann)

*

Die schöne Seele lebt in der Angst, die Herrlichkeit des Innern durch Handlung und Dasein zu beflecken, und um die Reinheit des Herzens zu bewahren, flieht sie die Berührung der Wirklichkeit.“

(Hegel)

*

Dem knaben gleich der bunte blumen bricht / Und fallen lässt · wenn er den fund belacht: / So irren manche zwischen licht und nacht – / Die kennen wohl den kelch und trinken nicht.“

(Bernhard von Uxkull)

*

Wenn ich die Augen schließe, werd ich inne, / Was in mir lebt und wirklich werden kann, / Und das Gefühl der Möglichkeit ist dann / So stark, dass ich die Welt im Traum gewinne / Und nicht erst dürste, meine Kraft zu zeigen, / Denn Zeit ist mir gegeben wunderbar, / Und hundert Ziele sind mir greiflich klar. / Doch meine Kraft ist stärker im Verschweigen.“

(Wolf von Aichelburg)

*

Du darfst nicht warten, bis Gott zu dir geht / Und sagt: Ich bin. / Ein Gott, der seine Stärke eingesteht, / Hat keinen Sinn. / Da musst du wissen, dass dich Gott durchweht / Seit Anbeginn, / Und wenn dein Herz dir glüht und nichts verrät, / Dann schafft er drin.“

(Rilke)

*

Licht ist von großen Sonnen, Licht ist Handeln, / In seiner Fülle nicht zu überstehn, / Ich liebe auch den Flieder und die Mandeln / Mehr in Verschleierung zur Blüte gehn.“

(Benn)

*

Unzählige utopische Träume haben sich erfüllt, wirken in ihrer Erfüllung aber, wie wenn dabei das Beste vergessen worden wäre, sodass man ihrer folglich nicht froh wird, weil diese Träume selber in ihrer Verwirklichung einen eigentümlichen Charakter der Ernüchterung und der Langeweile angenommen haben.“

(Adorno)

*

Und wenn wir endlich unser gut umklammern / Dass es gekrönt verehrt genossen kaum / Den sinnen wieder flüchtet fahl und mürbe.“

(George)

*

In jedem Wunsch schlummert die Enttäuschung seiner Erfüllung.“

(Cusanus)

*

Ich zeige euch in der erfüllung das grausamste schicksal.“

(George)

*

Die Anziehung zwischen zweien muss ihrem Dasein vorausgegangen sein.“

(Botho Strauß)

*

Sag, was will das Schicksal uns bereiten? / Sag, wie band es uns so rein genau? / Ach, du warst in abgelebten Zeiten / Meine Schwester oder meine Frau.“

(Goethe)

*

So ist’s weil ich mein eigen fleisch errate – / In schreckensfernen die der sinn nie misst / Mit dir entspross dem gleichen königstamm.“

(George)

*

Die Könige siegen im Leben, die Herzen in der Ewigkeit.“

(Zarah Leander als Maria Stuart)

*

Cor ad cor loquitur.“

(Wappenspruch Kardinal Newmans)

*

Ich bin so wehrlos worden – ich gefeit / Durch wunderwelche weisheit aus geschichten! / Mir blieb von meinen weihen, werken, pflichten / Nur noch ein herz das nach dem herzen schreit.“

(Gundolf)

*

Denn wer sich selbst als Narr eracht’t, / Der ist zum Weisen bald gemacht.“

(Sebastian Brant)

*

„Einen Hof erkennt man am Narren.“

(Alexander Kissler über Merkel-Deutschland und Jan Böhmermann)

*

Reife des Mannes: das heißt den Ernst wiedergefunden haben, den man als Kind hatte beim Spiel.“

(Nietzsche)

*

„Du grinsest gelassen über das Schicksal von Tausenden hin.“

(Faust zu Mephisto)

*

Schon eure zahl ist frevel.“

(George)

*

Ein Mann wie ich schert sich wenig um das Leben einer Million Menschen.“

(Napoleon)

*

Aber Majestät, das wäre doch Völkermord.“

(Plessen zum Vorschlag Wilhelms II., russische Gefangene auf die Kurische Nehrung zu treiben)

*

„Wer redet denn heute noch von der Vernichtung der Armenier?“

(Hitler)

*

Sie wollen sich mit Kunst betäuben, / Sie wollen nur noch Märchen sehn; / Sie wollen ihre Welt zerstäuben / Und neben der Epoche gehn. / So dichtet, Dichter: vom Atlantik, / Von Rittern und von Liebesnacht! / Her, blaue Blume der Romantik! / »Er löste ihr die Brünne sacht…«“

(Tucholsky)

*

Deutschland – auf weichem Pfühle / Mach’ dir den Kopf nicht schwer / Im irdischen Gewühle! / Schlafe, was willst du mehr? / Und ob man dir alles verböte, / Doch gräme dich nicht zu sehr, / Du hast ja Schiller und Goethe: / Schlafe, was willst du mehr?“

(Herwegh)

*

„Viele Dichter gleichen Malern, die die Wände untergehender Schiffe mit Stilleben bedecken. Unbeirrbar durch die Mächtigen, aber auch durch die Schreie der Vergewaltigten nicht beirrt, pinseln sie ihre Bilder.“

(Brecht)

*

Schließ Aug und Ohr für eine Weil / Vor dem Getös der Zeit. / Du heilst es nicht und hast kein Heil / Als wo dein Herz sich weiht.“

(Gundolf)

*

Bin zufrieden, wenn die Seel mir warm, / Während es im Leben stürmt und schneit. / Her die Laute! Mehr bedarfs nicht. Arm / Ist, wer sich ergibt der dunklen Zeit.“

(Weinheber)

*

Es belastet mich, Schweres zu sehen. Und wenn ich etwa an kranke Menschen denke, die werden doch nur noch mehr niedergedrückt, wenn man ihnen schreckliche Dinge zeigt. Da suche ich lieber die schönen Gegenwelten.“

(Riefenstahl)

*

Was ich Ihnen in abgerissener Kürze erzählte, ist die Geschichte der deutschen Innerlichkeit. Eines mag diese Geschichte uns zu Gemüte führen: daß es nicht zwei Deutschland gibt, ein böses und ein gutes, sondern nur eines, dem sein Bestes durch Teufelslist zum Bösen ausschlug.“

(Thomas Mann)

*

Hörst du es? Ein Tor nach dem anderen fällt ins Schloß. Wie grausam! Bald ist alles Innen zu. Das Innen weltweit zugesperrt.“

(Botho Strauß)

*

Das deutsche Volk hat eben die europäische Kultur, die ihm importiert worden ist, nie wirklich rezipiert und sich vielmehr immer zu großen Teilen in stiller Auflehnung gegen sie befunden. Nur im deutschen Volke lebt immer heimlich und hält sich zäh der wütende Argwohn, durch das Christentum eigentlich gefoppt zu sein und durch Rom düpiert, durch die Höfe genarrt und durch die Kirche verhöhnt, durch die Wissenschaft verdummt und durch den Geist verraten.“

(Rudolf Borchardt)

*

Fest steht: Im Fahrwasser der im 19. Jahrhundert auf Kiel gelegten protestantischen Neuzeitkonstruktion, mit ihrer durch Hegel auch völkisch aufgeladenen Synonymie von Innerlichkeit und Subjektivität, fand nicht nur der Kulturkampf Bismarcks gegen die Katholiken statt, sondern ereigneten sich auch die beiden Weltkriege gegen eine nicht minder veräußerlichte, als jüdisch oder katholisch denunzierte westliche Zivilisation.“

(Horst G. Herrmann)

*

Den Krieg haben die Amerikaner gewonnen, indem sie jazzend aus dem Meer herauskamen, vor diesen tapferen, aber tumben und vollkommen anachronistischen deutschen Soldaten. Das war der Triumph der Säkularisation.“

(Karlheinz Bohrer)

*

Was jetzt unterlegen ist, ist nicht der Geist gegenüber der Form, nicht das Werdende gegenüber dem Gewordenen, sondern die jüngere und schwächere Vertretung des angloamerikanischen Prinzips gegenüber seiner vollkommeneren Inkarnation.“

(George nach dem Ersten Weltkrieg)

*

Der alte Gott der schlachten ist nicht mehr. / Erkrankte welten fiebern sich zu ende.“

(George)

*

Die Technik hat ja alles verdorben – einschließlich des Krieges.“

(Jünger)

*

Liebe – Tragik.“

(letzte Worte Wagners)

*

Anklagen – Einknasten!“

(Stephan Brandner über Angela Merkel)

*

In einem Staat, der seine Bürger willkürlich einsperrt, ist es eine Ehre für einen Mann, im Gefängnis zu sitzen.“

(Thoreau)

*

Das ist in diesen Zeiten die einzige Gelegenheit, da man seine Orden anlegen darf: wenn man seine Söhne in der Zelle besucht.“

(Jünger 1944 zum erstaunten Gefängniskommandanten)

*

Der Einzelne erbringt keinen größeren Beitrag zur Zivilisation 
als wenn er darauf verzichtet, wahnsinnig zu werden.“

(Sloterdijk)

*

Wenn Sie nicht 95 Prozent dessen, was passiert, ausblenden, ist doch eigentlich die Klapse nicht weit.“

(Harald Schmidt)

*

Die Gleichgültigkeit ist an mir hochgewachsen wie Efeu. Nur gewöhnliche Leute ärgern sich.“

(Karl Lagerfeld)

*

Empörung halte ich für vollkommen sinnlos. Ich stehe zum Beispiel gerne im Stau. Wenn hinter mir einer hupt, weil es ihm zu wenig schnell geht, sehe ich, was für ein Auto er fährt, wie er angezogen ist, und ich frage mich: Warum willst du so schnell in deine Doppelhaushälfte in Quadrath-Ichendorf, mit einem Wagenrad am Carport? Sei doch froh, dass du im Stau stehst.“

(Harald Schmidt)

*

Ich sitze am Straßenhang. / Der Fahrer wechselt das Rad. / Ich bin nicht gern, wo ich herkomme. / Ich bin nicht gern, wo ich hinfahre. / Warum sehe ich den Radwechsel / Mit Ungeduld?“

(Brecht)

*

Der stockende Atem eines Bewusstseins, dem es wesentlichen selbst um das Stocken zu tun ist, das Stocken an sich, um die Macht des Zögerns und der Verlegenheit, des vielleicht sichersten Gewahrwerdens von Existenz.“

(Botho Strauß)

*

I have no spiritual investment in the world as it is.“

(Jacob Taubes)

*

Und sollte man mir vorwerfen, ein Metaphysiker zu sein – mein Gott, die Welten, die im Angebot sind, sind nicht sonderlich attraktiv.“

(Jünger)

*

Ich glaube doch ohnehin an die Welt, die Jesus gekreuzigt hat. Warum soll ich mich dann echauffieren wegen irgendwelcher anderen Ruinen?“

(Robert Spaemann auf die Frage, ob ihm der Untergang des Abendlandes zusetze)

*

Wer in der Hölle nicht / Kann ohne Hölle leben, / Der hat sich noch nicht ganz / Dem Höchsten übergeben.“

(Angelus Silesius)

*

Es mag sein, dass alles fällt, / Dass die Burgen dieser Welt / Um dich her in Trümmer brechen. / Halte du den Glauben fest, / Dass dich Gott nicht fallen lässt: / Er hält sein Versprechen.“

(Rudolf Alexander Schröder)

*

Heutzutage muss der Einzelne in sich selbst das zivilisierte Universum wiederaufbauen, das ringsum im Verschwinden begriffen ist.“

(Gómez Dávila)

*

Nun sprich: Willst du mich minnen / Zu deines Flugs Gespiel? / So wirst du dich beginnen, / Wenn rings die Welt verfiel.“

(Schilling)

*

Wert ist wohl die spät gefundne Blume, / Daß ein Jüngling in sein Lied sie mischt, / Sie vergleichend einem Ruhme, / Der noch wächst, da schon so viel erlischt.“

(Platen)

*

Die Summe der Fluchten aus ihr.“

(Sloterdijk auf die Frage, was Wirklichkeit sei)

*

Harald Schmidt ist in erster Linie kein Moderator, sondern ein Geisteszustand.“

(Julian Miller)

*

Schwabing ist kein Ort, sondern ein Zustand.“

(Fanny zu Reventlow)

*

Am Kabarett beklagt man rings, / Dass es nicht lustig sei, bloß links.“

(Pommerening)

*

Die Eumeniden lächeln, wenn der Mob ins Büro des linken Gesellschaftstheoretikers eindringt.“

(Klonovsky)

*

Schon damals hatte es Friedrich mit der Kunst: So warf er eine Stinkbombe in eine Arno-Breker-Ausstellung, und die Pianistin Martha Argerich forderte er auf, sie möge lieber vor Arbeitern spielen statt vor dekadenten Bürgern. Es steckt eine gewisse Gerechtigkeit in der Tatsache, dass nunmehr seine Veranstaltungen gestört werden.“

(Klonovsky über Jörg Friedrich)

*

Wer sich heute »links« nennt, kündigt lediglich an, noch hartnäckiger zu fordern, was alle anderen auch schon fordern.“

(Böckelmann)

*

Links sein heißt, aus einer Ecke zu kommen, in der man das Beste vergeblich gehofft hat. Netter jedenfalls, als schon immer alles besser gewusst zu haben.“

(Joseph von Westphalen)

*

An den Verheißungen der Utopie scheint alles bewundernswert und ist alles falsch; an den Feststellungen der Reaktionäre ist alles verabscheuenswert und scheint alles wahr.“

(Cioran)

*

Reaktionär zu sein heißt, begriffen zu haben, daß man von einer Wahrheit nicht absehen kann, bloß weil sie keine Möglichkeiten hat zu triumphieren.“

(Gómez Dávila)

*

Der Reaktionär ist hellsichtig und machtlos.“

(Gómez Dávila)

*

Ich wäre gern Reaktionär, aber mir fehlt die intellektuelle Grundlage.“

(Harald Schmidt)

*

„Es ist nicht alles deutsch, was nicht glänzt.“

(Ludwig Marcuse)

*

„Zu Zeiten des Peloponnesischen Krieges gab es Deutschland noch nicht – daher weiß man nicht, wer schuld war.“

(Joachim Fernau)

*

Bereits zum vierten Male leben wir im besten Deutschland, das es je gab. Drei dieser Staaten sind verschwunden, aber sie haben immerhin Deutschland übriggelassen. Der vierte strebt Größeres an.“

(Klonovsky)

*

Geselle dich zur kleinsten Schar.“

(Goethe)

*

Eine kleine schar zieht stille bahnen / Stolz entfernt vom wirkenden getriebe / Und als losung steht auf ihren fahnen: / Hellas ewig unsre liebe.“

(George)

*

Die Völker sind Gedanken Gottes.“

(Herder)

*

Der Finger, der schmerzt, individuiert sich. Könnten wir nicht in diesem Sinne die Schmerzen Gottes sein?“

(Hebbel)

*

„Tiere, die Perlen bilden, sind verschlossen.“

(Benn)

*

Kein Klang der aufgeregten Zeit / Drang noch in diese Einsamkeit.“

(Storm)

*

Tang nach dem Sturm, Herbstlaub im Wind, – / Vater, Du weißt, wie einsam wir sind!“

(Agnes Miegel)

*

„Wo die Einsamkeit aufhört, beginnt der Markt.“

(Nietzsche)

*

Hier schliesst das tor: schickt unbereite fort. / Tödlich kann lehre sein dem der nicht fasset.“

(George)

*

Nur der Gezeichnete wird reden / Und das Vermischte bleibe stumm, / Es ist die Lehre nicht für jeden, / Doch keiner sei verworfen drum.“

(Benn)

*

„Im Gebirge ist der nächste Weg von Gipfel zu Gipfel: aber dazu mußt du lange Beine haben. Sprüche sollen Gipfel sein: und die, zu denen gesprochen wird, Große und Hochwüchsige.“

(Nietzsche)

*

„Der Individualismus, die Krankheit des 18. Jahrhunderts, ist das Heilmittel des 20.“

(Gómez Dávila)

*

Je mehr die Schönheit dich berückt, desto tiefer empfindest du die Qual der Gesellschaft. Auch darum ist der Künstler asozial, eher Rebell als Revolutionär. Er erkennt den Zustand der Gesellschaft als heillos und gleichzeitig als unheilbar. So bleibt ihm nur die Wahl, als Eremit oder als Terrorist zu leben.“

(Schilling)

*

Es ist nicht verwunderlich, dass die Brote der symbolischen Massenkommunion aus grobem Stoff gebacken sind.“

(Sloterdijk)

*

Die große Menge wird mich nie begreifen, / die Pfeifen.“

(Gernhardt)

*

Des sehers wort ist wenigen gemeinsam.“

(George)

*

Wilderness is a good place for voices. They tend to get to reverberation which is often lost in the more crowded places.“

(Enoch Powell)

*

Wer allein ist, ist auch im Geheimnis, / Immer steht er in der Bilder Flut, / Ihrer Zeugung, ihrer Keimnis, / Selbst die Schatten tragen ihre Glut.“

(Benn)

*

Zwar setzten sich die Quester auf die Fährte / Und fanden manches: Lanze, Gral und Rad, / Doch einer nur hat sich dem Tal genaht, / Daraus ein Glanz die Schatten noch verklärte.“

(Schilling)

*

Too late for flattery!“

(Monty Burns auf den Einwurf eines Studenten, er sei schlimmer als Hitler)

*

Wenn wir das, was ich angeordnet habe, nicht ›schaffen‹, dann ist Schluss mit ›wir‹, dann ist das nicht mehr mein Land oder Volk: Gab es da nicht schon mal einen Kanzler, der die Dinge ähnlich gesehen hat?“

(Klonovsky)

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„Ribbentrop ist größer als Bismarck.“

(Hitler zu Schirach nach Stalingrad)

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Hitler ist ein klassisches Beispiel dafür, dass ein Mann, der von Grund auf unmoralisch ist, auch unlogisch denkt.“

(Jünger)

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Das Sittliche setzt das Natürliche voraus.“

(Thomas von Aquin)

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„Hitler war auch nicht langweilig.“

(Daniel Cohn-Bendit bei Maybrit Illner)

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Den Mann gibt es gar nicht; er ist nur der Lärm, den er verursacht.“

(Tucholsky über Hitler)

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„Im Rückblick erscheint dieses Leben wie eine einzige Entfaltung ungeheurer Energie. Ihre Wirkungen waren gewaltig; der Schrecken, den sie verbreitete, beispiellos; aber jenseits davon ist wenig in Erinnerung.“

(Joachim Fest über Hitler)

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Einer ganzen feindlichen Umwelt zum Trotz habe ich einst im Innern meinen Weg gewählt und bin ihn als Namenloser gewandert bis zum endgültigen Erfolg.“

(Hitler am 12. Jahrestag der Machtergreifung)

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Wer sammelte im krug der erde salz? / Er der am stab sich trug von pfalz zu pfalz.“

(Robert Boehringer über George)

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Wer weiß, wie bald wir wandern müssen!“

(Johann Christian Günther)

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Not all those who wander are lost.“

(Tolkien)

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„Wir auch wandern vielverbündet / Nach der Rätselferne aus; / Doch der Strahl der Wüste zündet / Sehnsucht nach dem kühlen Haus.“

(Lenau)

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Das Sitzfleisch ist gerade die Sünde wider den heiligen Geist. Nur die ergangenen Gedanken haben Wert.“

(Nietzsche)

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Eine besondere deutsche Form der antiken griechischen Peripatetiker.“

(Björn Höcke über das Wandern)

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„In dubio Prosecco.“

(Desiree Nick)

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Ist doch klar, Herr von der Tann.“

(Gerhard Schröder in der Elefantenrunde 2005)

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„Richard von Weizsäcker schien nie verwinden zu können, dass die Bergpredigt bereits gehalten worden war.“

(Klonovsky)

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„Das Alte Testament ist das Buch der offenen, das Neue das der subtilen Rachsucht.“

(Schilling)

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Dieses Menschenbild des makellosen, athletischen Körpers, der perfekten Proportion, wie sie in den antiken Statuen des Phidias oder Praxiteles gezeigt wird, kann zur Überhöhung des olympischen Kämpfers führen. Der antike Satz vom gesunden Geist im gesunden Körper ist gefährlich, weil aus diesem klassischen Ideal eine Herabwürdigung der Verletzlichkeit des Menschen folgen kann. Dem setze ich entgegen, was ich das jesuanische Menschenbild nenne: Die Annahme auch des beeinträchtigten Lebens.“

(Wolfgang Huber)

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Wo’s früher noch hieß ‚Du sollst nicht töten‘, hieß es nun ‚Liebe deinen Nächsten‘. Und nicht zu töten war schon schwer.“

(Lisa Eckhart)

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„‚Liebe deinen Nächsten.‘ Das klingt ja wie ein Schwulen-Porno.“

(Homer Simpson)

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„In der Idee, schwulen Paaren das Adoptionsrecht zu geben, weht der Geist der Paralympics.“

(Klonovsky)

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Während in den Ländern des Faschismus die Homosexualität, die die Jugend verdirbt, ungestraft agiert, ist sie in dem Lande, wo das Proletariat kühn und mannhaft die Staatsmacht erobert hat, als ein soziales Verbrechen erklärt und streng bestraft. In Deutschland ist schon das geflügelte Wort entstanden: Rottet die Homosexuellen aus und der Faschismus ist verschwunden.“

(wechselnd Wilhelm Reich oder Maxim Gorki zugeschrieben)

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Erlaubt ist vielleicht die Spekulation, Georges Verfall zur krampfhaft nationellen Positivität rühre daher, daß er den Trieb zum anderen Geschlecht, und damit zum Anderen schlechthin, in sich unterdrückte und endogamisch bei dem sich beschied, was ihm so glich wie die Stimme des unseligen Engels aus dem Vorspiel.“

(Adorno)

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Männer werden nicht schwul, weil sie keine Frau abkriegen – das ist nicht so wie bei Lesben.“

(Harald Schmidt)

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Evolutionsbiologisch betrachtet ist die Frau in ihrer jetzigen Gestalt das Produkt des männlichen Begehrens. Es wird Zeit, dass sich die Lesben dafür bedanken.“

(Klonovsky)

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Der nackte männliche Körper ist Brekers Domäne, doch taugt das Weib ohnehin eher als Gegenstand für die Malerei.“

(Schilling)

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Das Weibliche ist also nicht allein das Gestaltlose, es ist zugleich das Gestaltauflösende – und damit das Gegenprinzip zur Georgeschen Sphäre schlechthin. Das Polymorphe und Proteische von Weiblichkeit in der ‚Fibel‘ ist nur ein anderer Ausdruck für ihren grundsätzlich amorphen Charakter; sie ist der Abgrund, in dem die männliche Körperplastik zermahlen wird.“

(Ernst Osterkamp)

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„Ihr Name beginnt wie eine Liebkosung und endet wie ein Peitschenschlag.“

(Jean Cocteau über Marlene Dietrich)

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„Eine so hässliche Frau hätte früher nicht einmal Probe-Aufnahmen gekriegt.“

(Marlene Dietrich über Meryl Streep)

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Früher hätte man einem solchen Menschen ein paar hundert Mark in die Hand gedrückt und gesagt: ‚Geh übers große Wasser und verschwinde.'“

(George über Percy Gothein)

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Und er sprach das Wort: Es werde! / Da erklang ein schmerzlich Ach! / Als das All mit Machtgebärde / In die Wirklichkeiten brach.“

(Goethe)

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Die das Schweigen im Gesange / Stiften, Seraphim und Schlange, / Schweifen lautlos durch den Raum. / Hörst du, was die Schatten sprachen, / Die vom Blute tranken, brachen / Wirklichkeiten in den Traum?“

(Schilling)

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Durch ein Journalistengehirn gequetscht zu werden, ist das Schlimmste, was einer Wirklichkeit passieren kann.“

(Klonovsky)

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China has total respect for Donald Trumps very large brain.“

(Trump)

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„Wo ich bin, ist Deutschland.“

(Thomas Mann)

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„Wo ich bin, ist Griechenland.“

(George)

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„Wo ich bin, ist Freiheit.“

(Maria Montessori)

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Strengstes maass ist zugleich höchste freiheit.“

(George)

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Dies ist erfahrung meiner reifezeiten: / Je enger ich mir meine fesseln schmiede / Um so befreiter kann ich lichtwärts schreiten.“

(Hanns Meinke)

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So ist’s mit aller Bildung auch beschaffen: / Vergebens werden ungebundne Geister / Nach der Vollendung reiner Höhe streben. / Wer Großes will, muß sich zusammenraffen; / In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister, / Und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben.“

(Goethe)

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Man wird die Eigenschaft, die man vor allen anderen für das Kennzeichen des Deutschen hält, nämlich die Ordnung, immer zu gering einschätzen, wenn man nicht in ihr das stählerne Spiegelbild der Freiheit zu erkennen vermag.“

(Jünger)

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Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“

(Benjamin Franklin)

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Wer sich weigert, das Eigene auch gegen Anderes zu setzen, wird am Ende beides verachten.“

(Böckelmann)

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Was wir heute in Europa erleben, ist eine merkwürdige Zu- und Abnahme der Fremdheit, eine Zunahme, da das Fremde uns immer näher auf den Leib rückt, eine Abnahme, da das Fremde Gefahr läuft, zu etwas Alltäglichem abzusinken und im Zuge der Globalisierung bis zur Ununterscheidbarkeit abgeschliffen zu werden. Doch mit dem Fremden würden wir auch das Eigene abschaffen.“

(Waldenfels)

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Wollt ihr die Unterschiede vernichten, so hütet euch, dass ihr nicht das Leben tötet.“

(Leopold von Ranke)

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Ihre Philantrophie arbeitet darauf hin, dem Leben alle schweren und todernsten Akzente zu nehmen; auf die Kastration des Lebens geht sie aus.“

(Naphta)

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Seien wir auf der Hut vor der größten Gefahr, die es gibt – davor, daß uns das Leben etwas Gewöhnliches wird.“

(Jünger)

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Was ist ihm mord von hunderttausenden / Vorm mord am leben selbst?“

(George)

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Fiel aus wegen Revolution.“

(Einstein unter seine Vorlesungsnotizen für den 09. November 1918)

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„Weltkrieg ausgebrochen – war im Schwimmbad.“

(Kafka 1914 ins Tagebuch)

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Gut geschlafen. Nahes Ende meiner Frau.“

(Goethe 1816 ins Tagebuch)

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Gar nichts erlebt. Auch schön.“

(Mozart ins Tagebuch am 13. Juli 1770)

*

„He had in him the stuff of which legends are made.“

(Kennedy über Hitler ins Tagebuch)

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Mit diesen Leuten bin ich fertig geworden als ein einsamer, unbekannter Mann, der eine Handvoll Menschen an sich zog. Heute ist Deutschland die größte Weltmacht!“

(Hitler zum 7. Jahrestag der Machtergreifung)

*

Weißt Du, daß Hitler einer unserer Schüler ist? Du wirst es noch erleben, daß er und dadurch auch wir siegen und eine Bewegung entfachen werden, die die Welt erzittern macht!“

(Lanz von Liebenfels 1932 an einen alten Gefährten)

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Folgt Hitler! Er wird tanzen, aber die Musik zu seinem Tanz habe ich komponiert. Wir haben ihm die Mittel gegeben, mit ‚Ihnen‘ in Verbindung zu treten. Beklagt mich nicht: ich werde mehr Einfluss auf die Geschichte gehabt haben als jeder andere Deutsche.“

(Dietrich Eckart zugeschrieben bzw. untergeschoben)

*

Ich spürte seinen Blick auf mir ruhen und war für immer verändert.“

(Besucher einer Kundgebung über den Redner Hitler)

*

Indem ich diese Worte aussprach, verhärteten sich augenblicklich die Züge Hitlers. Ich kann mich nicht erinnern, jemals bei einem Menschen einen Blick wahrgenommen zu haben, der so die Macht seines Willens ausdrückte.“

(Erich von Manstein)

*

Und dass der Mann, der schüchtern vor dir stand, / Den Blick gesenkt vorm hehren Strahl des deinen, / Am fabelgleichen fernen Isterstrand / Bei ihrem offnen Grabe werde weinen.“

(Grillparzer nach dem Tode Alma von Goethes deren Großvater anrufend)

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Nochmals umfasst dein blick die stummen elf / So knabe jüngling mann · taucht blick in blick / Als gälte es auf ewig sie zu bannen.“

(Alexander von Stauffenberg über George auf dem Sterbebett)

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Das ist Volk schlechter Art und Abkunft; aus ihren Gesichtern blickt der Henker und der Spürhund.“

(Nietzsche)

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Aller stufen halter tragen / Gleich den feilen blick der sinne / Gleich den rohen blick der spähe.“

(George)

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Im Quell deiner Augen / Leben die Garne der Fischer der Irrsee.“

(Celan)

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Sein scharfer Heldenblick belebt das Heer, / Das jede drohende Gefahr vergisst.“

(Hölderlin über Alexander)

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Er hat das schicksalsauge das der schreck / Des ehernen fugs gorgonisch nicht versteint.“

(George)

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Warum ist so wenig Schicksal in eurem Blicke?“

(Nietzsche)

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Das Schicksal hat, wie es scheint, an den modernen Menschen kaum mehr Interesse.“

(Klonovsky)

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Ich sehe die Zeit kommen, wo Gott keine Freude mehr an der Menschheit hat und er abermals alles zusammenschlagen muss zu einer verjügten Schöpfung.“

(Goethe)

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Die moderne Welt besitzt keine Lösung als die des Jüngsten Gerichts. – Möge sie enden.“

(Gómez Dávila)

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„Wenn die Welt untergeht, ziehe ich nach Mecklenburg, denn dort geschieht alles fünfzig Jahre später.“

(Bismarck)

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Und im kleinen Kahne wird uns bang, / Wellen drohn wie Zeiten Untergang.“

(Mayrhofer)

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Ich werde vielleicht untergehen, aber mein Sturz wird die Throne mit sich reißen.“

(Napoleon zu Metternich)

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Das deutsche Volk verdient nichts anderes als Untergang.“

(Hitler)

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„Das Inferno ist bereits hereingebrochen – in Ihrem Hirn!“

(Franz Josef Strauß)

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„Es gibt Menschen, die vermittels ihrer Untergangsprognosen ausgesorgt haben.“

(Klonovsky)

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In das wilde Fest der Freuden / Mischten sie den Wehgesang, / Weinend um das eigne Leiden / In des Reiches Untergang.“

(Schiller)

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Muschelgehäus, das ich lachend zerstöre, / Panzer aus Kalk, meinem Eifer geweiht, / Dorrender Austern arkadische Chöre / Tönen, zum Untergang heiter bereit.“

(Schilling)

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Nenn ich dich Aufgang oder Untergang? / Denn manchmal bin ich vor dem Morgen bang / Und greife scheu nach seiner Rosen Röte – / Und ahne eine Angst in seiner Flöte / Vor Tagen, welche liedlos sind und lang.“

(Rilke)

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Der Ruhm jedenfalls, den er sein Leben lang gesucht hatte, war niemals nur der eines Staatsmanns gewesen, des Herrschers über einen autoritären Wohlfahrtsstaat oder der des großen Feldherrn. Für jede dieser Rollen war, neben vielem anderen, zuviel Wagner und zuviel Untergangsverlangen in ihm.“

(Joachim Fest über Hitler)

*

Zuvor hatte Hitler selbst angeordnet, dass auf den Gobelins für die Reichskanzlei nicht Szenen aus dem Nibelungenlied, sondern solche aus der Edda dargestellt werden sollten. Mythenpolitisch hieß das, dass es nicht mit dem Untergang des Heeresaufgebots sein Bewenden haben sollte, sondern die Zeichen auf Weltenbrand gestellt wurden. Es hätte gute Gründe gegeben, den Mythos, sei es in der Ausformung des Nibelungenliedes, sei es in Gestalt von Richard Wagners Ring des Nibelungen, als ein mehrfaches Stoppschild zu begreifen und Halt zu machen. Aber die Warnungen des Mythos wurden nicht ernst genommen, und die mythenversessene NS-Führung glaubte offenbar, sie könne den mythischen Fluch mit mythischem Opfer bannen.“

(Herfried Münkler)

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Solche Belastungen waren bei uns immer Gesundungs- und nicht Krankheitserscheinungen. So wird es auch hier sein. Ich fühle es nicht nur, ich weiß es: Ich lese es in den Augen der vielen Menschen, mit denen ich zusammenkomme.“

(Goebbels nach dem 20. Juli 1944)

*

Auf die Gewalt, mit der er den Zeitgenossen sein Bild eingraben wollte, antwortet eine nicht geringere des Vergessens: als triebe der mythische Wille seines Werkes, zu überleben, mythisch zu dessen eigenem Untergang.“

(Adorno über George)

*

Unterdessen ist George durch zielsichere Selbstinszenierung und üppige Legendenbildung zu einer immer sagenhafteren Gestalt avanciert, deren Todesnachricht den jungen Dolf Sternberger vor allem deshalb erschüttert, weil erst sie ihm als Beweis dafür gilt, dass jener Stefan George, von dem man längst wie von Thule oder Troja sprach, tatsächlich gelebt haben musste.“

(Meynrath)

*

Wir erfahren von ihm nur durch Gerüchte: Ein Kennzeichen mythischer Existenz.“

(Jünger über Pythagoras)

*

Nachtblind sind die Willensarmen.“

(Lisa Eckhart)

*

Das Schwächliche, Zage, Fürchtende als das einzig Liebenswürdige am Menschen: daher seine hohe Bedeutung für die Kunst.“

(George)

*

Die Würde der bettelnden Zigeunerin sehe ich auf den ersten Blick.“

(Botho Strauß)

*

„Ein Gott ist der Mensch, wenn er träumt; ein Bettler, wenn er nachdenkt.“

(Hölderlin)

*

Was schert mich Weib, was schert mich Kind? / Ich trage weit bess’res Verlangen; / Lass sie betteln gehn, wenn sie hungrig sind, – Mein Kaiser, mein Kaiser gefangen!“

(Heine)

*

„‚Und was soll werden aus Weib und Kind, / Wann du gehst übers Meer?‘ / ‚Die Welt ist groß, laß sie betteln drin, / Ich seh sie nimmermehr!’“

(Herder)

*

Der Zyniker spendiert dem Nebenmann eine warme Suppe, damit er seine Ruhe hat. Dagegen sagt der Weltverbesserer meist nur: Jetzt ham‘ wir zwar keine Suppe, aber wir wissen auch, warum nicht.“

(Harald Schmidt)

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Allein er ist leider eine ganz ungebändigte Persönlichkeit, die zwar gar nicht Unrecht hat, wenn sie die Welt detestabel findet, aber sie dadurch freilich weder für sich noch für andere genußreicher macht.“

(Goethe über Beethoven)

*

Ein Almosen ist mehr wert als die Anprangerung der Armut in zwanzig Bänden.“

(Klonovsky)

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No one would remember the Good Samaritan if he’d only had good intentions; he had money as well.“

(Margaret Thatcher)

*

St. Martin war kein Linker, denn er hat ja seinen eigenen Mantel geteilt.“

(Harald Schmidt)

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Geteilter Mantel ist halber Mantel.“

(Bernd Stromberg)

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Es ist genug für alle da.“

(Friedrich Hechelmann auf goldenem Brokatsessel im Schloss Isny über den Welthunger)

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„Wenn alle Kulturen gleichwertig sind, dann ist Kannibalismus eine Geschmacksfrage.“

(Leo Strauss)

*

Das herz sucht wo es liebend opfern kann / Die wonne des verbrennens im verehren, / Gott wurde schein, gestalt der hohe mann, / Ein ewiges zum schauen ohn begehren.“

(Gundolf)

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„Die Sterne, die begehrt man nicht, / Man freut sich ihrer Pracht.“

(Goethe)

*

Lang kannte er die Muscheln nicht für schön, / Er war zu sehr aus einer Welt mit ihnen.“

(Hofmannsthal)

*

Ihn, der durch seine betörende Schönheit / Wortlos der Schöpfungen Herrlichkeit pries.“

(Uwe Nolte)

*

So offen quoll / Die knospe auf dass ich fast scheu sie sah.“

(George)

*

Alone in our secret / Together we cry / For one smiling day to be free, / To kiss in the sunlight / And say to the sky: / Behold and believe what you see.“

(Oscar Hammerstein II)

*

In a restless world like this is / Love is ended before it’s begun, / And too many moonlight kisses / Seem to cool in the warmth of the sun.“

(Edward Heyman)

*

„Tschüss, Sack!“

(ZEIT-Chef zu Manfred Sack nach 40-jähriger Redaktionszugehörigkeit)

*

Es gibt drei Arten von Lügen: Lügen, verdammte Lügen und Statistiken.“

(Leonard Henry Courtney)

*

Es gibt drei Arten von Pianisten: jüdische, homosexuelle und schlechte.“

(Horowitz)

*

„Niemand ist perfekt, außer Thomas Bernhard wenn er schimpft.“

(Siegfried Unseld)

*

Das absolut Machbare muss unternommen werden.“

(Angela Merkel)

*

Alles Unbedingte gehört in die Pathologie.“

(Nietzsche)

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Repetitio est mater studiorum.“

(Horaz zugeschrieben)

*

Migration ist die Mutter aller Probleme.“

(Seehofer)

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Überfluss ist die Mutter der Fantasielosigkeit.“

(Günther Anders)

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Angst ist die Mutter der Sicherheit.“

(Edmund Burke)

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„Angst ist der Schwindel der Freiheit.“

(Kierkegaard)

*

„Marx sagt, Revolutionen seien die Lokomotiven der Weltgeschichte. Vielleicht sind sie eher der Griff der Reisenden nach der Notbremse.“

(Walter Benjamin)

*

Deutsche Revolutionäre besetzen einen Bahnhof erst nach Kauf einer Bahnsteigkarte.“

(Lenin zugeschrieben)

*

„Sie vom Boden zu entfernen, / rupfte man die Gaslaternen / aus dem Straßenpflaster aus, / zwecks des Barrikadenbaus. / Aber unser Revoluzzer / schrie: ‚Ich bin der Lampenputzer / dieses guten Leuchtelichts. / Bitte, bitte, tut ihm nichts!’“

(Erich Mühsam)

*

Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“

(Clausewitz)

*

„Das Gespräch ist für mich die Fortführung des Monologs mit anderen Mitteln.“

(Harald Schmidt)

*

Die Romantik war die Fortsetzung der Religion mit anderen Mitteln.“

(Safranski)

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Die Romantik ist subjektivierter Individualismus, weil ihr eine occasionelle Beziehung zur Welt wesentlich ist, statt Gottes aber nunmehr das romantische Subjekt die zentrale Stelle einnimmt und aus der Welt und allem, was in ihr geschieht, einen bloßen Anlass macht.“

(Carl Schmitt)

*

Der Inhalt der Romantik war wesentlich katholisch.“

(Eichendorff)

*

Die Romantik drückt im Wesentlichen das Verlangen aus, nicht hier zu sein: Nicht an diesem Ort, nicht in diesem Jahrhundert, nicht in dieser Welt.“

(Gómez Dávila)

*

Neuromantiker hiess man alle die ihre stoffe nicht aus pöbel gosse oder alltag nahmen.“

(George)

*

Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es.“

(Novalis)

*

Das tief empfundene Defizit an symbolischer Weltdeutung lenkte, paradox und naheliegend zugleich, seit der Romantik den Blick auf das Mittelalter als Modell eines geschlossenen, in sich ruhenden Kosmos.“

(Sebastian Schütze)

*

Die hochgradige Verflossenheit unserer Geschichte rührt daher, daß sie vor einer gewissen, Leben und Bewußtsein tief zerklüftenden Wende und Grenze spielt. Vorher also spielt sie, wenn auch nicht lange vorher. Aber ist der Vergangenheitscharakter einer Geschichte nicht desto tiefer, vollkommener und märchenhafter, je dichter »vorher« sie spielt?“

(Thomas Mann)

*

Bis zum Kriegsausbruch habe ich ganz geschlossen gelebt, wie in einer Schale, mit meinen Träumen und Ideen, und konnte verwirklichen, was ich mir wünschte.“

(Riefenstahl 1997)

*

Lang ist / Die Zeit, es ereignet sich aber / Das Wahre.“

(Hölderlin)

*

Lang ist gang in gleicher spur: / Was ihr denkt und lernt und schafft… / Doch des götter-rings verhaft / Dauert Einen sommer nur!“

(George)

*

Keine Unterschiede zu machen, ist angewandter Nihilismus.“

(Böckelmann)

*

Islamismus ist angewandter Islam.“

(Curio)

*

Christentum ist Platonismus fürs Volk.“

(Nietzsche)

*

„Der Sozialismus ist die Wiederbelebung des Fisch-Symbols im Zeichen des Nihilismus.“

(Schilling)

*

Die Reformation war nur ein ethischer Seitenweg der Renaissance, ihre Anwendung aufs Religiöse.“

(Thomas Mann)

*

Der Protestantismus war ein Hilfsmittel zum Austritt aus der Theokratie und zum Eintritt in eine Politik der Immanenz.“

(Michael Onfray)

*

Dem Christentum, das ihr nicht den Rücken kehrt, kehrt die Welt den Rücken.“

(Gómez Dávila)

*

Ich wüsste nichts zu nennen, was so in der Décadence steckte wie das Luthertum. An die Stelle bestimmter Dogmen, die Produkt der Kirche waren, hat Luther Dogmen gesetzt, die seiner persönlichen Bibelauslegung entsprachen.“

(Fontane)

*

Unsere Ablehnung des Protestantismus hat darin ihren Grund, dass er die Voraussetzung bildet zur liberalen, zur bürgerlichen, zur utilitären Entwicklung. Überall, wo der Katholizismus herrschte, war er ein Bollwerk gegen diese Welt. Dass wir uns dem heutigen Katholizismus nicht zuwenden können hat darin seinen Grund, dass er selbst auf dem Weg ist protestantisch zu werden.“

(George)

*

„Bei fortschreitendem Nihilismus neigt der Katholizismus der Verwesung, der Protestantismus der Mumifizierung zu.“

(Jünger)

*

Der Protestantismus fragt sich, ob er moralisch genug sei; dem Katholizismus genügt es bereits, wenn er malerisch genug ist.“

(Klonovsky)

*

Das Ästhetische und das Moralische treffen sich übrigens an einem gewissen Punkte, der sehr tief liegt.“

(Jünger)

*

Je angefochtener wir sind vom Nichts, das, wie ein Abgrund, um uns her uns angähnt, oder auch vom tausendfachen Etwas der Gesellschaft, das lieblos uns zerstreut, umso gewaltsamer muß der Widerstand von unserer Seite werden.“

(Hölderlin)

*

In Wahrheit aber reise ich in unbekannte Gegenden, und wenn ich, um der brennend heißen Wirklichkeit zu entfliehen, mir darin gefalle, kalte Bilder heraufzubeschwören, so kann ich Dir sagen, dass ich mich seit einem Monat auf den reinsten Gletschern der Ästhetik aufhalte – dass ich, nachdem ich das Nichts gefunden habe, auf die Schönheit gestoßen bin.“

(Mallarmé an Cazalis)

*

Fremdartige Macht der Stunde, aus der Gebilde drängen unter der formfordernden Gewalt des Nichts.“

(Benn)

*

Es schwimmt ein Fisch am Grunde aller Dinge. / Fisch, aus der Angst, du kämest nackt ans Licht, / Werf ich dir meinen Bildermantel über.“

(Lanza del Vasto)

*

„Ach, in die Qual gestellt / Taumelst inmitten, / Rings auf den Irrsinn der Welt / Blumen zu schütten.“

(Weinheber)

*

Die schmerzen bändigen die uns zerrütten – / Gebeut dein feurig wehn / Und soviel blumen hinzuschütten / Dass wir dein grab nicht sehn.“

(George)

*

Ich weiss ein grab das fromme sonne schmückt / Mit flammenkränzen aus erhabenen räumen / Und der gestirne karger schimmer zückt / Wie tränen trüb auf jene die dort träumen.“

(Morwitz)

*

Kultur beginnt dort, wo Menschen einander begraben.“

(Gadamer)

*

Je ‚aufgeklärter‘ der Mensch ist, desto geringschätziger behandelt er die Toten, im buchstäblichen wie im historiografischen Sinne.“

(Klonovsky)

*

„Wenn ein Mensch gestorben ist, denkt man mittlerweile, daß er endgültig verschwindet. Infolgedessen kann es auch keine Kunst mehr geben. Denn die Kunst bietet mehr als die reine Gegenwart, sie bietet Transzendenz. Wenn der Totenkult wiederaufleben würde, wäre das also ein Zeichen daß die Kultur erneut Wurzeln schlägt.“

(Jünger)

*

Nur hohn und mitleid steigt zur mutterstadt / Am felsen droben die mit schwarzen mauern / Verarmt daliegt · vergessen von der zeit.“

(George)

*

Etwa wie jemand, der im Leben bei den schwersten Unglücksfällen, die ihn betreffen, hart und gefasst bleibt, den Zeitungsmeldungen vom Hungertod seiner Mitbürger ganz ungerührt lassen, aber dem plötzlich, im Kino, bei einer sentimentalen Stelle eines im Luxusmillieu spielenden Films die Augen feucht werden. So fragwürdig sind alle unsere Rührungen.“

(Herbert Schlüter)

*

Der Dandy ist also eine Abart des Stoikers, der zwar um die Abgründe des Lebens weiß, aber durchaus gewillt ist, sie nicht ernst zu nehmen. Über Schicksalsschläge und weltliches Pathos zu lachen, das korrekte Binden einer Krawatte oder die Farbe und Form eines Anzugs jedoch todernst zu nehmen, ist seine Würde und seine Art der Selbstbehauptung.“

(Lichtmesz)

*

Es mag auch sein, dass ich menschliches Leid nicht mag, da es nicht Leid der Kunst ist, sondern nur Leid des Herzens. Sehe ich menschlichen Gram, denke ich: nebbich; sehe ich Kunst, Erstarrtes aus Distanz und Melancholie, aus Trauer und Verworfenheit, denke ich: wunderschön.“

(Benn)

*

Mit welcher haltung ihr den markt durchrittet / Wie euer auge glänzte dieser tage / Und wie ihr standet · auf den strassen schrittet: / Ist fernes bild – gehört schon heut zur sage.“

(George)

*

Tut in dir sich same kund / Den wir längst zur sage zählten?“

(Max Kommerell an Stauffenberg)

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Durch die Mutter ist ein ganz inkommensurables Element in den Charakter ihres Sohnes gekommen, das, vereinigt mit dem Erbe des Vaters, eine Gestalt erzeugte, wie sie sonst nur die Sage kennt.“

(Friedell über Alexander)

*

„Schlechte Poesie entspringt immer echtem Gefühl.“

(Oscar Wilde)

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Doch wie ich auch gesonnen mehr und mehr, / Und wie ich auch die Reime mochte stellen, / Des Herzens Fluten wallten darüber her, / Zerstörten mir des Liedes zarte Wellen.“

(Droste-Hülshoff)

*

Durch den Werther hatte er den entscheidenden Sieg seiner Bildnerkraft auch über die wildesten Stürme seines Herzens davongetragen.“

(Gundolf über Goethe)

*

Das Publikum soll weinen vor Rührung, nicht wir.“

(Wagner streng zum hingerissenen Felix Mottl)

*

Dann würde ich falsch singen.“

(Elisabeth Schwarzkopf auf die Frage, ob sie stets auch fühle, was sie singe)

*

Ich verkaufe eine gewisse Art von Traum, darf dabei aber selbst kein Träumer sein.“

(Karl Lagerfeld)

*

„Klassik ohne Manierismus wird Klassizismus, Manierismus ohne Klassik wird Manieriertheit.“

(Gustav René Hocke)

*

Wer kennt ohne zu können, ist bloß Theoretiker; wer kann ohne zu kennen, bloß Handwerker.“

(Herder)

*

Der Konservatismus gibt dem Abendland nationalen Gehalt und der Nation eine abendländische Spitze.“

(Alexander Kissler)

*

Mazarin täuschte, log aber nicht. Metternich lügt immer und täuscht niemanden.“

(Talleyrand)

*

Andere Leute ruinieren die Oper und pflegen sich – ich pflege die Oper und ruiniere mich.“

(Mahler)

*

Im Mittelalter war die Sprache reich und der Dichter arm. Heute ist die Sprache arm und der Dichter reich.“

(Schilling)

*

Man stelle sich nicht die unmoralische Frage: Ach, was bedeutet denn Literatur heute noch? Stattdessen frage man sich: Was bedeutet denn eigentlich ‚heute‘ noch?“

(Botho Strauß)

*

Der Mensch ist nur Mensch durch Sprache; um aber die Sprache zu erfinden, müsste er schon Mensch sein.“

(Wilhelm von Humboldt)

*

Die Sprache ist das innerste Bollwerk des Geistes in einer Welt der Dinge, sie ist die letzte Zuflucht des Gottes im Menschen, wenn es keine durchseelte Kirche, keine öffentliche Magie und kein Geheimnis mehr gibt.“

(Gundolf)

*

Oder weise.“

(Harald Schmidt auf die Bemerkung hin, man sei, wenn einen gar nichts mehr aufrege, wohl tot)

*

Ist ja auch so.“

(Wolfgang Beltracchi zu Hape Kerkelings Beteuerung, er fühle sich, als stünde er Dürer gegenüber)

*

Besser als am Schopf zu fassen / Das Geschick, das sich entzieht, / Wäre: sich ergreifen lassen, / Bis es dir im Traum geschieht.“

(Schilling)

*

Jüngling, merke dir in Zeiten, / Wo sich Geist und Sinn erhöht, / Dass die Muse zu begleiten, / Doch zu leiten nicht versteht.“

(Goethe)

*

Hat man je von einem französischen, einem englischen Jünglinge gehört? Und wie untrüglich deutlich und greifbar faßlich verstehen wir doch sogleich diesen ‚deutschen Jüngling‘!“

(Wagner)

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Nur bei dem Volke des Blühens und bei dem Volke des Werdens, bei den Griechen und bei den Deutschen war Jugend selbst geistig vollkommen. Nur die Griechen kennen göttliche Jünglingsgestalten wie Achill, Alkibiades, Alexander – nur die Deutschen ewige Jünglingsschicksale wie Siegfried, Konradin, Hölderlin. Und nur diese beiden Völker kennen auch die Gewalt, die aus dem schönen Leib die Heldentaten und Götterbilder zeugt: die weltschaffende Liebe, die Vermählung der einmaligen Jugend mit dem ewigen Geist.“

(Gundolf)

*

Apollo lehnt geheim / An Baldur.“

(George)

*

Paart sich, wenn Pan erwacht, / In deinem Blick / Nordische Nebelnacht / Griechischem Glück.“

(Schilling)

*

Da singt eine Fei auf blauem Meer, / Die Myrten trunken lauschen – / Mir aber gefällt doch nichts so sehr, / Als das deutsche Waldesrauschen!“

(Eichendorff)

*

Ein solcher Südländer, nicht der Abkunft, sondern dem Glauben nach, muß, falls er von der Zukunft der Musik träumt, auch von einer Erlösung der Musik vom Norden träumen und das Vorspiel einer tieferen, mächtigeren, vielleicht böseren und geheimnisvolleren Musik in seinen Ohren haben, einer überdeutschen Musik, welche vor dem Anblick des blauen wollüstigen Meers und der mittelländischen Himmels-Helle nicht verklingt, vergilbt, verblaßt, wie es alle deutsche Musik tut.“

(Nietzsche)

*

Wieland Wagner ließ uns bei Proben Blumenvasen halten, um die Sängerhände zu bändigen.“

(Christa Ludwig)

*

If Shirley sprained her wrist she wouldn’t be able to sing at all.“

(Bruce Forsythe)

*

Although we never lay eyes on Celestina during the whole seven volumes of the Potter books, I always imagined her to resemble Shirley Bassey in both looks and style.“

(Joanne K. Rowling über Celestina Warbeck)

*

Shirley Bassey is the case of arguably the greatest instrument in the world in the hands of someone who’s not as great as it is.“

(Pseudonymer YouTube-Kommentator)

*

Obwohl ich den Gebrauch gar nicht liebe den er davon machet, bewundere ich das Genie dieses Mannes in höchstem Grade.“

(Isaak Iselin über Goethe)

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„Der Mensch strebt nicht nach Glück, nur der Engländer tut das.“

(Nietzsche)

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„Der Deutsche hat eine Uhr, der Afrikaner hat Zeit.“

(Dr. Alfons Proebstl)

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„Ihr lernt: das haus des mangels nur kenne die schwermut · / Nun seht im prunke der säulen die herbere schwermut.“

(George)

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Welchem Irrtum, geblendet, / Habt euer Blut ihr verpfändet, / Öffnet ihr blind euer Tor? / Nicht dem Brot, das ich spende, / Dem Schatten nur, der euch am Ende / Hungriger Lässt als zuvor.“

(Jean Racine)

*

Die strukturelle Benachteiligung von Frauen gleicht einem Yeti.“

(Nicole Höchst)

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Die Frau ist stärker als der Mann – wenn sie einen hat.“

(Albert Wendt)

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Schach kann nur ein unbedeutender Denksport sein, sonst gäbe es doch mehr weibliche Großmeister.“

(Klonovsky)

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Ich bin ja für die Frauenbewegung – aber rhythmisch muss sie sein.“

(Harald Schmidt)

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Wenn sie für ihre persönliche Diskriminierung nun wirklich keinerlei Beleg mehr finden kann, fühlt sich die Feministin eben stellvertretend in Afrika oder in der Antike unterdrückt.“

(Klonovsky)

*

 

„Coco Chanel war nie Feministin, dazu war sie nicht häßlich genug.“

(Karl Lagerfeld)

*

Letztlich bedeutet Gleichstellungsfeminismus, dass sich Frauen und Männer um die Plätze in den Rettungsbooten prügeln.“

(Klonovsky)

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„When you bump into Dorothy Kilgallen make sure you’re in a car.“

(Frank Sinatra)

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Die öffentliche Meinung ist nicht das, was die Leute meinen, sondern was die Leute meinen, was die Leute meinen.“

(Norbert Bolz)

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Warum gab es noch nie eine Meinungsumfrage darüber, was die Leute von Meinungsumfragen halten?“

(Erwin Pelzig)

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Quis custodiet custodes?“

(Juvenal)

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„O Welt, wie bist du so sagbar schön!“

(Karl Foerster)

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Schwer, so klirrt im Reim die Sprache, / Hartgepanzert lebt das Wort, / Senkt die Sage in das Brache, / Späten Völkern goldner Hort.“

(Oda Schaefer)

*

Man merkte diesen Versen die unsägliche Mühe an, die ihr Verfertigen gekostet hatte. Da fand man seltene, noch unverbrauchte Reime, eine gänzlich unerhörte sprachliche Disziplin und Gewalt.“

(Schilling über George)

*

Der Reim ist ein teuer erkauftes Spiel. Hat ein Künstler einmal zwei Worte miteinander gereimt, so ist eigentlich das Spiel für ihn verbraucht und er soll es nie oder selten wiederholen.“

(George)

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Ein Wiesel / saß auf einem Kiesel / inmitten Bachgeriesel. / Wißt ihr / weshalb? / Das Mondkalb / verriet es mir / im Stillen: / Das raffinier- / te Tier / tat’s um des Reimes willen.“

(Morgenstern)

*

Rom, Paris, Athen und Bremen: / Ich komm‘ nur zum Abschiednehmen.“

(Zarah Leander)

*

Während andere Sprachen bloß in ihrer Existenz bedroht sind, ist es das Englische in seiner Substanz.“

(Klonovsky)

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Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“

(Wittgenstein)

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So lernt ich traurig den verzicht: / Kein ding sei wo das wort gebricht.“

(George)

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Uns gehen der Ort, die Herkunft und die Nähe verloren, Eingedenken, Einfalt als Bedingung von Vielfalt, Sprache, die mehr ist als Übersetzung aus dem Globischen, am Ende wohl noch das Unwiederbringliche: Sterblichkeit. Kein Opfer ist groß genug, keine Vergeltung angemessen, um den Mächten der Entgrenzung diesen Verlust heimzuzahlen.“

(Böckelmann)

*

Partikulare Identitäten natürlich-substantieller oder historisch-gewachsener Art, Völker, Nationen, Sitten, Gebräuche, Vaterländer, Muttersprachen, ja Mutter- und Vaterschaft als solche, Heimaten und Religionen, Zeiten und Räume, Geheimnisse und Einsamkeiten, aber ebenso Körper, Geschlechter, natürliche Arten – sie alle werden vom gigantischen Strudel dieses Mahlstromes verschlungen – sei es, daß sie gleich in radice annihiliert oder doch schleichend durch fortwährende Ineinander-Überführung und Neuzusammensammensetzung beliebig transformiert oder zu wissenschaftlich und politisch eingehegten, quasimusealen Relikten depotenziert werden.“

(Edmund Pevensie)

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Der geradezu dialektische Witz wird darin bestehen, dass beide Universalismen, der globalistische wie der islamische, lauter neue Partikularismen erzeugen. In einem grotesken Zugleich werden auf verstreuten Inseln der Seligen Designerbabys und künstliche Ersatzorgane für Eliten gezüchtet, während nebenan ein religiöser Text aus dem 7. Jahrhundert als unübersteigbare Wahrheit gilt, auf deren Nichtakzeptanz die Todesstrafe droht.“

(Klonovsky)

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Identitätspolitik hat Wurzeln im Stammesdenken, ist aber zugleich ein Produkt unserer späten Moderne: Es werden unaufhörlich kollektive Unterschiede wie Hautfarbe, Gender oder Ethnie geltend gemacht, nur um darauf hinzuweisen, dass Gleichbehandlung unter Menschen noch nicht erreicht ist. Dadurch werden die Unterschiede unter den Menschen laufend vertieft. Wir kehren zurück zu einer Art Stammes- oder Ständegesellschaft in einer de facto egalitären Gesellschaft, in der alle gleichberechtigt nebeneinander leben.“

(Peter Thiel)

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Der Homunculus, den er erschafft, ist nicht wirklich lebensfähig. Er kommt aus seiner Phiole nicht heraus. Der Weg zur wahren Erkenntnis führt über Mephisto hinweg – aber nicht an ihm vorbei. Er bleibt der Entgrenzer, der uns ewig versucht.“

(Schilling)

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Die Weisheit besteht nicht darin, sich aus Abscheu vor dem Exzeß zu mäßigen, sondern aus Liebe zur Grenze.“

(Gómez Dávila)

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„Good fences makes good neighbors.“

(Robert Frost)

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„Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch.“

(Adorno)

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„Die Wahrheit ist, dass Adorno auch vor Auschwitz kein Gedicht schreiben konnte.“

(Johannes Groß)

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„Als Troja gefallen war, gab es vermutlich Leute, die behaupteten, man könne nach dem Untergang Trojas keine Gedichte mehr schreiben.“

(Schilling)

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Auch auf das Schrecklichste, was geschehen, muss ja die Menschheit sich wieder einrichten, ihre noch heilen Kräfte herbeibringen und weiterbauen.“

(Jacob Burckhardt)

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„Ist es nicht Torheit, noch zu leben?“

(Nietzsche)

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„Man soll spaßeshalber weiterleben.“

(Alfred Liechtenstein)

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„Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht.“

(Rosa Luxemburg)

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„Die dem Menschen seine Ketten nehmen, befreien nur ein Tier.“

(Gómez Dávila)

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Eine biegsame Kette, die uns fesselt, ohne uns zu knechten, verbindet uns alle mit dem Throne des Höchsten.“

(Joseph de Maistre)

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„Daran, dass es meine Putzfrau Consuela war, die den Kratzer auf dem iMac hinterlassen hat.“

(Philipp Tingler auf die Frage, woran er glaube, ohne es beweisen zu können)

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Die Axt im Haus erspart den Scheidungsanwalt.“

(Volksmund)

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„Wer immer strebend sich bemüht, den können wir besteuern.“

(Niklas Luhmann)

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„Alle Alkoholiker haben eines gemeinsam: Dass sie gerne saufen!“

(Fürstin Gloria)

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In der verflossenen Woche weilte Carl Schmitt einige Tage bei mir, auch da wurde mancher gute Schluck getan.“

(Jünger an Nebel)

*

Wer 97 Jahre lang raucht, kann sehr alt werden.“

(Meynrath über Helmut Schmidt)

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„Ich bedaure, dass es mir mein hohes Staatsamt verbietet, den Kerlen selbst eins in die Fresse zu hauen.“

(Holger Börner über die frühen Grünen)

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Die echten Steine, welche die reiche Krämerin trägt, sehen immer unecht aus.“

(Ernst Bertram)

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„Eine Frau ohne Stil hat auch in einem Kleid mit Stil keinen Stil.“

(Karl Lagerfeld)

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Gestern war ich auf dem Mailänder Dom, welchen zu erbauen man ein ganzes Marmorgebirge in die abgeschmacktesten Formen gezwungen hat.“

(Goethe 1788)

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Eine Ideologie nationalsozialistischer Architektur gab es nicht, wiewohl ich das jetzt immer wieder lese. Gefordert war lediglich das Übermaß. Ideologie wurde in der Aufgabenstellung sichtbar, nicht aber im Stil.“

(Speer)

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„Sure – but it’s a great sound.“

(John Barry zur Frage, ob es nicht extravagant sei, ganze Heerscharen von Hornisten ein und dieselbe Melodie spielen zu lassen)

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Monumentalismus ist nicht Schwere, sondern Leichtigkeit gepaart mit Stärke.“

(Scholtowski)

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Mich bezaubert an den großen, frei stehenden Bronze-Plastiken die Einheit von Grazie und Monumentalität.“

(Schilling über Breker)

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Das Monumentale ist meine Krankheit.“

(Breker)

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Gesundes Gesindel.“

(Thomas Bernhard)

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Schönheit und Gesundheit sind in ihrer letzten Konsequenz Eigenschaften derselben Ordnung. Wer dies in Frage stellt, muss krank sein.“

(Angerer der Ältere)

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Das Klassische nenne ich das Gesunde und das Romantische das Kranke. Und da sind die Nibelungen klassisch wie der Homer, denn beide sind gesund und tüchtig. Das meiste Neuere ist nicht romantisch, weil es neu, sondern weil es schwach, kränklich und krank ist, und das Alte ist nicht klassisch, weil es alt, sondern weil es stark, frisch, froh und gesund ist.“

(Goethe)

*

Wagners Kunst ist krank. Die Probleme, die er auf die Bühne bringt, das Convulsivische seines Affekts, seine überreizte Sensibilität, sein Geschmack, der nach immer schärferen Würzen verlangte, seine Instabilität, die er zu Prinzipien verkleidete, nicht am wenigsten die Wahl seiner Helden und Heldinnen, diese als physiologische Typen betrachtet: Alles zusammen stellt ein Krankheitsbild dar, das keinen Zweifel lässt. Wagner est une névrose.“

(Nietzsche)

*

Der Geist ist es, was den Menschen, dies von der Natur in hohem Grade gelöste, in hohem Maß sich ihr entgegengesetzt fühlende Wesen vor allem übrigen organischen Leben auszeichnet. Im Geist also, in der Krankheit beruht die Würde des Menschen und seine Vornehmheit; er ist, mit einem Worte, in desto höherem Grade Mensch, je kränker er ist.“

(Naphta)

*

Natürlich willst du sein? / Wähnst alles dann erzielt? / Natürlich ist das Schwein, / Das sich im Schlamme sielt.“

(Friedrich von Sallet)

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„Im Cafe Griensteidl geht der Symbolist um.“

(Hofmannsthal an Hermann Bahr über George)

*

„Er sieht aus wie eine alte Frau, die wie ein alter Mann aussieht.“

(Anton Kuh über George)

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Wenn jemals Gott einen Propheten durch Erfüllung seiner Prophetie geschlagen hat, so ist es bei George der Fall gewesen.“

(Walter Benjamin an Gershom Scholem)

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Wie bin ich doch so tief in Georges Schuld, in welcher bald Deutschland und Europa auch mit uns sich fühlen wird, wenn nur ein Sinn fürs Große sich regte.“

(Gundolf an Wolfskehl)

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„Ich glaube, dass es etwas Größeres gibt als Andrea Nahles.“

(Harald Schmidt im Gespräch über Religion und Spiritualität)

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So verharre er gegen dies neue Deutschland in derselben Geste, die ihm das alte abnötigte: das Haupt weggewendet von einem Geschlecht, das sich täglich in eine noch tiefere Schande verstrickt, als die es war, von der er es reinigen wollte.“

(Klaus Mann über George)

*

Wenn einst dies geschlecht sich gereinigt von schande / Vom nacken geschleudert die fessel des fröners / Nur spürt im geweide den hunger nach ehre: / Dann wird auf der walstatt voll endloser gräber / Aufzucken der blutschein · dann jagen auf wolken / Lautdröhnende heere · dann braust durchs gefilde / Der schrecklichste schrecken · der dritte der stürme: / Der toten zurückkunft!“

(George)

*

Für Ernst Jünger bedeutete das Bild des geheimen Deutschland nichts anderes als das unsichtbare Heer der Toten des Ersten Weltkrieges.“

(Ulrich Raulff)

*

Denn es wird die Posaune schallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich.“

(1. Korinther 15:52)

*

Norbert von Hellingrath ist wichtiger als George und Rilke.“

(Carl Schmitt)

*

Es ist etwas Krankhaftes und Manieriertes in ihm, das mich immer abgestoßen hat.“

(Adenauer über George)

*

Ein junger melancholischer Prinz im Exil.“

(Theodor Lessing über George in München)

*

Solche Künstler gleichen dann Königen im Exil.“

(Jünger über Klopstock nach Erscheinen von Goethes ‚Götz‘)

*

Das Haupt, das nun der Schere sich bequemt, / Mit mancher Krone ward’s bediademt.“

(Platen-Verse, die ein alter Tübinger Gymnasialprofessor schätzte)

*

Sein weises Haupt wirkt schwer umfuselt, / Der ganze Kerl bediaduselt.“

(Platen-Skeptiker Uhland über den angetrunkenen Gymnasialprofessor)

*

Und all den alten Serien-Dreck, / Den send‘ ma in den Ferien weg.“

(Anneliese Funzfichler über das deutsche Fernsehprogramm)

*

Und schrei ruhig aus dem Kieferschacht, / Eh dir im Mund der Schiefer lacht.“

(Lisa Eckharts Pygmalion bei Galateas gewaltsamer Rückversteinung)

*

„Den Umzug plant die Transe Hans stets mit der Firma Hansetrans.“

(Harry Rowohlt)

*

Geheimes ruht in Reimes Hut.“

(Schilling)

*

„Obit anusabit onus.“

(Schopenhauer)

*

Als wir noch in der Wiege lagen, / dacht‘ niemand an den Liegewagen. / Nun können wir im Wagen liegen / und uns in allen Lagen wiegen.“

(Ringelnatz)

*

Man konnte schon in Jugendtagen / mich mit dem Worte ‚Tugend‘ jagen.“

(Franz Mittler)

*

Da Pferde oft aus dem Zügel flüchten, / Will ich doch lieber Geflügel züchten.“

(Erich Mühsam)

*

Mit den Bekennern neuer Lehren / ließ Nero manchen Leu ernähren.“

(Franz Mittler)

*

Er würgte eine Klapperschlang, / bis ihre Klapper schlapper klang.“

(Heinz Erhardt)

*

War’n Sie schon in Mottls ‚Tristan‘? / ‚Was geht mich des Trottels Mist an?‘

(Unbekannt)

*

Jetzt geh ich in den Birkenwald, / denn meine Pillen wirken bald.“

(Martin Kippenberger)

*

Da wieder mal der Bundesrat / das Volk um etwas Rundes bat, / so hoff ich, dass die Hundesteuer / der Magistrat mir stunde heuer.“

(Erich Mühsam)

*

Ist er auch nur ein Ziegenhirt, / Wenn er beim Tanz mich biegen wird, / Werd ich zur Puszta-Königin / In meines Liebsten Heimat.“

(Zarah Leander)

*

Der Gral ist für mich auch ein Stück Heimat.“

(Gery Keszler)

*

Das war ein Ding, das hieß der Gral, / Erden Wunsches überwal.“

(Wolfram von Eschenbach)

*

Ritter von der roten Feder, / Sag, was ist im Saal dein Amt? / ‚Meinen Trank empfängt ein jeder, / Dessen Herz der Gral entflammt.’“

(Schilling)

*

Redigieren ist Faschismus!“

(Feuilleton-Parole der 70er-Jahre)

*

Erstaunlich, wie der Mensch an Grazie und Würde verliert, sobald er in der Gruppe aufgeht. Ein einzelner Penner wirkt geradezu prätentios neben einer Schar Professoren. Nur Rituale und Drill machen die Gruppe erträglich.“

(Klonovsky)

*

Nichts kann so einen dégout geben, keine Scheußlichkeit, die wir von einem Einzelnen hören, wie eine Massenansammlung, es sei denn, sie ist militärisch oder festlich gebändigt.“

(George)

*

„Die einzige Masse, die nicht lächerlich wirkt, ist das Heer.“

(Jünger)

*

Wir sollten uns die Rote Armee nicht als eine Horde von Orks vorstellen.“

(Sönke Neitzel)

*

Wollen wir weiter einem Dilettanten das Schicksal unserer Armeen anvertrauen?“

(Kurt Huber im 6. Flugblatt der Weißen Rose)

*

„Mob, der Nietzsche gelesen hat.“

(Alfred Kerr über Hitler)

*

Ein schwächerer Bismarck, der Nietzsche gelesen hat.“

(George über Mussolini)

*

„Die träumen nicht von Weltbränden, die haben’s schon warm genug.“

(Maximilian Harden über den Liebenberger Kreis)

*

„Die Burschenschaft ist eine Kraft, die mit Eifer sucht der Burschen Schaft.“

(Lisa Eckhart)

*

„Es gehört sich nicht, in Menschen rumzuwuseln.“

(George über Wolfskehls Liebschaften)

*

„Öffnet die Herzen, herzt die Öffnungen.“

(Lilo Wanders)

*

Auch Kafka hat gefickt.“

(Fritz J. Raddatz)

*

„Wer sich allzu sehr feminisiert, ob Mann, ob Land, der sollte sich nicht wundern, wenn er irgendwann auch gefickt wird.“

(Klonovsky)

*

„Frau Wurst ist sicher eine hervorragende Künstlerin.“

(Björn Höcke zu und über Conchita Wurst)

*

„Wenn Sie ein Mann sind und es bleiben wollen und einen Urologen sehen, dann laufen Sie!“

(Julius Hackethal)

*

Wer sie nicht hot findet, ist entweder ein konservativer Macho oder hat einfach nur einen recht normalen Geschmack.“

(Hazel Brugger über Alice Schwarzer)

*

Andy war hohl.“

(Angerer der Ältere über Andy Warhol)

*

Der Text ist von Einem, die Musik von Anderen.“

(Böse Zungen über die Kompositionen Gottfried von Einems)

*

Nun ist der Schlingel siech.“

(Böse Zungen über Schlingensiefs Erkrankung)

*

Mein Ruhm ist in Rauch aufgegangen.“

(Johann Gottfried Schadow über Christian Daniel Rauch)

*

Mir, der ich bloß ein wandernder Rhapsode, / Genügt ein Freund, ein Becher Wein im Schatten, / Und ein berühmter Name nach dem Tode.“

(Platen)

*

Einige öffnen sich die Tore der Kunst mit goldenen Schlüsseln und setzen sich mit Würde zu den Halbgöttern des Ruhms; andre schlagen die Tore gewaltsam ein und springen mit wildem Ungestüm auf einen Sockel; Tausende vertun ihre Zeit, indem sie mit unbrauchbaren Schlüsseln klirren und ohnmächtige Stöße gegen die unerbittlichen Tore richten.“

(Füssli)

*

Das Innere des literarischen Ruhmestempels ist von lauter Toten bewohnt, die während ihres Lebens nicht darin waren, und von einigen Lebenden, welche fast alle, wenn sie sterben, hinausgeworfen werden.“

(Jean-Baptiste le Rond d’Alembert)

*

Heb aus dir den firnigen Wein, / Gieß aus ohne Ruhm! / Jede Sehnsucht läßt allein / Und jedes Heldentum.“

(Weinheber)

*

Nachmittäglich strömen die Gesänge, / Ach, wie bald hüllt Abend allen Glanz, / Und wer jetzt zu blühn sich unterfänge, / Trüge weder Frucht noch Erntekranz.“

(Schilling)

*

„Zynismus kann das Präludium echter Moral sein.“

(Ludwig Marcuse)

*

„What is love but a prelude to sorrow?“

(Judy Garland)

*

„I hold it true, whate’er befall; / I feel it when I sorrow most; / ‚Tis better to have loved and lost / Than never to have loved at all.“

(Lord Tennyson)

*

„Wann werde ich es so satt sein, dass ich es satt bin aufzuschreiben, wie satt ich es bin?“

(Peter Hacks)

*

„Wenige wissen, wie viel man wissen muss, um zu wissen, wie wenig man weiß.“

(Werner Heisenberg)

*

Ich will mich setzen auf den Berg der Versammlung in der fernsten Mitternacht; ich will über die hohen Wolken fahren und gleich sein dem Allerhöchsten.“

(Jesaja 14:14)

*

Unter ‚Luzifers Hofgesind‘ verstehe ich diejenigen, die nordischen Geblütes inne und ihm getreu, einen ‚Berg der Versammlung in der fernsten Mitternacht’ als Ziel ihrer Gottsucht sich erkoren hatten und nicht die Berge Sinai oder Zion in Vorderasien.“

(Otto Rahn)

*

Es gibt drei Hügel, von denen das Abendland seinen Ausgang genommen hat: Golgatha, die Akropolis in Athen, das Capitol in Rom. Aus allen ist das Abendland geistig gewirkt, und man darf alle drei, man muss sie als Einheit sehen.“

(Theodor Heuss)

*

Die Kultur Europas ist aus der Begegnung von Jerusalem, Athen und Rom – aus der Begegnung zwischen dem Gottesglauben Israels, der philosophischen Vernunft der Griechen und dem Rechtsdenken Roms entstanden. Diese dreifache Begegnung bildet die innere Identität Europas.“

(Ratzinger)

*

Der Westen ist, philosophiegeschichtlich gesprochen, die Summe aus Athen, Rom und Jerusalem. Der Westen ist der Raum derer, die die athenische Frage nach dem Guten, die römische Frage nach dem Gerechten und die Jerusalemer, die jesuanische Frage nach dem Wahren für unbedingt fragenswert halten.“

(Alexander Kissler)

*

Eines muss man den Antisemiten lassen: Nie hat einer von ihnen den Juden Intelligenz abgesprochen.“

(Klonovsky)

*

„Was bindet Sie an Juda?“

(Klages zu George)

*

Mit den versprengten was auch missetat / Verbrach an ihnen – wo sie sich verstrickt / In ihres blutes fluch der tausendjahre / Der sie von frucht und trank der scholle schied / Des Tantalos ihr los – sei nicht gerechtet.“

(Alexander von Stauffenberg)

*

Ach! In deiner Todesstunde / Raubt‘ ich dir die kleine Rast, / Mit der Frevler Schar im Bunde, / Höhnt‘ ich dich aus frechem Munde / Unter deines Kreuzes Last!“

(Aloys Schreiber)

*

Dass der Holocaust das schlimmste aller Verbrechen sei, ist, soweit ich’s übersehe, der letzte von einer großen Zahl moderner Menschen akzeptierte anti-egalitäre Gedanke.“

(Klonovsky)

*

„Ich musste ja rein, sonst wär‘ ich selber reingekommen.“

(KZ-Wärterin Hertha Bothe)

*

„Mit demselben Eifer wie am Holocaust beteiligte sich Diederich Heßling am Bau des Holocaust-Mahnmals.“

(Klonovsky)

*

„Die totalitären Regime sind bloß der gewölbte Spiegel der modernen Zivilisation an sich.“

(Václav Havel)

*

München stand in den Jahren des Wiederaufbaus im Kreuzfeuer der Kritik, weil es Zerbombtes im historischen Stil restaurierte, während fortschrittliche Städte alles, was von den Bomben nicht beseitigt wurde, der zweiten und weitaus gründlicheren Zerstörung durch die moderne Architektur opferten.“

(Angerer der Ältere)

*

Obwohl Joseph de Maistre behauptet, der Teufel zerstöre nur, zeigt die spätere Geschichte, dass er auch baut.“

(Gómez Dávila)

*

Die Bombe zerstört schlimmsten Falles bis zum Grunde, der Architekt von Grund auf.“

(Jünger)

*

Der Barbar zerstört nur; der Tourist entweiht.“

(Gómez Dávila)

*

Die Katze ist ein Nachtmensch.“

(Helge Schneider)

*

Ich hatte keinen Bock auf einen Katzentisch.“

(Götz Kubitschek auf der Buchmesse 2018)

*

Wenn wir schlafen, teilen wir uns ein Kopfkissen und sie leckt mir den Bart.“

(Karl Lagerfeld über seine Katze Choupette)

*

Horch, ein Schrank geht durch die Nacht, / Gefüllt mit nassen Hemden, / Den hab ich mir ausgedacht, / Um euch zu befremden.“

(Gernhardt)

*

Gelassen stieg die Nacht ans Land, / Lehnt träumend an der Berge Wand.“

(Mörike)

*

Verlassen stieg die Nacht an Land, / Der Tag war ihr davongerannt. / Durchs Dunkel tönte ihr Geschrei, / Wo denn der liebe Tag wohl sei.“

(Gernhardt)

*

Sanft unterm Fittich der Nacht / Schläft nun der hastige Wind. / Komm! laß uns schweigen und lauschen! / Wälder und Ströme, sie rauschen / Nur wie im Traum noch gelind.“

(Heyse)

*

Hier, im vergessensten Hafen, / Von Wind und Zypressen bewacht, / Darfst du im Runenstaub schlafen, / Lind unterm Fittich der Nacht.“

(Schilling)

*

„Ich wusste, dass ich einen Sterblichen gezeugt hatte.“

(Goethe nach dem Tod seines Sohnes August)

*

Früher war ich der Sohn meines Vaters, jetzt bin ich der Vater meines Sohnes.“

(Abraham Mendelssohn)

*

First you’re another sloe-eyed vamp, / Then someone’s mother, then you’re camp.“

(Sondheim)

*

Man ist der Sohn seines Kindes, das ist das ganze Geheimnis.“

(Yves Bonnefoy)

*

Nun wird wahr was du verhiessest: / Dass gelangt zur macht des thrones / Andren bund du mit mir schliessest – / Ich geschöpf nun eignen sohnes.“

(George)

*

Indes: Nicht nur unser Vater ist der Krieg, auch unser Sohn. Wir haben ihn gezeugt und er uns. Gehämmerte und Gemeißelte sind wir, aber auch solche, die den Hammer schwingen, den Meißel führen, Schmiede und sprühender Stahl zugleich, Märtyrer eigener Tat.“

(Jünger)

*

Nach der Vorstellung stürzte ich zu einem meiner Bekannten, um dort einen kurzen Brief aufzuschreiben, in welchem ich der großen Künstlerin bündig erklärte, daß von heute ab mein Leben seine Bedeutung erhalten habe, und wenn sie je dereinst in der Kunstwelt meinen Namen rühmlich genannt hören sollte, sie sich erinnern möge, daß sie an diesem Abend mich zu dem gemacht habe, was ich hiermit schwöre werden zu wollen.“

(Wagner über Wilhelmine Schröder-Devrient, die er 1829 in Leipzig hörte)

*

Sie sind ein Gottmensch, der das heilige Feuer vom Himmel auf die Erde brachte, um sie zu läutern, zu beseligen, zu erlösen!“

(Ludwig II. an Wagner)

*

Der Seele Grenzen kannst du nicht ausfinden, und ob du jegliche Straße abschrittest; so tiefen Grund hat sie.“

(Heraklit)

*

In jeder wahrhaft großen Stunde, / Die schauern deine Erdenform gemacht, / Hab ich dich angerührt im Seelengrunde / Mit heiliger, geheimnisvoller Macht.“

(Hofmannsthal)

*

Siehe, da hab ich gelebt: / Was sonst, zu Tropfen zerflossen, / Langsam und karg sich ergossen, / Hat mich auf einmal durchbebt. / Oft noch berühre du mich, / Tod, wenn ich in mir zerrinne, / Bis ich mich wieder gewinne / Durch den Gedanken an dich!“

(Hebbel)

*

Dann schwinde alles blasse Leben hin: / Erst, da ich sterbe, spür ich, dass ich bin.“

(Hofmannsthal)

*

Mensch, stirbest du nicht gern, / So willst du nicht dein Leben, / Das Leben wird dir nicht / Als durch den Tod gegeben.“

(Angelus Silesius)

*

Ein kleines Leiden setzt uns außer uns, ein großes in uns.“

(Jean Paul)

*

In jener Stunde begann es.“

(Hitler zu Winifred Wagner über die Linzer Rienzi-Aufführung)

*

Du folg in jedem werk dem frühsten traum!“

(George)

*

Auf die Burg meiner Jugend.“

(Göring nach Hitlers Selbstmord auf die Frage, wo er nun hinwolle)

*

Rührt seine Siegelhand / Die Himmelsvesten, / Schaust du dein Kinderland: / Dort, weit im Westen, / Erblüht ein Jubelbaum / Aus allem Trauern, / Wird dich am Purpursaum, / Sein Hauch umschauern.“

(Schilling)

*

Ich träum als Kind mich zurücke, / Und schüttle mein greises Haupt; / Wie sucht ihr mich heim, ihr Bilder, / Die lang ich vergessen geglaubt?“

(Chamisso)

*

Nur ein paar kurze Sommerstunden sah / Ich kinderglücklich jene alten Buchen – / Und doch, ich weiß es: ist mein Sterben nah, / Werd‘ ich im Traum nach jenem Walde suchen.“

(Agnes Miegel)

*

„The woods are lovely, dark, and deep. / But I have promises to keep, / And miles to go before I sleep, / And miles to go before I sleep.“

(Robert Frost)

*

Ich hab von ferne, / Herr, deinen Thron erblickt / Und hätte gerne / Mein Herz vorausgeschickt.“

(Johann Timotheus Hermes)

*

Am Mittag des 22. März 1832 brach das Auge, dem kein irdisches Licht mehr genügen konnte.“

(‚Allgemeine Deutsche Biographie‘ über Goethe)

*

Aug, das die Himmel sah / Im Sterbeschimmer – / Warum nur abschiedsnah? / Warum nicht immer?“

(Schilling)

*

Zwar, eine Sonne, sagt man, scheint dort auch, / Und über buntre Felder noch, als hier: / Ich glaubs; nur schade, daß das Auge modert, / Das diese Herrlichkeit erblicken soll.“

(Kleist)

*

Mehr Licht!“

(letzte Worte Goethes)

*

Mehr nicht!“

(letzte Worte Horst Janssens)

*

Now comes the mystery.“

(letzte Worte Henry Ward Beechers)

*

Ich beging einmal die Unvorsichtigkeit, ihm meine Vermutung auszusprechen, daß es einen Augenblick gäbe, nicht einmal im Jenseits, sondern noch im Sterben, in dem wir alle Menschen, Gestorbene, Lebende und noch Ungeborene, Von Angesicht zu Angesicht sehen. ‚Das ist der Mensch‘ und ‚Das bist du‘. Die Gleichung ist gelöst. Das schien ihm lächerlich. Dagegen wunderte es ihn nicht, daß man eine beliebige Menge von Ferngesprächen gleichzeitig auf derselben Leitung führen kann. Und dennoch wird er eines Tages in die Wunder der Substanz eintreten wie seine Stimme im Kupferdraht.“

(Jünger)

*

Über des Chaos noch ruhenden Wogen / Saßen um Odin die webenden Drei, / Und die Geschicke der Künftigen zogen / An den gewaltigen Thronen vorbei.“

(Hermann von Lingg)

*

Mein ganzes Leben ging, vergangenes / Und künftiges, in diesem Augenblick / An meinem inneren Gesicht vorüber, / Und an des nächsten Morgens Schicksal knüpfte / Der ahnungsvolle Geist die fernste Zukunft.“

(Schiller)

*

Vergangenheit und Zukunft sind Spiegel und zwischen ihnen leuchtet, für unsere Augen unfaßlich, die Gegenwart, die einzig wirklich ist, als Kern der Zeit. Im Sterben aber wechseln die Aspekte; die Spiegel beginnen einzuschmelzen, und immer reiner tritt die Gegenwart hervor, bis sie im Augenblick des Todes mit der Ewigkeit identisch wird.“

(Jünger)

*

Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben.“

(Marie von Ebner-Eschenbach)

*

Jedes Schicksal, wie weitläufig und verschlungen es auch sein mag, besteht in Wirklichkeit aus einem einzigen Augenblick; dem Augenblick, in dem der Mensch für immer weiß, wer er ist.“

(Borges)

*

Wir steigen in die wiegenden Gerüste, / In unsern Händen hängt der Hammer schwer, / Bis eine Stunde uns die Stirnen küsste, / Die strahlend und als ob sie Alles wüsste, / Von dir kommt, wie der Wind vom Meer.“

(Rilke)

*

Denn manches mag ein Weiser oder / Der treu anblickenden Freunde einer erhellen, wenn aber / Ein Gott erscheint, auf Himmel und Erd und Meer / Kömmt allerneuernde Klarheit.“

(Hölderlin)

*

„Ein Tag, der morgens beginnt, kann schon nicht mehr gut werden.“

(Hemingway)

*

Wenn ich Lügengeschichten hören will, lese ich Hemingway.“

(Richterin Constance Harm zu Homer Simpson)

*

Das Niveau Ihrer Fragen erlaubt mir noch, die Wahrheit zu sagen.“

(Karl Lagerfeld zu Markus Lanz)

*

Wer sich verteidigt, klagt sich an.“

(Robespierre)

*

Über mich können Sie schreiben, dass ich Kommandant von Dachau war oder mit Stubenfliegen Geschlechtsverkehr ausübe; von mir werden Sie keine Entgegnung vernehmen.“

(Benn)

*

In Deutschland ist wahrhaftig nur der Winkel – nicht aber die große Hauptstadt – produktiv gewesen.“

(Wagner)

*

Von Wilhelm Raabe stammt das Wort, das deutsche Genie komme zu drei Vierteln oder mehr aus der Provinz.“

(Joachim Fest)

*

„Der Schelling und der Hegel, / Der Schiller und der Hauff, / Das ist bei uns die Regel, / Das fällt hier gar nicht auf.“

(Eduard Paulus über die schwäbische Dichter-Dichte)

*

„Dass mein Werk in der DDR möglich war, ist ihre Rechtfertigung vor der Geschichte.“

(Schilling)

*

„Ich verachte natürlich mein Vaterland vom Scheitel bis zur Sohle, ärgere mich aber, wenn ein Ausländer dieses Gefühl mit mir teilt.“

(Puschkin)

*

Es sind eben alle zu Hause Proleten geworden.“

(Wilhelm II. aus seinem Doorner Exil)

*

Ich bin kein Franzose, ich war nie einer und ich möchte auch keiner sein.“

(Joseph de Maistre)

*

Ich lege hier für den Fall meines Todes das Bekenntnis ab, dass ich die deutsche Nation wegen ihrer überschwenglichen Dummheit verachte und mich schäme, ihr anzugehören.“

(Schopenhauer)

*

„Die Engländer haben keine schöpferischen Komponisten, denn sie sind reine Germanen.“

(Hitler)

*

„Man kann sich immer darauf verlassen, dass die Amerikaner das Richtige tun, nachdem sie alles andere versucht haben.“

(Churchill)

*

Um 1800 konnten alle den Blankvers – bis auf Schiller.“

(Karl Mickel)

*

„Soweit ich feststellen kann, bin ich der einzige Mensch in London, der nicht auf Anhieb ein Oscar Wilde – Stück schreiben könnte.“

(George Bernard Shaw)

*

Hell is a city much like London.“

(Shelley)

*

„Sein Name hat zu viele unnütze Konsonanten.“

(Jules Renard auf die Frage, was er zu Nietzsche meine)

*

Die Katze ihres Mannes springt mir immer in den Nacken.“

(Böckelmann auf die Frage, was er zu Anita Albus meine)

*

Beaufitul gowns.“

(Aretha Franklin auf die Frage, was sie von Taylor Swift halte)

*

Die sind vielseitig einsetzbar. Da kann man zum Beispiel so Hüte draus falten.“

(Bernd Stromberg zu Ernies schriftlich niedergelegten Vorschlägen)

*

„Der Enzensberger ist doch auch bloß ein Schwuler, der früher links war und jetzt rechts ist.“

(Joachim Kaiser)

*

„Verbrechen, lehrt der bundesdeutsche Katechismus, haben soziale Ursachen, sofern sich bei den Tätern keine rechte Gesinnung auftreiben lässt.“

(Klonovsky)

*

„Ein Rechtsruck ist erst dann gefährlich, wenn er schön anzuschaun ist.“

(Lisa Eckhart)

*

Pazifismus wird erst dann zur Tugend, wenn er vor Gewehrläufen stattfindet.“

(Klonovsky)

*

„Galgenhumor ist die Kunst, sich den Ast zu lachen, auf dem man sitzt.“

(Wolfgang Neuss)

*

„Außenpolitik ist die Kunst, jemandem so lange auf den Zehen zu stehen, bis er sich entschuldigt.“

(Talleyrand)

*

Alle mussten alles für sie tun – und sie tat für niemanden etwas. Und hinterher haben wir uns alle auch noch dafür bei ihr bedankt.“

(Karl Lagerfeld über seine Mutter)

*

Espenbaum, dein Laub blickt weiß ins Dunkel. / Meiner Mutter Haar ward nimmer weiß.“

(Celan)

*

„This is my real hair – the wig is underneath.“

(Phyllis Diller)

*

Soldaten, seid euch bewusst, dass von diesen Pyramiden vierzig Jahrhunderte auf euch herabblicken.“

(Napoleon)

*

Eine Insel, auf der die Jahrhunderte stehengeblieben sind.“

(Hitler über Burg Wildberg bei Linz)

*

Wir tragen die Jahrhunderte vor unseren Augen wie Filter, die sich zwischen uns und die Dinge schieben, denen sie ihr Kolorit verleihen.“

(Jünger)

*

„Tief ist der Brunnen der Vergangenheit.“

(Thomas Mann)

*

„Tief ist der Hass, der in niederen Herzen dem Schönen gegenüber brennt.“

(Jünger)

*

Schon reißt der höllische Schwarm verruchter Gäste / Die Letzten mit, die bessrer Art entstammen, / Und tanzend in des Hasses grellen Flammen, / Entweihn sie noch der Toten arme Reste.“

(Reinhold Schneider)

*

Good friend for Jesus sake forbeare, / To dig the dust enclosed here. / Blessed be the man that spares these stones, / And cursed be he that moves my bones.“

(Epitaph Shakespeares)

*

Der Linke erwachte schweißgebadet aus einem schrecklichen Alpdruck; er hatte geträumt, die Welt sei vollkommen.“

(Klonovsky)

*

Die Anprangerung von Ungerechtigkeit bereitet dem Linksintellektuellen mehr Vergnügen als es ihre Abschaffung je könnte.“

(Klonovsky)

*

Steil geht’s runter hier!“

(Bodo Wartke)

*

Versuchst du’s noch einmal und bringest mir Kunde, / Was du sahst auf des Meeres tiefunterstem Grunde?“

(Schiller)

*

Bist du gekommen bis zu den Quellen des Meeres, und hast du den Urgrund der Tiefe durchwandelt?“

(Hiob 38:11)

*

Und alles, was Geheimnisvolles je / Mir kund ward, dämmert‘ auf in meinen Sinnen: / Durchsicht’ge Schlösser auf dem Grund der See / Mit Silberpfeilern und Korallenzinnen.“

(Geibel)

*

„Dort stand der alte Zecher, / Trank letzte Lebensgluth, / Und warf den heiligen Becher / Hinunter in die Fluth. / Er sah ihn stürzen, trinken / Und sinken tief ins Meer, / Die Augen thäten ihm sinken, / Trank nie einen Tropfen mehr.“

(Goethe)

*

There stood the old carouser, / And drank the last life-glow; / And hurled the hallowed goblet / Into the tide below.“

(Bayard Taylor)

*

Einst hielt ich, der Freiheit Zecher, / Hoch den Amethysten-Becher.“

(Gilm zu Rosenegg)

*

Willst dem Meer ein Opfer bringen, / Wirf den steinbesetzten Becher / Deiner Tafel in die Brecher, / Laß ihn blitzen und verklingen. / Sinkt durch Farbenwälderblühen / Er in dunklere Gebreiten, / In den tiefsten Dunkelheiten / Muß sein Edelglanz verglühen.“

(Wolf von Aichelburg)

*

Dunkel ist das Leben, ist der Tod.“

(Nachdichtung von Hans Bethge aus dem Chinesischen)

*

Dunkel ist, der uns die Gleise / Aufgetan, dunkel die Reise, / Dunkel das Ende und fern. / Nichts, das die Wege dir weise. / Aber zu Häupten der Stern.“

(Schilling)

*

Ein Kennzeichen höchsten Stiles ist die geschliffene Dunkelheit. Man gleitet über die Rätsel der Tiefe dahin wie auf Schlittschuhen über einen gefrorenen See.“

(Jünger)

*

Wahrlich, keiner ist weise, / Der nicht das Dunkel kennt, / Das unentrinnbar und leise / Von allen ihn trennt.“

(Hesse)

*

Es gibt ein helles Deutschland, das sich leuchtend darstellt gegenüber dem Dunkeldeutschland.“

(Gauck)

*

Das gibt’s nicht, unsere Kinder werden immer klüger! Wenn wir noch ein Kind kriegen würden, könnte das eine Zeitmaschine bauen, mit der wir in der Zeit zurückgehen könnten, bis wir keine Kinder mehr haben!“

(Homer Simpson)

*

„Jedes Kind hat das Recht auf eine eigene Mutter.“

(Karel Gott über seine drei Kinder von drei Frauen)

*

Das meiste nämlich / Vermag die Geburt.“

(Hölderlin)

*

Was die Geburt vermag, / Hast du erfahren.“

(Schilling)

*

In beginnlichen zeiten ist allerdings der wirre wogende neugebärende urgrund je wirrer und dunkler desto schwangerer.“

(George)

*

Der bedeutendste Dichter des Frühmittelalters im zwanzigsten Jahrhundert.“

(Dürs Grünbein über George)

*

Das Mittelalter hat nicht ihn geweckt, sondern in ihm wachten Begierden, Gebete und Gewalten auf, die im Mittelalter ihre Zeichen fanden. Sie wählten sich jene Motive, um das auszudrücken, was uns gerade eben und gerade uns bewegt: Es muss aus uns kommen und vorher dagewesen sein.“

(Gundolf über George)

*

Ich habe mich nie mit der Gotik auseinandergesetzt, ich bin auch nie zu diesen gotischen Formen gekommen, sondern ich glaube, diese Formen liegen in meinen Genen.“

(Fritz Hörauf)

*

Man leugnete stets und man leugnet mit Recht, / Dass je sich der Adel erlerne.“

(Goethe)

*

„Was Angerer der Ältere in seinem unverwechselbarem Werk ausdrückt, das kann man nicht erlernen. Das muss vom Anbeginn in seiner seelischen Existenz vorhanden sein.“

(Breker)

*

Nach Aufgang gehen meine Gassen. / Und bin ich lang vom Volk verlassen, / So ist’s: damit ich größer bin. / Ich höre jeden in mir schreiten / Und breite meine Einsamkeiten / Von Anbeginn zu Anbeginn.“

(Rilke)

*

„Der gegenwärtige Pöbel toleriert nur Vorgesetzte, die er verachten kann.“

(Gómez Dávila)

*

„Wer sich erniedrigt, will erhöht werden.“

(Nietzsche)

*

Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen.“

(Lukas 1:52)

*

Am Thron rührt mir keiner!“

(Wilhelm II. zur Rechtschreibreform)

*

Bach nach dem Willen der Rechtschreibreformer: Das wohl temperierte Klavier.“

(Klonovsky)

*

In dem Augenblick, wo mit dem ersten Kreuzzug die Judenverfolgungen begannen, war Schluss mit der Bildtradition – und das Judentum wandelte sich zu einer tragbaren Religion, wie es Heine formuliert hat. Bücher und Wissen lassen sich leichter transportieren als ein Tempel. Ein winzig kleiner, nicht besonders schöner Gebetsraum reichte meist. Auch deshalb ist die jüdische Ästhetik unterentwickelt.“

(Wolffsohn)

*

Im Exile gleichsam wie ein portatives Vaterland.“

(Heine über den Tanach)

*

Entflieh mit mir und sei mein Weib, / Und ruh an meinem Herzen aus; / Fern in der Fremde sei mein Herz / Dein Vaterland und Vaterhaus.“

(Heine)

*

„Es emigriert sich schwerer mit einem Eisenwalzwerk als mit einem Romanmanuskript.“

(Golo Mann)

*

Thomas Mann hatte leicht reden. Er hat sich aus dem Staub gemacht. Ein Emigrant kann das nicht verstehen. Er hat die Tragödie seines Volkes nicht geteilt. Wie sollte er da ein Echo bei ihm finden?“

(Jünger)

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Ohne den festen befehl / Unentrinnbarer sichten / Mag euch mein odem berichten, / Was ich mir selber verhehl.“

(Gundolf)

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Geh, unter Blitzen geborgen, / Nimm deine Götter mit dir, / Zwischen Gestern und Morgen / Bist du der blinde Kurier.“

(Schilling)

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Niemand weiß, wohin er fährt, / Du bist wohl geborgen; / Niemand ahnt, wie lang es währt, / Was wird morgen? Morgen…“

(Zarah Leander)

*

„Um den ist es beinah schade: Welche Kaltblütigkeit, welche Intelligenz, welch eisener Wille.“

(Goebbels über Stauffenberg)

*

„Man kann aus Opportunismus sehr viel tun. Aber man stirbt nicht aus Opportunismus.“

(Ewald von Kleist über Stauffenberg)

*

Dass viele Verschwörer des 20. Juli erst nach Stalingrad zu entschiedenen Hitler-Gegnern geworden seien, ist ein beliebter Vorwurf derer, die schon wenige Jahrzehnte nach der Höllenfahrt des Dritten Reiches zu dessen Todfeinden avancierten.“

(Klonovsky)

*

Angesichts der Tatsache, dass nach dem 20. Juli – die Judenvernichtung dabei noch außen vor gelassen – bis zum Kriegsende im Durchschnitt täglich 16.641 Menschen umkamen und davor seit Kriegsausbruch 1550, wirkt jeder Hinweis auf den späten Zeitpunkt des Attentats wie Zynismus.“

(Joachim Fest)

Aus Sicht des Linksintellektuellen wiegt Stauffenbergs Versuch, Hitler zu töten, nicht seine Schuld auf, das Deutsche Reich retten zu wollen.“

(Klonovsky)

*

„Die moderne Welt wird nicht bestraft werden; sie ist die Strafe.“

(Gómez Dávila)

*

 „Die Weltgeschichte ist das Weltgericht.“

(Schiller)

*

Ich rebelliere gegen die Rebellen. Die Rebellen sind für mich die Atonalisten und Polytonalisten. Ich bleibe der Tonalität und den alten Formen treu, weil ich denke, daß ihre Möglichkeiten nicht ausgeschöpft sind und auch nie ausgeschöpft werden können.“

(Moondog)

*

Aber zu sagen bleibt auch, dass die moderne Musik, deren Geringschätzung Joachim Kaiser vielfach zum Vorwurf gemacht wird, ungeachtet ihrer romantischen Ahnen, diese Balance von Zukunftsbravour und volksliedhafter Schlichtheit aufgegeben, womöglich auch verloren hat. Statt dessen entzückt sie sich den eigenen Krassheiten und führt unausgesetzt Entfesselungskünste ohne Fesseln vor.“

(Joachim Fest)

*

Die Liebhaber der Regelbrüche machen im Regellosen eine traurige Figur.“

(Anita Albus)

*

Es ist lächerlich, sich als Regelbrecher zu spreizen, wenn man die Regeln nicht beherrscht.“

(Klonovsky)

*

Wenn das unkonventionelle Theater zur Konvention wird, seid ihr in einer Falle.“

(Peter Stein)

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Wir haben unsere Wünsche durchschaut und unsere Rollenbilder diskreditiert, finden aber keine anderen. Die Emanzipation hat uns ins Leere geführt.“

(Böckelmann)

*

Die ‚Avantgarde‘ stellt den Versuch dar, dem Urteil: Genial – nicht-genial auszuweichen ins Unverbindliche eines Individualismus, der alles gelten lässt und damit das Gegenteil des Angestrebten erreicht: Nicht die Befreiung, sondern die Austauschbarkeit der Individuen.“

(Schilling)

*

Die Gleichstellung der Völker oder der Geschlechter ist sehr gut. Dennoch darf man nicht an einen Punkt gelangen, an dem das geopfert wird, was jeden einzigartig macht.“

(Jünger)

*

Wenn Goethe ihr seinen Namen gibt, werden wir ihr wohl eine Tasse Tee geben können.“

(Johanna Schopenhauer ihre Einladung an Christiane Vulpius rechtfertigend)

*

„Mit ihm erlosch Goethes Geschlecht, dessen Name alle Zeiten überdauert.“

(Epitaph Walther von Goethes)

*

Wenn ich den letzten Goethe-Vers vergessen habe, werde ich den Eimsbütteler Sturm noch aufzählen können.“

(Walter Jens)

*

Der erste Teil ist ganz nett, im zweiten zieht sich’s.“

(Harald Schmidt über Goethes Faust)

*

Sein Werk wird neben dem Goethes stehen.“

(Monika Grütters über Günter Grass nach dessen Tod)

*

Man kann nur hoffen, dass sie es alphabetisch gemeint hat.“

(Klonovsky über Grütters und ihr Urteil)

*

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.“

(Rilke)

*

Wer jetzt ein Haus baut, baut sich eines mehr.“

(Jörg Magenau über die beiden Häuser von Botho Strauß)

*

Wie Brunft nach Brunft im Forste schreit, / Wie nach der Lohe lechzt die Glut, / So treibt die Gier nach Menschenblut / Ans Licht den Hort der Dunkelheit.“

(Agnes Miegel)

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„Holmes ist schwerer zu spielen als Hamlet oder MacBeth.“

(Jeremy Brett)

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„Sondheim ist ein Genie und ich bin nur ein Komponist.“

(Jerry Herman)

*

Picassos Bilder sind gemalter Ehekrach.“

(Cocteau)

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Ich bin ein Komet und Cocteau ist ein Funke an meinem Schweif.“

(Picasso)

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Ich verhalte mich zu Goethe wie Jeanne d’Arc zu Messalina.“

(Victor Hugo)

*

Zu Alberti verhielt sich Leonardo wie zum Anfänger der Vollender.“

(Jacob Burckhardt)

*

Vom Bildhauer des Führers zum Illustrator des Meisters.“

(Schilling über Breker)

*

„Dem Schnee, der auf den Schuld’gen fällt, / Wurd‘ selbst nie Hochmut unterstellt, / Und Wachs hat sich nur dann verbogen, / Wenn man nicht hoch genug geflogen.“

(Lisa Eckhart)

*

„Mein Ikarus fällt nicht.“

(Breker zu Charles Lindbergh)

*

„Du träum, wo Widders Stöße / Dir drohn mit Hörnerschall, / Allein von ihrer Größe / Und nicht von ihrem Fall.“

(Schilling)

*

Homer und Phidias sind noch schön, während das Wahre und Gute jener Zeit nicht mehr ganz das unsrige ist.“

(Jacob Burckhardt)

*

Wie die Seligen dort oben, / Wo hinauf die Freude flieht, / Wo, des Daseins überhoben, / Wandellose Schöne blüht.“

(Hölderlin)

*

So dein Maß im Irdischen erkennend, / Wirst du wandeln, allem Wandel fern, / Ewig auferstehend, ewig brennend, / Schmetterling und Flamme, Staub und Stern.“

(Schilling)

*

Wandelt sich rasch auch die Welt / Wie Wolkengestalten, / Alles Vollendete fällt / Heim zum Uralten.“

(Rilke)

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Du hast kein neues Reich entfacht, / Hast nur, geneigt ins Niezurück, / Uraltes endlich heimgebracht: / Den Abgesang, das Ernteglück, / Die letzten Flüge vor der Nacht.“

(Schilling)

*

Das Feigenblatt des Neides ist sittliche Entrüstung.“

(Karl Kraus)

*

„Moralische Empörung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen.“

(Helmut Qualtinger)

*

„Empörung ist negativer Narzissmus.“

(Julia Kristeva)

*

Entweder ich bin vor Ort und leite ein Krankenhaus in einem Flüchtlingslager in Syrien oder ich halte mich geschlossen.“

(Harald Schmidt über öffentlich zelebrierten Verbal-Humanitarismus)

*

„Die Überlegenheit beruht nicht auf der Macht, sondern die Macht auf der Überlegenheit.“

(Evola)

*

„Haben sie mal versucht, ohne Macht verrückt zu werden? Niemand hört einem zu!“

(Russ Cargill auf den Einwurf hin, er sei wohl vor Macht verrückt geworden)

*

Denn Macht verführt zur Hybris – und wer hätte dieser Versuchung je widerstanden? Karl V. vielleicht, der Herr der Welt, der sich ins Kloster begab, um Buße zu tun.“

(Schilling)

*

Ich trug den Stirnreif und Gewalt der Welt / Und hatte tausend der erlauchten Namen, / Nun ist ein Korb von Bast mein Eigentum, / Ein Winzermesser und die Blumensamen.“

(Hofmannsthal)

*

„Dieses hinterlistige Vieh muss verschwinden.“

(Goebbels 1931 über Himmler)

*

„Die heutige Welt ist viel besser, glauben Sie mir. Wir haben zwar keinen Schubert, aber ich habe nun schon den fünften Herzschrittmacher und lebe immer noch.“

(Martha Eggerth)

*

„Where is the wisdom we lost in knowledge, where is the knowledge we lost in information?“

(T.S. Eliot)

*

Denk nicht zuviel von dem was keiner weiss! / Unhebbar ist der lebenbilder sinn.“

(George)

*

Nicht zu begreifen, das war meine einzige Beschäftigung diese Jahre lang.“

(Rilke 1920 an Leopold von Schlözer)

*

Zu empfinden, dass hinter dem Erlebbaren ein für unseren Geist Unerreichbares verborgen sei, dessen Schönheit und Erhabenheit uns nur mittelbar und in schwachem Widerschein erreicht, das ist Religiosität. In diesem Sinne bin ich religiös.“

(Einstein)

*

Sie sammeln aus dunklen Bereichen / Die Dinge, die Ziffern, die Zeichen, / Die Zahl, drin das Ganze sich zeigt, / Die Formeln, die Lösung versprechen, / Die schwarzen Stücke, die brechen / Vom Fels, der die Wahrheit verschweigt.“

(Schilling)

*

Ich weiß nicht, wie ich der Welt erscheinen mag; aber mir selbst komme ich nur wie ein Junge vor, der am Strand spielt und sich damit vergnügt, ein noch glatteres Kieselsteinchen oder eine noch schönere Muschel als gewöhnlich zu finden, während das große Meer der Wahrheit gänzlich unerforscht vor mir liegt.“

(Newton)

*

Des Geistes Flutstrom ebbet nach und nach. / Ins hohe Meer werd ich hinausgewiesen, / Die Spiegelflut erglänzt zu meinen Füßen, / Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag.“

(Goethe)

*

Then reach on with thy thought till it be drown’d. / Miles and miles distant though the last line be, / And though thy soul sail leagues and leagues beyond, – / Still, leagues beyond those leagues, there is more sea.“

(Dante Gabriel Rossetti)

*

Die Provinzen Deines Reiches / Finden nirgendwo ein Gleiches, / Also ewig, also schweigend, / In noch weitre Welten zeigend.“

(Usinger)

*

Ein großes gemeinschaftliches Interesse verband die entlegensten Provinzen dieses weiten geistlichen Reichs.“

(Novalis über die mittelalterliche Einheit im Glauben)

*

Brecht hat einmal treffend erläutert, in der ‚Zauberflöte‘ sei es Mozart gelungen, die vergnüglich-unterhaltsame (Papageno) und die tiefgründig-mystische Sphäre (Sarastro) ohne Weiteres zu verknüpfen. Später zerfiel diese Einheit einerseits in den weihevollen ‚Parsifal‘, andererseits in ‚Die lustige Witwe‘.“

(Joachim Kaiser)

*

Mozart verkörpert gleich Goethe den magischen Augenblick, da Volkskultur und Hochkultur in eins fallen, da, aller Subtilitäten inne, das einfach-Vollkommene glückt.“

(Schilling)

*

Dergleichen Gedichte sind so wahre Poesie, als sie irgend nur sein kann; sie haben einen unglaublichen Reiz, selbst für uns, die wir auf einer höheren Stufe der Bildung stehen, wie der Anblick und die Erinnerung der Jugend fürs Alter hat.“

(Goethe über das Volkslied)

*

Goethe dichtete Volkslieder in seiner Jugend um und für eine Gesellschaft, in deren Mitte er damals stand und sich fühlte. Umgekehrt vermag der in seiner Jugend völlig alleinstehende Stefan George seine Volkslieder erst im Alter zu finden, nachdem er sich selbst durch sein Leben und sein Werk eine Gesellschaft geschaffen hat.“

(Morwitz)

*

Für George gilt, vielleicht mehr als für irgendeinen anderen, das Goethe-Wort ‚Was man in der Jugend entbehrt, hat man im Alter die Fülle.'“

(Schilling)

*

„Danke für den Balkon!“

(BILD-Titel zum Tode Genschers)

*

Er sudelte bis zuletzt.“

(BILD-Titel zum Tode Karl-Eduard von Schnitzlers)

*

Wenigstens zwölf Jahre anständig gelebt.“

(Göring 1945)

*

Fahr hin, jovialer Mordwanst! Du hast es wenigstens genossen, während dein Herr und Meister nie nirgends gelebt hat als in der Hölle.“

(Thomas Mann über Göring)

*

Du musst fahren!“

(letzte Worte Hans Joachim Mosers zu Tochter Edda, die bei Karajan zum Vorsingen geladen war)

*

Du sollst leben.“

(Salomon Perels Mutter zu ihrem Sohn vor seiner Flucht)

*

Unser Sohn muss leben.“

(USA-Korrespondent Hannes Stein zu seiner Frau nach der Wahl Donald Trumps)

*

Rilke schreibt in einem Brief, er habe Schuler seine Sonette und auch die Elegien nicht gesandt, weil ihm das erschienen wäre, als wolle er dem Urgebirg ein Stück schön geschliffenen Malachit hinhalten.“

(Schilling)

*

Meine Werke sind Brocken vom Tische des Homer.“

(Aischylos)

*

„Alle abendländische Philosophie ist eine Fußnote zu Platon.“

(Alfred North Whitehead)

*

„Nietzsche. Der Rest ist Exegese.“

(Benn)

*

Und wahrlich, ich wüsste unter den wenigen Lebenden und den vielen Toten, mit denen ich Rede zu tauschen pflege, keinen, dem ich mich je verwandter gefühlt als diesem Friedrich Nietzsche.“

(Schilling)

*

Das einzig Wichtige auf Erden ist, was sich ein paar Erleuchtete über die Jahrhunderte hinweg zuflüstern.“

(Klonovsky)

*

Das echte Schöne geht nie unter, sondern lebt immer in der Brust weniger Guter wie vestalisches Feuer unauslöschlich fort.“

(Goethe)

*

Du nur verwehrtest dass uns (dank dir Wächter!) / In kalter zeit das heilige feuer losch.“

(George an Böcklin)

*

„Der Revolutionär ist zu guter Letzt ein Individuum, das es nicht wagt, allein auf Raub zu gehen.“

(Gómez Dávila)

*

Wenn es zur Revolution kommt, werden – nach Goethe – die Probleme nicht gelöst, sondern verschärft. Statt des Eigennutzes oben herrscht dann nämlich der Eigennutz von unten, der noch verhängnisvoller ist, weil er sich verbindet mit kulturloser Rohheit und angestautem Hass und Neid.“

(Safranski)

*

Seit der Französischen Revolution entscheidet das Volk endlich selbst, wen es köpft.“

(Harald Schmidt)

*

Der Kult der Menschheit wird mit Menschenopfern gefeiert.“

(Gómez Dávila)

*

Demokratie ist eine Pforte zur Gewalt.“

(Jünger)

*

Das Fehlen legaler Hierarchien erleichtert den Aufstieg der Skrupellosen.“

(Gómez Dávila)

*

Hierarchien sind himmlisch. In der Hölle sind alle gleich.“

(Gómez Dávila)

*

Am meisten strahlen die Augen des Teufels bei den Worten: Liberté, Égalité, Fraternité.“

(Klonovsky)

*

Eine durch Absolutismus abgemilderte Demokratie.“

(George über die Machtstrukturen im Kreis)

*

Die Demokratie ist die beste Gewähr, die wir dafür haben, dass die Macht nicht in anständige und ehrenhafte Hände fallen wird.“

(Anonym)

*

Die Demokratie endet, wo ein Bekenntnis zu ihr gefordert wird.“

(Klonovsky)

*

Pluralismus beginnt, wo der Verfassungsfeind mit am Tisch sitzt.“

(Klonovsky)

*

Wo der Liberalismus seine äußersten Grenzen erreicht, schließt er den Mördern die Tür auf. Das ist Gesetz.“

(Jünger)

*

Liberal nennt man jene Gesellschaften, die binnen weniger Generationen Platz machen für weniger liberale Völker.“

(Klonovsky)

*

Und diese Menschen mit ihrer Verrücktheit und Wut alles auf das einzelne Individuum zu reduzieren und lauter Götter der Selbständigkeit zu sein, diese wollen ein Volk bilden und den wilden Scharen widerstehen?“

(Goethe zu Boisserée 1815)

*

Für die heutige Sicht aber irritierender ist das vollständige Fehlen einer liberalen Strömung in der Opposition. Niemand hat sich dem System in den Weg gestellt, weil er an die unendliche Bedeutung des Individuums, den Markt, das parlamentarische Verfahren oder den Segen des Kompromisses glaubte.“

(Karlheinz Weißmann über den Widerstand gegen Hitler)

*

Wenn einer was tut, was der andere nicht will, ist es ein Verbrechen; wenn zwei was tun, was sie beide nicht wollen, ist es Demokratie.“

(Lisa Eckhart)

*

Die ‚Penthesilea‘ wäre nie geschrieben worden, wenn vorher darüber abgestimmt worden wäre.“

(Benn)

*

Eine Demokratie kann militaristisch oder pazifistisch sein, absolutistisch oder liberal, zentralistisch oder dezentralisierend, fortschrittlich oder reaktionär, und alles wieder zu verschiedenen Zeiten verschieden, ohne aufzuhören, eine Demokratie zu sein.“

(Carl Schmitt)

*

Der Beurteilung von Kunst entlang Gestalt, nicht Gehalt, entspricht die Wahrnehmung der Demokratie als Prozess, nicht als Wert.“

(Meynrath)

*

Wie frei sind Wahlen? Wie weit ist der Wille durch Werbung, also durch Kapital, durch einige Herrscher über die öffentliche Meinung manipuliert? Gibt es nicht die Oligarchie derer, die bestimmen, was modern und fortschrittlich ist, was ein aufgeklärter Mensch zu denken hat?“

(Ratzinger)

*

Die menschlichen Gedanken sind Gedanken eines bilateralen Wesens von geringer Asymmetrie.“

(Jünger)

*

Revolutionen brechen niemals ohne lange Vorbereitung über Reiche herein. Elemente, aus denen sich der Umsturz herausbildet, sind stets und unter allen Verhältnissen vorhanden. Zum Ausdruck reifen sie nur durch Schuld der obersten schirmenden Macht, möge sich diese im Mißbrauch oder im Nichtgebrauch der Gewalt aussprechen.“

(Metternich)

*

Ludwig XVI. verabscheute jede Gewalt und ließ während der Französischen Revolution niemals in die Menge schießen, obwohl er rechtlich dazu befugt gewesen wäre. Hätte er es getan, so wäre die Geschichte Frankreichs und Europas wohl anders verlaufen. Ludwig XIV. hätte an seiner Stelle die Armee eingesetzt und ein Blutvergießen angerichtet. Die großen Worte und schönen Ideen hätten es in diesem Falle schwerer gehabt.“

(Michael Onfray)

*

Warum denn wie mit einem Besen / Wird so ein König hinausgekehrt? / Wären’s Könige gewesen, / Sie stünden heut‘ noch unversehrt.“

(Goethe)

*

The past was great – except it led to the present.“

(Homer Simpson)

*

Der lautere Reaktionär ist kein Träumer von vergangenen Zeiten, sondern Jäger heiliger Schatten auf ewigen Hügeln.“

(Gómez Dávila)

*

Die wahre Rechte ist niemals so verbissen. Darum wird sie von der Linken gehasst wie der Henker einen Verurteilten hasst, der auf dem Weg zum Galgen lächelt.“

(Jean Raspail)

*

Auf den Vorwurf hin, Rechte seien humorlos: Dass Marie-Antoinette dem brotlosen Volk Kuchenverzehr nahelegte, lässt auf einen gesünderen Humor schließen als dessen Entschluss, sie zu köpfen. Wenn dann noch Figuren wie Robespierre, die das Köpfen der Gegenseite als probates Mittel ausgeben, irgendwann von ebendieser Gegenseite geköpft werden, dann ist das unter humoristischen Gesichtspunkten schon wieder nicht zu verachten. Überspitzt ließe sich also sagen, dass Rechte, wenn sie töten, immer noch mehr Humor beweisen als Linke, wenn sie einen Witz erzählen.“

(Meynrath)

*

Die Leute mussten ja alle öffentlich reden wie fleischgewordene Fahnensprüche. Man durfte nicht skeptisch sein, man durfte nicht defätistisch sein, man hatte sich gefälligst mit Freude dem Hitler und seinen Plänen zur Verfügung zu stellen.“

(Joachim Kaiser)

*

Die Aristokratie bringt Aphorismen hervor, die Demokratie Parolen.“

(Klonovsky)

*

Konservative sind im politischen Kampf unterlegen, weil es ihnen zuwider ist, sich in Herden zu organisieren, Ideen wie Ikonen zu verehren und endgültige Wahrheiten herauszuschreien.“

(Baberowski)

*

Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen.“

(Nietzsche)

*

Gebrauchen Sie doch nicht das Fremdwort ‚Ideale‘. Wir haben ja das gute nationale Wort ‚Lügen‘.“

(Ibsen)

*

Die ‚Ideale‘ sind Symptome eines verkappten Narzißmus. Die Pathologie des Egoismus reserviert ein Kapitel dem ‚Idealisten‘. Nur die konkrete und sinnliche Person, die wir lieben, ist mehr als unser maskiertes Ich.“

(Gómez Dávila)

*

Damit haben die Nazis die Maske fallen lassen; sie haben gezeigt, dass sie eine sozialistische Partei sind, die sich zum Bauernfang den Mantel Friedrichs des Großen umgehängt hat!“

(Wilhelm II. nach Auflösung der Monarchistenverbände durch Göring 1933)

*

Wenn die Schatten der Vergangenheit / Wieder fliehen in die Ewigkeit, / Bleibt ein Schimmer von Glückseligkeit / Mir im Herzen zurück.“

(Zarah Leander)

*

Doch wars, als ob, dem Erlenkönig gleich, / Des Ahnherrn Geist ob ihrem Scheitel schwebte.“

(Grillparzer über Alma von Goethe)

*

Illusionen / Blühn im Sommerwind, / Treiben Blüten, die so schön, doch so vergänglich sind, / Pflückt sie erst an deinem Wege die Erfahrung, / Welken sie geschwind.“

(Udo Jürgens)

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The trees are so much taller / And I feel so much smaller, / The moon is twice as lonely / And the stars are half as bright.“

(Alan & Marilyn Bergman)

*

Je dunkler der populistische Wald, desto lauter pfeifen die Lakaien des Establishments ihr Lied von den erwünschten Illusionen.“

(Klonovsky)

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Often I think this sad old world / Is whistling in the dark, / Just like a child, who, late from school, / Walks bravely home through the park, / To keep their spirits soaring / And keep the night at bay, / Neither quite knowing which way they are going, / They sing the shadows away.“

(Johnny Mercer)

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„Wo Lucke nüchtern klingt wie eine Bach-Fuge, tönt Höcke schwärmerisch wie ein Schubert-Lied.“

(Melanie Amann)

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Als wenn die ewige Harmonie sich mit sich selbst unterhielte, wie sich’s etwa in Gottes Busen, kurz vor der Weltschöpfung, möchte zugetragen haben.“

(Goethe über Bach)

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„Von einer guten Prosa ist zu verlangen, dass sie die Todesfurcht verbannt.“

(Jünger)

*

Prosa verbannt die Furcht, Lyrik überblendet sie.“

(Schilling)

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Drum, willst du dich vor Leid bewahren, / So flehe zu den Unsichtbaren, / Dass sie zum Glück den Schmerz verleihn. / Noch keinen sah ich fröhlich enden, / Auf den mit immer vollen Händen / Die Götter ihre Gaben streun.“

(Schiller)

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Doch die Welt – bald streut sie ihre Leiden / Auch auf die zufrieden heitre Bahn: / Weil sie dem, der Tugendfreuden kennet, / Sein zufrieden Herz nicht gönnet.“

(Hölderlin)

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Sei nicht erschrocken über soviel nacht – / Es sind die mühen der notwendigen trage · / Mit ihren freuden seh ich schon die tage / Wo unser beider frucht im lichte lacht.“

(George)

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Gott wird dich aus der Höhle, / Da dich der Kummer plagt, / Mit großen Gnaden rücken; / Erwarte nur die Zeit, / So wirst du schon erblicken / Die Sonn der schönsten Freud.“

(Paul Gerhardt)

Wechselnde Pfade, / Schatten und Licht – / Alles ist Gnade, / Fürchte dich nicht.“

(Baltischer Hausspruch)

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Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht!“

(Lukas 2:10)

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Waage-Glück, goldnes Verschweben, / Traum zwischen Schatten und Licht, / Geh durch die flüchtigen Leben / Aufrecht und fürchte dich nicht.“

(Schilling)

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„Wäre ich nicht Alexander, so wollte ich Diogenes sein.“

(Alexander der Große)

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„Der Einzige, der ich sein wollte, wenn ich nicht Bach wäre.“

(Bach über Händel)

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„Ceterum censeo Carthaginem esse delendam.“

(Cato der Ältere)

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„Ceterum censeo Germaniam esse restituendam.“

(Bernard Willms)

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„Ich glaube übrigens, wir sind verloren.“

(Frank Schirrmacher)

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„Die erste Generation schafft Vermögen, die zweite verwaltet es, die dritte studiert Kunstgeschichte und die vierte verkommt endgültig.“

(Bismarck)

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„He talks as Montaigne writes.“

(Disraeli über Bismarck)

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Kandelgelaber.“

(Klonovsky über die beschwichtigende Nachbereitung des örtlichen Mordfalls)

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„Die Außerirdischen haben es langsam satt, dass wir sie ständig ignorieren.“

(Erich von Däniken)

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Woher die Reptos kommen ist mir auch bekannt.“

(Dr. Axel Stoll)

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„An dem Buch stimmt nichts außer den Seitenzahlen.“

(Oswald Spengler über Rosenbergs ‚Mythus des 20. Jahrhunderts‘)

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„Beständigkeit ist die letzte Zuflucht des Phantasielosen.“

(Oscar Wilde)

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„Die Aktion ist die letzte Zuflucht des Verängstigten.“

(Gómez Dávila)

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„Der Ruf nach Differenzierung ist oft die letzte Zuflucht des Feiglings.“

(Klonovsky)

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So schuf ihm sein Wirken / Würde und Stand; / Der vor dem Heer herzog, / Ward Herzog genannt.“

(Will Vesper)

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Teigwaren heißen Teigwaren, weil sie Teig waren.“

(Volksmund)

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Heute ist der 22. März – da muss man verdammt aufpassen.“

(Schilling nach einem Stolpern an Goethes Todestag)

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Er aber sprach: Ich will sie nicht verderben um der zehn willen.“

(1. Mose 18:32)

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Wenn einst Gott Abraham verheißen hat, er werde Sodom nicht verderben, wenn auch nur zehn Gerechte darin seien, so hoffe ich, dass Gott Deutschland um unseretwillen nicht vernichten wird.“

(Henning von Tresckow)

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„Du wusstest wohl: wo feindlicher dämonen / Entgegenwirken das gelingen beugt, / Dass derer, die im stand der gnade wohnen / Hingang ein rettendes geheimnis zeugt.“

(Alexander von Stauffenberg)

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Denn lähmend schleift am besten Siegeswagen / Der Nichterfüllung schattenvoller Kranz.“

(Emil von Schoenaich-Carolath)

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Diesem christlichen Reich ist es wesentlich, daß es kein ewiges Reich ist, sondern sein eigenes Ende und das Ende des gegenwärtigen Äons im Auge behält und trotzdem einer geschichtlichen Macht fähig ist.“

(Carl Schmitt)

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Das Scheitern des Christentums ist nicht seine Widerlegung, sondern ist selbst christliche Lehre.“

(Gómez Dávila)

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Als Christen glauben wir nicht, dass die Zivilisation am Ende das Reich Gottes hervorbringt, sondern die innere Dynamik der Geschichte bringt den Antichristen hervor. Und das Reich Gottes wird am Ende von außen her einbrechen.“

(Robert Spaemann)

*

Mit der Erkenntnis, die sich durch Abstraktion und durch Erfindung die Welt formt, beginnt ein langer, mühsamer Weg. Anders verhält es sich mit der Offenbarung: die Fülle bricht aus dem Zeitlosen herein.“

(Jünger)

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Was aber Dein Schüler jetzt schon leistet, mag sich zum damaligen Mozart verhalten wie die ausgebildete Sprache eines Erwachsenen zum Lallen eines Kindes.“

(Goethe zu Zelter über Mendelssohn)

*

Du bist mein David.“

(Goethe zu Mendelssohn)

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Ach, Sie sind mein Raffael.“

(Benedikt XVI. zu Michael Triegel)

*

„Du bist kein Mozart, du bist auch kein Schubert – du bist ein Wecker!“

(Carl Orff zu Konstantin Wecker)

*

Als Kind dachte ich, dass die Alten, um uns zu erschrecken, so eine Sache erfinden wie die Schule. Einmal stand ich auf dem Balkon und sah, wie die Kinder mit Tornistern vorbeimarschierten. Da dachte ich, die hätten die Alten nur vorbeigeschickt, damit ich daran glaube.“

(Jünger)

*

Heute war ich zum ersten Male in der Schule. Sie sei verflucht!“

(Cajo Partsch)

*

Das hat mir gerade noch gefehlt.“

(Arndt Krupp auf die Frage, ob er jemals zu arbeiten gedenke)

*

„Nur nichts als Profession getrieben! Das ist mir zuwider. Ich will alles, was ich kann, spielend treiben, was mir eben kommt und so lange die Lust daran währt.“

(Goethe)

*

Die unschöne Sitte der Erwerbsarbeit kam ja ohnehin erst im 18. Jahrhundert auf.“

(Harald Schmidt)

*

Die kommunistische Gesellschaft macht es mir möglich, heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden.“

(Karl Marx)

*

Vermeidet sorgfältig alle Studien, die zum Broterwerb ausarten können.“

(Max Ernst)

*

Ich glaube, dass es auf der ganzen Welt nicht Gold genug gibt, um George zu einer Arbeit zu veranlassen, die er nicht auch ohne Honorar tun würde.“

(Georg Bondi)

*

Er war kein wirklich bedeutender Autor, aber immerhin gut genug, um von seiner Schriftstellerei nicht leben zu können.“

(Klonovsky)

*

Es ist unmöglich, heutzutage eine Putzfrau zu bekommen – alle schreiben.“

(Paul Léautaud)

*

In Deutschland schreibt jeder, der die Hand zu nichts anderem gebraucht; und wer nicht schreiben kann, rezensiert.“

(Börne)

*

Wenn ich den Erfolg meiner Autor-Tätigkeit dem eines Handzettelverteilers in der Antarktis verglich, so war mir wohl nicht gegenwärtig, daß auch dort bereits Massenexpeditionen unterwegs sind.“

(Botho Strauß)

*

Man liebt seine Erkenntnisse nicht genug mehr, sobald man sie mitteilt.“

(Nietzsche)

*

Genügt es denn nicht, daß ich meine Gedichte geschrieben habe und sie in einer Stern-Stunde den drei oder vier Eingeweihten vortrug?“

(Schilling)

*

Daß der Gang der Dinge unabhängig von der Zustimmung der Allermeisten seinen Weg nimmt: daran liegt es, daß einiges Erstaunliche sich auf der Erde eingeschlichen hat.“

(Nietzsche)

*

Fleht nicht um schnellern zuwachs grössrer macht: / Die krönungszahl birgt jede möglichkeit.“

(George)

*

Alles Rechte hat seinen Ursprung im Unpolitischen.“

(Botho Strauß)

*

Es ist kaum vorstellbar, aber die meiste Zeit haben die Menschen ohne politische Rhetorik gelebt; sie ist einfach aufgekommen wie der Straßenlärm, und mit ihr die Ansicht, dass erst ihre Politisierung die Dinge ins rechte Licht rücke.“

(Klonovsky)

*

„Und das war der zweite Aspekt des Schreckens, den Goethe die Revolution einjagte: Die von ihr ausgehende allgemeine Politisierung.“

(Safranski)

*

Politik? Ich mache keine Politik mehr. Das widert mich so an.“

(Hitler zu Hewel 1945)

*

Die Politik jeglicher Färbung ist mir seit langem zuwider, und ich marschiere hinter keiner Fahne mehr her. Auch ist die Erdrevolution mit politischen Mitteln nicht zu bewältigen. Sie dienen höchstens zur Garnierung des Vulkanrandes.“

(Jünger 1993)

*

Nein, mit diesem Ich des Botho Strauß wäre kein Staat zu machen, keine Revolution, erst recht keine konservative. Hier rauschen die Zeiten hindurch, reusenlos.“

(Alexander Kissler)

*

„Die politische Prosa von Günter Grass ist den Erzählungen Rainer Barzels ebenbürtig.“

(Johannes Groß)

*

Denn im Anfang war das Wort, / War bei dem, der es erlöste, / Und es zeugt sich ewig fort, / Dass es Dich, oh Sterbling, tröste.“

(Albert Vigoleis Thelen)

*

Am Anfang war der Tanz und nicht das Wort.“

(Rudolf von Laban)

*

Einst waren alle tief und stumm, / Und alle wussten drum.“

(Hofmannsthal)

*

Worte sind wie Rettungsringe, / Die dem Leben dienen; / Auf den tiefen Grund der Dinge / Kommst du schwer mit ihnen.“

(Christian Morgenstern)

*

Was lebt, muss durchschnittlich sein, sonst wächst es ins Astrale und dort ist es kalt und aufgelöst und atemlos! Selbst geistige Produktion ist stets menschlich-rückblicklich und fast plump und familiär, aber echt ist nur, wer völlig sich versagt und schweigt, in ihm allein beginnt das All, das Urspiel und die Stimmung des Gottes von dem ersten Tag, des dorischen Gottes, – alles Spätere ist schon Bonmot und Wiener Walzer.“

(Benn)

*

Der unvergleichliche Edelstein, der inmitten einer Wüste liegt, die noch nie eines Menschen Fuß betreten hat und die nach Gottes Ratschluss nie ein solcher betreten wird, ist nicht wirklich. Denn Wirklichkeit kann es
nur dort geben, wo wenigstens eines einzigen Menschen Bewusstsein eben diesen Begriff gebildet hat. Tiere und Engel kennen weder Wirklichkeit noch Unwirklichkeit, da jene keine Begriffe haben und diese ihrem rein geistigen Wesen nach mit den vollkommenen
Begriffen eins sind.“

(Gongora)

*

Dort, wo die Schleier sanken ganz, / Dein Lied im Je verhaucht, / Kehr ein in jenen großen Glanz, / Der keine Worte braucht.“

(Schilling)

*

Si tacuisses, philosophus mansisses.“

(Boethius)

*

Der Schweigende ist ohne Tod. / Das erste Wort gebar die Not. / Der grüne Hang, der grüne Wind, / Sind immer Schweigende und blind.“

(Wolf von Aichelburg)

*

Schlaf, wie der Wind schläft, / Der sich gelegt, / Schlaf, wie das Kind schläft, / Das du gehegt.“

(Schilling)

*

Laßt schlafen mir den Alten, / Er hat in mancher Nacht / Für uns sich wach gehalten, / Der hat genug gewacht.“

(Friedrich der Große laut Fontane über Zieten)

*

Ich habe auch manche Nacht für die andern gewacht.“

(George zum Vorschlag, sein Leibarzt Walter Kempner solle sich etwas Ruhe gönnen)

*

Es sandte mir das Schicksal tiefen Schlaf. / Ich bin nicht tot, ich tauschte nur die Räume. / Ich leb in euch, ich geh in eure Träume, / Da uns, die wir vereint, Verwandlung traf.“

(Michelangelo)

*

›Die Feinde, die bedrohen dich, / Das mehrt von Tag zu Tage sich; / Wie dir doch gar nicht graut!‹ / ›Das seh ich alles unbewegt, / Sie zerren an der Schlangenhaut, / Die jüngst ich abgelegt.‹“

(Goethe)

*

Schon der erste Anblick vermittelt einem den Eindruck, in einer Kleintierpraxis am Tresen zu stehen.“

(Friedrich Hechelmann über die Entwürfe zum Umbau von Schloss Isny)

*

Lieber in einer Kate in Sichtweite eines Schlosses wohnen als im Sozialbau in Sichtweite weiterer Sozialbauten.“

(Klonovsky)

*

In bescheidenen Verhältnissen ist es leicht, Gleichheit walten zu lassen.“

(Tacitus)

*

Im Sturz aller fühlen sich alle geborgen. Denn ‚alle‘, das ist ein Nest und ein Netz.“

(Botho Strauß)

*

Der Sozialist zieht die Unfreiheit aller der Freiheit einiger weniger vor.“

(Klonovsky)

*

„‚Wiederfinden‘ ist die Ausbreitung eines Glutkerns in Erleuchtung, ‚Weltseele‘ die Verdichtung eines Lichtmeers zum Brennpunkt.“

(Gundolf über Goethes Alterslyrik)

*

Und dem Sterne gleich, der erlischt, ist jedes Werk eurer Tugend: immer ist sein Licht noch unterwegs und wandert – und wann wird es nicht mehr unterwegs sein?“

(Nietzsche)

*

Und wenn der Wind die Sterne vom Himmel vertreibt, / Sieht man ihr Licht noch lang durch die Dunkelheit ziehen.“

(Mireille Mathieu)

*

Heraklit ist auferstanden aus den Schriften anderer, darin seine Sätze wie Diamanten aufblitzen.“

(Schilling)

*

Denn wie das Licht von manchem Sterne lange / Im Weltraum geht, bis es uns endlich trifft, / Erscheint erst lang nach unserm Untergange / Vor unserm Stern seine entstellte Schrift.“

(Rilke)

*

Vor uns das sinkende Licht / Lastender Fernen. / Wenn sich die Himmel entsternen, / Bleibt doch das Weltgedicht.“

(Hermann Kasack)

*

Was wir Natur nennen, ist ein Gedicht, das in wunderbarer Schrift verschlossen liegt, durch die Sinnenwelt blickt nur wie durch Worte der Sinn.“

(Schelling)

*

Was ist die Welt? Ein ewiges Gedicht, / Daraus der Geist der Gottheit strahlt und glüht, / Daraus der Wein der Weisheit schäumt und sprüht,
Daraus der Laut der Liebe zu uns spricht.“

(Hofmannsthal)

*

Denn hinter den hellen Stimmungen, in denen er der Gesellschaft gegenübertrat, verbarg sich ein Melancholiker, der sich für seine oftmals niedergedrückten Zustände durch das Licht schadlos hielt, hinter das er alle Welt führte.“

(Joachim Fest über Johannes Groß)

*

„Eine Maske verrät mehr als ein Gesicht.“

(Oscar Wilde)

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Wer Strophen liebt, der muß auch Katastrophen lieben. Wer für Statuen ist, muss auch für Trümmer sein.“

(Benn)

*

Aus der Zeitflut weggerissen, schweben / Sie gerettet auf des Pindus Höhn, / Was unsterblich im Gesang soll leben, / Muß im Leben untergehn.“

(Schiller)

*

Sprich, und die Wunden verschorfen, / Sing, und die Schatten ziehn fort: / Welt, noch im Sturz unterworfen / Deinem bannenden Wort.“

(Schilling)

*

Ach! der Schmerz ist stumm geboren, / Ohne Zunge in dem Munde; / Hat nur Tränen, hat nur Blut, / Blut aus tiefer Todeswunde.“

(Heine)

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Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt, / Gab mir ein Gott zu sagen was ich leide.“

(Goethe)

*

Einer der wenigen Besucher, die das Mittelwerk noch unter Kriegsbedingungen besuchen durften, erklärte später, er habe Dantes Inferno zu Gesicht bekommen – ohne den Trost natürlich, den die poetische Gestaltung auch noch den größten Scheußlichkeiten abgewinnen kann.“

(Konrad Adam)

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Ich glaube gar, ihr könntet alles sagen, / Den größten Schrecken noch in Worte bannen. / Wer alles sagt, der kann kein Mensch mehr sein.“

(Schilling)

*

Auch im Schlachtenrondell von Angerers ‚Welttheater‘, das seiner Frau Margit zugeeignet ist und Altdorfers ‚Alexanderschlacht‘ nachempfunden, wird das Gemetzel dem unbeteiligten Betrachter aus sicherer Entfernung gezeigt. Der verklärende Blick auf menschliches Leid, leichthin als Kaltschnäuzigkeit ausgelegt, wäre insofern eher ein Selbst- und Fremdschutz zu nennen, als der Schrecken durch seine ästhetische Umdeutung auf lange Sicht ins Hintertreffen gerät.“

(Meynrath)

*

Dennoch ist hier und an ähnlichen Stellen des Werkes keineswegs die Lust am Leid anderer Menschen das poetische Motiv; sondern vielmehr eine ästhetische Selbstherrlichkeit, die einfach jenseits der Frage nach Lust und Leid steht, wie man bei dem Pflücken einer Blume sich nicht kümmert, daß man damit fruchtbares organisches Leben zerstört. Denn auch sich selbst gegenüber fragt Algabal nicht nach Leiden; auch sich selbst bereitet er sie, wenn der harmonische Bau und der innere Idealismus seiner Lebensgestaltung es so mit sich bringt.“

(Georg Simmel über Stefan George)

*

Diese nämliche Beschaffenheit der Begriffe ist auch der Grund, weshalb in der Kunst nichts Gutes durch sie geleistet wird. Will der Sänger, oder Virtuose, seinen Vortrag durch Reflexion leiten, so bleibt er tot. Selbiges gilt vom Komponisten, vom Maler, ja vom Dichter.“

(Schopenhauer)

*

In solchen Augenblicken kommt mir auch zu Bewusstsein, dass die Leere der Rossini, Bellini, Donizetti und wer sonst immer dazu gehört, stets etwas von der schönen Leere noch unerwachter Kinderaugen hat.“

(Joachim Fest)

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Spottet nimmer des Kinds, wenn noch das alberne / Auf dem Rosse von Holz herrlich und viel sich dünkt, / O ihr Guten! auch wir sind / Tatenarm und gedankenvoll!

(Hölderlin)

*

Der angebornen Farbe der Entschließung / Wird des Gedankens Blässe angekränkelt.“

(Shakespeare)

*

Eine Lebensform, die sich selber bespricht und untersucht, löst eben damit als Form sich auf, und wahre Existenz hat nur das direkt und unbewußt Seiende.“

(Konrad Deutschlin)

*

Allzu viel Bewusstheit tötet den echten Willen, den instinktiven Drang zur Tat und lässt nur das bloße Wollen zurück.“

(Spengler)

*

Nun ist mir wie dem Tausendfüßler zumute, den man fragt, wie er die Beine bewegt und der es dann bald nicht mehr kann.“

(Joachim Kaiser zur Frage, wie er musikalische Eindrücke verbalisiere)

*

In der Theologie begeht der Glaube Selbstmord.“

(Karl Rahner)

*

Erst eine Gesellschaft, welche den Stolz und die Würde des Einzelnen täglich verletzt, hatte es nötig, als ihr oberstes Gebot zu formulieren: ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar.'“

(Schilling)

*

„‚Die Würde des Menschen ist unantastbar.‘ Aber mit dieser ebenso offensichtlichen wie drastischen Falschaussage ist sie schon angetastet: Sie beleidigt die menschliche Intelligenz und greift damit seine Würde als vernünftiges Lebewesen an. Denn mit dem Satz ist nicht nur das Gegenteil eingestanden – daß sie durchaus ‚antastbar‘ ist, sondern mehr noch, daß sie in der Tat auch beständig angetastet wird. Denn sonst stünde der Satz nicht da.“

(Rudolf Brandner)

*

Wir wußten es längst: Wo soviel von Rasse gesprochen und das Rassenprinzip proklamiert wird, da ist in der Substanz nicht mehr viel Rasse vorhanden. Man spricht  am meisten von dem, was einem fehlt. Und nur in diesem Sinne sprechen wir heute von Mensch und Menschlichkeit. Von Frieden, Freiheit und Humanität.“

(Carl Schmitt)

*

Das Äußere der Natur wird stärker; die Schale vedichtet sich. Das bringt es mit sich, dass wir viel von ‚Natur‘ sprechen. Die Eingeborenen haben kein Wort dafür.“

(Jünger)

*

Eine vollkommene Welt drückt sich nicht in der Sprache aus, sondern in öffentlichen Bildern. Sprache handelt immer von Abwesendem.“

(Schilling)

*

Historisch ist der Heimatbegriff immer dort entstanden, wo Heimat verschwunden ist. Wo Heimat selbstverständlich ist, muss sie nicht zur Sprache kommen.“

(Armin Nassehi)

*

Das Zeichen löscht das Bezeichnete aus.“

(Schilling)

*

Kunstkritik ist das Geschrei darüber, dass man im Kuchen das Mehl und die Eier nicht mehr findet.“

(Albert Wendt)

*

Ein Feuilleton schreiben heißt auf einer Glatze Locken drehen.“

(Karl Kraus)

*

Kräftig sproß im jungen Garten / Akelei und Ros‘ und Quendel, / Blasse Salbei, Dill und Eppich, / Eberraute und Lavendel.“

(Friedrich Wilhelm Weber)

*

Und übers jahr als sie im dunkel / Einst attich suchte und ranunkel / Da sah man wie sie sank im torf.“

(George)

*

Stolz prangt mein Lied als Marmorgruppe, / Und täuscht von fern den Blick, als lebs.“

(August Wilhelm Schlegel spöttisch über Matthisson)

*

Denn Amor bricht Schwüre, die Marmor stets hält.“

(Lisa Eckhart)

*

Er las immer ‚Agamemnon‘ statt ‚angenommen‘, so sehr hatte er den Homer gelesen.“

(Lichtenberg)

*

Schiller war ebendiese Christus-Tendenz eingeboren: Er berührte nichts Gemeines ohne es zu veredeln.“

(Goethe 1830 an Zelter)

*

Jeder Dichter, der den Namen verdient, ist König Midas – im besten wie im schlimmsten Sinne.“

(Schilling)

*

Plato gegen Homer: das ist der ganze, der echte Antagonismus – dort der »Jenseitige« besten Willens, der große Verleumder des Lebens, hier dessen unfreiwilliger Vergöttlicher, die goldene Natur.“

(Nietzsche)

*

Bei Ariost verzehrt der Traum die Wirklichkeit, während bei Homer sich die Wirklichkeit zur Stärke des Traums verdichtet.“

(Schilling)

*

Treib aus der Geschichte / Hinab in den Traum, / Für große Gesichte / Ist immer noch Raum.“

(Schilling)

*

„Je ferner die Gesichte, / Je heller dir verklärt, / Was taugte die Geschichte, / Wenn sie den Traum nicht nährt?“

(Schilling)

*

Für uns, Ästheten und Artisten aus der Schule Burckhardts, Nietzsches und Pounds, fällt Italiens Blüte in die Zeit der Früh-Renaissance. Man könnte einwenden, damit verließen wir den Standpunkt des Historikers, aber wozu soll die Geschichte dienen, wenn nicht als Nahrung für den Traum?“

(Schilling)

*

„Das Beste, was wir von der Geschichte haben, ist der Enthusiasmus, den sie erregt.“

(Goethe)

*

Es ist für unseren Genuss gewissermaßen einerlei, ob die Personen, in deren Schicksal wir dem unsrigen nachspüren, wirklich einmal lebten oder nicht. Wir verlangen nach der Anschauung der großen einfachen Seele der Zeiterscheinungen, und finden wir diesen Wunsch gewährt, so kümmern wir uns nicht um die zufällige Existenz der äußeren Figuren.“

(Novalis)

*

For there’s no yes in yesterday.“

(Phyllis Molinary)

*

Es ist der Mühe nicht wert, sich mit einer Theorie zu beschäftigen, die täglich durch die Abendnachrichten widerlegt wird.“

(Maschke)

*

Hätte Karthago den dritten punischen Krieg überlebt, wäre die ‚Theorie des kommunikativen Handelns‘ vermutlich schon damals entstanden.“

(Klonovsky)

*

All talk, no action.“

(Trump)

*

Die Diskussion ist die Visitenkarte, mit der der Tod reist, wenn er unerkannt bleiben will.“

(Donoso Cortés)

*

Wenn die Unfähigkeit einen Decknamen braucht, nennt sie sich Pech.“

(Talleyrand)

*

Wer gar zuviel bedenkt, wird wenig leisten.“

(Schiller)

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Wer allzuviel umarmt, der hält nichts fest.“

(Hofmannsthal)

*

Diese Begierde, die Pyramide meines Daseins, deren Basis mir angegeben und gegründet ist, so hoch als möglich in die Luft zu spitzen, überwiegt alles andre und läßt kaum augenblickliches Vergessen zu. Ich darf mich nicht säumen, ich bin schon weit in Jahren vor, und vielleicht bricht mich das Schicksal in der Mitte, und der Babylonische Turm bleibt stumpf unvollendet.“

(Goethe 1780)

*

Ehrgeiz galt bei uns zuhause als minderwertig.“

(Hannah Arendt)

*

Bisweilen kehrt sich mir vor Ehrgeiz der Magen um.“

(Thomas Mann)

*

Ich weine auch über die Seehunde im Zoo, weil sie nicht verrückt nach mir sein wollen.“

(Cocteau)

*

Was? Ihr mißbilliget den kräft’gen Sturm / Des Übermuts, verlogne Pfaffen! / Hätt Allah mich bestimmt zum Wurm, / So hätt er mich als Wurm geschaffen.“

(Goethe)

*

Es ist nicht so, dass ich mich gut finde, aber es könnte schlimmer sein.“

(Karl Lagerfeld)

*

„Die Crème de la Crème von München war da – von Sawallisch bis zu mir.“

(Joachim Kaiser zu Fritz J. Raddatz)

*

Fritz, es gibt nur eins.“

(Kaiser auf Raddatz‘ Bemerkung, er habe kürzlich ein Violinkonzert von Beethoven gehört)

*

Hugo, hélas.“

(André Gide auf die Frage nach dem größten Dichter Frankreichs)

*

Leder – leider.“

(Schilling auf die Frage nach dem größten Dichter der DDR)

*

„Vielmehr ist das Auszeichnende der echten Aura: das Ornament, eine ornamentale Umzirkung, in der das Ding oder Wesen fest wie in einem Futteral eingesenkt liegt.“

(Walter Benjamin)

*

„Blödsinn. Es gibt keine Aura. Benjamin lag falsch.“

(Wolfgang Beltracchi)

*

Den Teufel spürt das Völkchen nie, / Und wenn er sie beim Kragen hätte.“

(Mephisto)

*

Ihr bangt der Obern pracht nie mehr zu nennen / Wenn nicht auf schwerer stirn ihr blitz euch zückt.“

(George)

*

Es ist nicht leicht, unter einem solchen Kanzler Kaiser zu sein.“

(Wilhelm I. über Bismarck)

*

Es ist mir egal, wer unter mir Präsident ist.“

(J. Edgar Hoover)

*

Es ist mir egal, wer unter mir Bundeskanzler ist.“

(Franz Josef Strauß)

*

Es ist mir egal, wer unter mir Feuilletonchef ist.“

(Joachim Kaiser)

*

Will unsre Zeit mich bestreiten, / Ich lasse es ruhig geschehn, / Ich komme aus anderen Zeiten / Und hoffe in andre zu gehen.“

(Grillparzer)

*

„‚Heut komm ich, weil mir’s heute frommt‘ – / Denkt jeder, der für immer kommt. / Was ficht ihn an der Welt Gered: / ‚Du kommst zu früh! Du kommst zu spät!’“

(Nietzsche)

*

Man kann seiner eigenen Zeit nicht böse sein, ohne selbst Schaden zu nehmen.“

(Musil)

*

Jeder vernünftige Mensch sollte sich in seiner Zeit verwurzelt fühlen. Ich glaube nicht, dass es gut ist, wenn ein Mensch den Wunsch verspürt, in einer anderen Zeit zu leben. Wir leben in einer Zeit fantastischer Veränderungen, in der es sehr viel zu sehen gibt. Ich bejahe das große titanische Wesen in seiner Gesamtheit, in seiner unbeweglichen Erscheinung. Ich folge stets dem Willen der Erde.“

(Jünger)

*

Dieser Schriftsteller gehört zu den Erscheinungen, die wegen ihrer Isoliertheit in einer gerade für unrühmlich geltenden Zeit im Gegensatz zu dieser zu stehen scheinen und so für sich als Sympathie genießen, was eigentlich nur dieser Zeit als Antipathie zugedacht war – bis sich herausstellt, dass sie ihrem Wesen nach zu ihr gehört haben.“

(Brecht über George)

*

Der Elfenbeinturm steht in schlechtem Ruf bei den Bewohnern intellektueller Kaschemmen.“

(Gómez Dávila)

*

Denn auch ein schlechter Ruf verpflichtet.“

(Zarah Leander)

*

„Die angenehmsten Menschen sind Männer mit Zukunft und Frauen mit Vergangenheit.“

(Oscar Wilde)

*

Die überflüssige Gebärmutter hat sich aus den Klöstern in die Universitäten und Institute emanzipiert.“

(Klonovsky)

*

Der Ruhm hat sich von der Leistung emanzipiert.“

(Norbert Bolz)

*

Gut, dass man in Rom so viele Nägel vom heiligen Kreuz hat, dass man damit jedes Pferd in Sachsen beschlagen könnte.“

(Joseph Fiennes als Luther)

*

„Konrad Adenauer wunderte sich lakonisch, dass am Putschversuch vom 20. Juli 1944 offenbar mehr Leute beteiligt gewesen seien als Deutschland Einwohner habe.“

(Armin Fuhrer)

*

Heute locht er uns die Fahrkarte und morgen den Hinterkopf.“

(Jünger über die Banalität des Bösen)

*

Ich hab noch einen Koffer in Berlin, / Deswegen muss ich nächstens wieder hin.“

(Marlene Dietrich)

*

Ich hab noch einen Kāfir in Berlin, / Den zünd‘ ich an mit Feuer und Benzin.“

(Alexander zu Schaumburg-Lippe)

*

Kommt Zeit, kommt Rat.“

(Volksmund)

*

Kommt Zeit, vergeht Unrat.“

(Hermann Kant über Reiner Kunze)

*

Kommt Zeit, kommt Tod.“

(Heiner Müller)

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Was aber die Kunst betrifft, so wird es zunächst vielleicht noch nicht möglich sein, vielleicht noch lange nicht, etwas in die leere Mitte zu setzen. Dann aber muss wenigstens das Bewusstsein davon lebendig bleiben, dass in der verlorenen Mitte der leergelassene Thron für den vollkommenen Menschen, den Gottmenschen steht.“

(Sedlmayr)

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Ach, als sich alle einer Mitte neigten / Und auch die Denker nur den Gott gedacht, / Sie sich den Hirten und dem Lamm verzweigten, / Wenn aus dem Kelch das Blut sie rein gemacht, / Und alle rannen aus der einen Wunde, / Brachen das Brot, das jeglicher genoß − / O ferne zwingende erfüllte Stunde, / Die einst auch das verlorne Ich umschloß.“

(Benn)

*

Alles, was zur Gemeinschaftswelt hin will, verachtet die schlechte Unendlichkeit des immer und ins Endlose Fortschreitens. Das Symbol des Gemeinschaftsmenschen ist der Kreis, die Vollendung Fülle und Ruhe im Sein, im Werk. Er weiß sich der Antike, dem Mittelalter verbunden. Was dem Kreis dient, verachtet die Linie, das ewig sich aus sich Fortspinnende, das Gegenwartlose, die Rastlosigkeit.“

(Helmuth Plessner)

*

Unwillkürlich rückten die einzelnen Gruppen auf den Bänken zusammen und ballten sich allmählich zu einem einzigen dunklen Block des Hörens und Staunens, denn jedem war, als sei die Wucht dieser niemals gehörten Musik für ihn, den Einzelnen, zuviel, als müsse sie ihn wegschwemmen und wegreißen.“

(Stefan Zweig über Händel)

*

So sinken wir als gläubige zu boden / Verschmolzen mit der tausendköpfigen menge / Die schön wird wenn das wunder sie ergreift.“

(George)

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Auch das gehört zum etwas totalitären Kunstkonzept von Richard Wagner: Er presst sie alle im Bayreuther Festspielhaus zu einer Masse zusammen – dort ist kein Mittelgang zum Luftholen.“

(Nike Wagner)

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Der Lichtdom baut sich bläulich zu den Sternen / Und seine Pfeiler stehn rings um das Reich. / In ihren Grenzen gibt es keine Fernen, / Die Kuppel überwölbt uns alle gleich.“

(Ina Seidel)

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Das deutsche Volk will nun auch von den letzten kümmerlichen Überbleibseln einer reaktionären Rückständigkeit befreit werden: von jenen zweifelhaften Gestalten, die noch in Vorstellungen des 17. Jahrhunderts leben; die dem Führer nie verzeihen, dass er auch dem Sohn des Volkes den Weg zur Offizierslaufbahn eröffnet hat.“

(Goebbels nach dem 20. Juli 1944)

*

‚Macht kaputt, was euch kaputt macht‘, sang Rio Reiser 1969 – eine Generation nach der Bücherverbrennung, eingeläutet durch Bertram-Verse wie ‚Verwerft, was euch verwirrt‘ oder ‚Verfemt, was euch verführt‘. Unter allen Linken waren die Nazis eben doch die mit dem anständigsten Deutsch.“

(Meynrath)

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Im Ursprung des georgeschen Ideenkosmos war der Synkretismus, und synkretistisch war alles, was fortan sich ereignet hat, sowohl zu Lebzeiten Georges wie danach. Aber die Mischungen ändern sich, und der Zusammenhalt des immer schon Heterogenen nimmt rasch ab, wenn das Zentralgestirn erloschen ist.“

(Ulrich Raulff)

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Die Ordnung der Glieder des Alls zueinander besteht kraft der Ordnung des ganzen Alls auf Gott hin.“

(Thomas von Aquin)

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Wenn ein Gewölbe sich dem Schlussstein anvertraut, / Dann ist’s mit Sicherheit für ewige Zeit erbaut.“

(Goethe)

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Nun schmiede mich, den letzten Stein, / An einen deiner tausend Ringe, / Du Gott – Und ich will guter Dinge / Und friedvoll sein.“

(Pfitzner)

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Doch diesem gigantischen Bau fehlte es vor allem an der Grundlage, seine Materialien waren aus den Trümmern anderer Gebäude zusammengesetzt, die einen morsch, die anderen von Anfang an unbeständig. Als der Schlußstein entfernt wurde, brach das Ganze in sich zusammen.“

(Metternich über Napoleon)

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If faith disappears all the other things are discomposed.“

(Ratzinger)

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The thousand dreams I dreamed, / The splendid things I planned, / I always built to last / On weak and shifting sand.“

(Aznavour)

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Deus vult!“

(Menschenmenge zur Kreuzzugs-Predigt Urbans II.)

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Es hebt sich leicht was eben dumpf und bleiern, / Es blinkt geläutert was dem staub gezollt, / Ein bräutliches beginnliches entschleiern, / Nun spricht der Ewige: ich will! ihr sollt!“

(George)

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Die Sachsen sind es satt, als Verfügungsmasse für Läuterungsideen herzuhalten.“

(Böckelmann)

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Welch abscheulicher Hochmut einer Lenkungskaste!“

(Gottfried Curio)

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Aber 1923 lehnte George ein von Gundolf erbetenes Wiedersehen ab und 1926 ging er in Heidelberg – wo er einst jede Kollegstunde Gundolfs mitgehört hatte – grusslos an ihm vorbei.“

(Michael Landmann)

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Umfasse mich! Bei deines herzens schlag, / Des wachsten wärmsten, fürcht ich nicht den Bösen / Der mir vorübergeht im finstern tag. / Nichts kann von dir mich lösen.“

(Gundolf 1926 an Elisabeth Salomon)

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Geh‘ vorbei, wenn wir uns einmal wiedersehn / Geh‘ vorbei, als wär’s dir einerlei / Geh‘ vorbei und tu als wäre nichts geschehn / Bleib‘ nicht stehn, ich bitt‘ dich: geh‘ vorbei.“

(Udo Jürgens)

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Denn dass wir uns liebten, / das ist schon so lange her; / Und eine solche Liebe / kennt keine Wiederkehr.“

(Zarah Leander)

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Lockruf der Liebe, wer / Dich hörte je, / Will auch die Wiederkehr / Von allem Weh.“

(Schilling)

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Kein Wort, und wär‘ es scharf wie Stahles Klinge, / Soll trennen, was in tausend Fäden eins, / So mächtig kein Gedanke, daß er dringe / Vergällend in den Becher reinen Weins.“

(Droste-Hülshoff an Levin Schücking)

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Ich halte Dich und bin von Dir umschlossen, / Erschöpfte Wandrer wiederum zu Haus; / So fühl ich Dich in Fleisch und Blut gegossen, / Von Deinem Leib und Leben meins umkleidet. / Die Seele ruht von langer Sehnsucht aus, / Die eins vom andern nicht mehr unterscheidet.“

(Ricarda Huch)

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Ist es ein lebendig Wesen, / Das sich in sich selbst getrennt? / Sind es zwei, die sich erlesen, / Dass man sie als eines kennt?“

(Goethe)

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So they lov’d, as love in twain / Had the essence but in one; / Two distincts, division none: / Number there in love was slain.“

(Shakespeare)

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Das war ein stürzen ohne zäume / Ein rasen das kein arm beengt – / Ein öffnen neuer duftiger räume / Ein rausch der alle sinne mengt.“

(George)

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I’m like an actor who is waiting in the wings / Rehearsing lines a thousand time.“

(Andy Williams)

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Wer viel einst zu verkünden hat, / Schweigt viel in sich hinein. / Wer einst den Blitz zu zünden hat, / Muß lange Wolke sein.“

(Nietzsche)

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Das hat sie nicht zusammengebettelt, / Sie hat’s von Ewigkeit angezettelt, / Damit der ewige Meistermann / Getrost den Einschlag werfen kann.“

(Goethe)

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Wächter-Schar mit jähen Streichen / Bannte dich im Ungesagten, / Dir zu Häupten standen Zeichen, / Die wir nicht zu deuten wagten.“

(Schilling)

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In den Bauwundern der Ägypter, hinter den Stirnen ihrer Steinriesen leben gewaltige Gedanken: aber wer wagt es, sie zu lesen? Dies und nichts anderes ist die ägyptische Sphinx. Sie waren kein größeres und kein geringeres Rätsel, als es alle Kreatur ist; aber daß sie nicht sprachen, ist das Unbegreifliche. Ihr Schicksal war, ein großes Rebus zu bleiben: sich und der Nachwelt.“

(Friedell)

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Ein ewiges Räthsel will ich bleiben mir und anderen.“

(Ludwig II.)

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Aenigma sui temporis / Ignota nativitas / Occulta mors.“

(Epitaph Kaspar Hausers)

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Der Ursprung des Geschlechts liegt im Dunkel.“

(Wikipedia über die Schenken von Vargula)

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Russland ist ein Rätsel innerhalb eines Geheimnisses, umgeben von einem Mysterium.“

(Churchill)

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Diamonds are forever.“

(Shirley Bassey)

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Dein Hertze kann allein zu aller Zeit bestehen / Dieweil es die Natur aus Diamant gemacht.“

(Hoffmann von Hoffmannswaldau)

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Da du nicht länger säumen magst so heb / Die hülle – sie wird jezt dir nicht mehr frommen · / Nun sieh was du die jahre hin genommen / Für demant-tüpfel schimmernd durchs geweb!“

(George)

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„Die Poesie heilt die Wunden, die der Verstand schlägt.“

(Novalis)

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Wenn nun die Kunst, wie es jetzt vielfach geschieht, weiter nichts tut, als das Elend noch scheußlicher hinzustellen, wie es schon ist, dann versündigt sie sich damit am deutschen Volke.“

(Wilhelm II.)

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Kunstgenuss ist einer Nation durchaus unentbehrlich, wenn sie noch irgend für etwas Höheres empfänglich bleiben soll.“

(Wilhelm von Humboldt)

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Breker zog sich nicht ins Unverbindliche zurück, in eine Nische, die noch nicht besetzt war. Er weigerte sich auch, auf die Zerstörung der Welt mit der Zerstörung der Form zu antworten.“

(Schilling)

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Die Kunst kann sich heute nicht mehr darauf beschränken, die Wirklichkeit in ihrer Zerstörung abzubilden und sie hierdurch weiter zu zerstören, noch darauf, etwas Neues nur des Neuen wegen zu erfinden. Wenn der innere Pol verschwunden, das Dasein aus dem Gleichgewicht geraten ist, strebt sie zwangsläufig nach Wiederentdeckung und Wiederherstellung.“

(Fritz Hörauf)

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Hier aus dem reinen Äther seiner dämonischen Natur rinnt die Quelle der Schönheit herab, unangesteckt von der Verderbnis der Geschlechter und Zeiten, welche tief unter ihr in trüben Strudeln sich wälzen.“

(Schiller)

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Wir nahmen damals die Leute in die Arme, allen Schmutz zu vergessen, und sangen sie gesund. Heute ist der Dreck auf der Bühne.“

(Edda Moser)

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Es ziemt nicht in irdischer klage zu wanken / Uns die das los für den purpur gebar.“

(George)

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Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht recht, daß man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde.“

(Matthäus 15:26)

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„Wenn aber jemand die Seinen, besonders seine Hausgenossen, nicht versorgt, hat er den Glauben verleugnet und ist schlimmer als ein Ungläubiger.“

(1. Timotheus 5:8)

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Fernstenliebe ist gemeinhin eine direkte Folge des Mangels an Nächsten.“

(Klonovsky)

*

Ein Philosoph ist ein Mann, der in Ermangelung einer Frau die ganze Welt umarmt.“

(Peter Ustinov)

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Ich gab diesen Kuß / Der ganzen Welt, ohne doch / Einen Mund zu finden.“

(Usinger)

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Wo sich im Schatten des Schwertes / Einmal noch Schicksal erfüllt, / Lächelst du still dein verjährtes / Lächeln, das niemandem gilt.“

(Schilling)

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Unter dem Schatten der Schwerter ist das Paradies.“

(Mohammed)

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Wo aber Gefahr ist, wächst / Das Rettende auch.“

(Hölderlin)

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Nur der wird sich recken / Als Stier im Zenit, / Der über dem Schrecken / Die Seligkeit sieht.“

(Schilling)

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Viel sind und schön des stillen Mannes Freuden, / Und stürmen auch auf ihn der Leiden viel, / Er blickt gen Himmel unter seinen Leiden, / Beneidet nie des Lachers Possenspiel.“

(Hölderlin)

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Glattes Eis, / Ein Paradeis / Für Den, der gut zu tanzen weiß.“

(Nietzsche)

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Unter dem Damoklesschwert / Hast du den Faden gesponnen, / Hast du dein Wunschheim gewonnen, / Das keine Klinge versehrt.“

(Schilling)

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Dass dies geheime Deutschland nicht verdorrt ist, dass es vernehmlicher denn seit langem aus seiner Berg- und Höhlenentrückung herauf will ans Licht, das gibt uns die tiefe Zuversicht für eine Zukunft, die gewiss ernst, schwer und düster, gewiss voll der unerhörtesten Erschütterungen sein wird, in der aber auch zum letzten Male vielleicht die Tiefen sich offenbaren wollen.“

(Wolfskehl)

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„Denn wo Gespenster Platz genommen, ist auch der Philosoph willkommen.“

(Mephisto)

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Wo keine Götter sind, walten Gespenster.“

(Novalis)

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In den verfallenden Altären nisten sich Dämonen ein.“

(Jünger)

*

Glaube, dem die Tür versagt, / steigt als Aberglaub‘ ins Fenster. / Wenn die Götter ihr verjagt, / Kommen die Gespenster.“

(Geibel)

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Der Aberglaube gehört zum Wesen des Menschen und flüchtet sich, wenn man ihn ganz und gar zu verdrängen denkt, in die wunderlichsten Ecken und Winkel, von wo er auf einmal, wenn er einigermaßen sicher zu sein glaubt, wieder hervortritt.“

(Goethe)

*

„Wer nicht an Mythen glaubt, glaubt an Lügen.“

(Gómez Dávila)

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Ich kann das begrabene Ur der Chaldäer / Vielleicht entdecken noch irgendwo, / Den Götzen Dagon, das Zelt der Hebräer, / Die Posaune von Jericho.“

(Gertrud Kolmar)

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Ward Kisch und Ur / Zu Asche ganz? / Blieb keine Spur / Von Susas Glanz? / Im Nebelhafen / Ruht Odins Sohn, / Die Löwen schlafen / In Babylon.“

(Schilling)

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Doch deine Hallen sind verstummt, o Göttin! / Gefloh‘n ist der Götter Kreis in den Olymp / Zurück von den entheiligten Altären, / Gefloh‘n von der entweihten Menschheit Grab.“

(Hegel)

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Er entweihe nicht die heilgen Reste / Die der Väter stolzer Fuß betrat, / Oder walle zitternd zu der Veste, / Abzuschwören dort der Schande Pfad.“

(Hölderlin über die Burg Tübingen)

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Kaum kenn ich diese trümmer · an den resten / Der kaiserlichen mauern leckt der nebel · / Entweiht in särgen liegen heilige bilder · / Daneben hingewühlt barbarenhöhlen / Nur aufrecht steht noch mein geliebtes tor!“

(George über die Porta Nigra)

*

Das ist die dürftige Zeit, weil sie in einem gedoppelten Mangel und Nicht steht: im Nichtmehr der entflohenen Götter und im Nochnicht des Kommenden.“

(Heidegger)

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Man kommt niemals zu spät. Man kommt höchstens zu früh.“

(Schilling)

*

Lassen wir die Götter sich erst einmal zeigen, was ich keinesfalls für unmöglich halte: Je mehr die Geschichte schrumpft, desto mehr Freiraum läßt sie den außergeschichtlichen Ereignissen.“

(Jünger)

*

Die Abwesenheit der Götter gleicht einem Sog, der sie wieder anzieht. Es ist in der Tat so: Restbestände zyklischen Erdendaseins zu hegen, ist schäbig und traurig. Museal. Aber das völlig Ausgesperrte drängt apokalyptisch zurück.“

(Böckelmann)

*

Einst mag geschehn dass aus noch kargern resten / Vom schutt behütet – aus geborstner wand / Verwittertem gestein zerfressnem erz / Vergilbter schrift ein leben sich entzünde! / Die art wie ihr bewahrt ist ganz verfall.“

(George)

*

Doch im Erstarren such ich nicht mein Heil, / Das Schaudern ist der Menschheit bestes Teil; / Wie auch die Welt ihm das Gefühl verteure, / Ergriffen fühlt er tief das Ungeheure.“

(Goethe)

*

Wie ist das klein, womit wir ringen; / Was mit uns ringt, wie ist das groß.“

(Rilke)

Die ultimative Geschichte Europas wird wohl ein Asiate schreiben.“

(Klonovsky)

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Um die Geschichte seines Landes zu schreiben, muss man außer Landes sein.“

(Voltaire)

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„Der beste Durchschauer des Hoflebens ist der Fürst in der Verbannung.“

(Ernst Bertram)

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„Innerhalb einer Epoche gibt es keinen Standpunkt, eine Epoche zu betrachten.“

(Goethe)

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Die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug.“

(Hegel)

*

„Der Ruhm hat keine weißen Flügel.“

(Balzac)

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Durch jede Stunde, durch jedes Wort / Blutet die Wunde der Schöpfung fort, / Verwandelnd Erde und tropft den Seim / Ans Herz dem Werde und kehret heim. / Gab allem Flügel, was Gott erschuf, / Den Skythen die Bügel, dem Hunnen den Huf.“

(Benn)

*

Mag sich am Wein der Gauch, an Hanf der Skythe / Berauschen und am Tanz der Korybant, / Du trag den Schlaf im Haar, im Kelch die Blüte / Von Purpur, die dem Schnitter widerstand.“

(Schilling)

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Weltgläubig fromm, von Andacht übermannt, / Und ganz von deinem Gotte voll und trunken / Bist du am Ufer in die Knie gesunken, / Ein seliger, verzückter Korybant.“

(Hedwig Lachmann)

*

Er suchte nicht nur Kaiserin Elisabeth durch ein kalligraphisches Tabularium für seine abstrusen Welterlösungspläne zu gewinnen, sondern war auch entschlossen, den wahnsinnigen Friedrich Nietzsche durch korybantischen Tanz zu heilen.“

(Achim Aurnhammer über Alfred Schuler)

*

Höher ist die Seele Amenemhets als die Höhe des Orion und sie verbindet sich mit der Unterwelt.“

(Inschrift auf der Pyramide Amenemhets III.)

*

Es ist mit dem Menschen wie mit dem Baume. Je mehr er hinauf in die Höhe und Helle will, um so stärker streben seine Wurzeln erdwärts, abwärts, ins Dunkle, Tiefe, ins Böse.“

(Nietzsche)

*

Je linearer oder geometraler das Denken sich gibt, desto besessener scheint es von Krümmungen und Anamorphosen.“

(Sebastian Kirsch über Descartes und dessen Vorliebe für schielende Frauen)

*

Denn der Teufel ist lauter Geist und insofern schlechthinnige Bewusstheit.“

(Kierkegaard)

*

Nicht das Sein, sondern das Bewusstsein ist die Quelle allen Elends.“

(Hamann)

*

Die vollends aufgeklärte Erde strahlt im Zeichen triumphalen Unheils.“

(Adorno)

*

Ein wenig besser würd er leben, / Hättst du ihm nicht den Schein des Himmelslichts gegeben; / Er nennt’s Vernunft und braucht’s allein, / Nur tierischer als jedes Tier zu sein.“

(Mephisto)

*

The tree of knowledge is not the tree of life.“

(Lord Byron)

*

Den Baum des Wissens hielten viele umschlungen, den Baum des Lebens aber faßten sie nicht.“

(Cusanus)

*

„‚Wo der Baum der Erkenntnis steht, ist das Paradies.‘ So reden die ältesten und die jüngsten Schlangen.“

(Nietzsche)

*

Nicht der Baum der Erkenntnis, sondern der des Lebens verleiht die Göttermacht. Im Garten Eden sind beide noch unberührt.“

(Jünger)

*

Im rasen rastend sollst du dich betäuben / Am starken urduft, ohne denkerstörung. / So dass die fremden hauche all zerstäuben. / Das auge schauend harre der erhörung.“

(George)

*

„Im Morgenschein des Lebens / Erklangst du rein und hell! / Wer kann den Klang verwahren? / Durch Forschen und Erfahren / Verhallet‘ und versiegte / Des Liedes reiner Quell.“

(Salis-Seewis)

*

Es ist beispielsweise nicht unsinnig, zu glauben, dass das wissenschaftliche und technische Zeitalter der Anfang vom Ende der Menschheit ist; dass die Idee vom Fortschritt eine Verblendung ist, wie auch von der endlichen Erkenntnis der Wahrheit; dass die Erkenntnis nichts Wünschenswertes ist und dass die Menschheit, die nach ihr strebt, in eine Falle läuft. Es ist durchaus nicht klar, dass dies nicht so ist.“

(Wittgenstein)

*

Die letzte humane Regung wird in dem Versuch bestehen, für einen Computer möglichst schwer durchschaubar zu bleiben.“

(Klonovsky)

*

Die Moderne nennt ‚Wandel‘ das immer schnellere Marschieren auf dem immer gleichen Weg in die immer gleiche Richtung.“

(Gómez Dávila)

*

Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber es weht ein Sturm vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, daß der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm.“

(Walter Benjamin)

*

So sucht ein Engel, jäh ins Nichts verwiesen, / Noch immer nach verlornen Paradiesen.“

(Schilling)

*

Leben, das Sinn hätte, fragte nicht danach.“

(Adorno)

*

Frag nicht! Du fragst dich taub und blind. / Fern webt, was dich verwarf. / Fühl, daß die Götter etwas sind, / Das nicht befragt werden darf.“

(Weinheber)

*

Nur nicht fragen, nur nicht verstehn; / Den Himmel tragen, die weitergehn.“

(Benn)

*

Sphinx, zerfallen, / Gott, gepfählt – / Du vor allen / Bleibst erwählt / Fernstem Pfade – / Ob zum Weh? / Ob zur Gnade? / Frag nicht, geh!“

(Schilling)

*

Tom, don’t ask. Just take a leaf out of Shirley’s book: get in the studio, sing the hell out of it and leave.“

(John Barry zu Tom Jones auf dessen Frage, was zur Hölle ein ‚Thunderball‘ sei)

*

His days of asking are all gone.“

(Tom Jones sinnigerweise in ‚Thunderball‘)

*

Nie sollst du mich befragen, / Noch Wissens Sorge tragen, / Woher ich kam der Fahrt, / Noch wie mein Nam’ und Art.“

(Wagner)

*

Und wem das Glück gegeben ist, / Zu glauben wie ein Kind, / Der findet eine Antwort da, / Wo sonst nur Fragen sind.“

(Rolf Zuckowski)

*

In alle Abgründe trage ich da noch mein segnendes Ja-sagen.“

(Nietzsche)

*

Dem Deuter nah, / Der dich erdacht, / Stellst du dein Ja / In seine Nacht.“

(Schilling)

*

Wohl reicht des Menschen Wille nicht daran, / Die Bahn des Sterns, der uns bewirkt, zu wenden. / Den Adel aber kann kein Schicksal schänden. / Tritt ein, des Hauses Tor ist aufgetan.“

(Weinheber)

*

Und wird es ein Wurf in die Weite, / So frag nicht, ob über dem Speer / Der Stern sich des Gotts, der dich leite, / Zum Blitz, der dich treffe, verkehr.“

(Schilling)

*

„Mir ist das All, ich bin mir selbst verloren, / Der ich noch erst den Göttern Liebling war; / Sie prüften mich, verliehen mir Pandoren, / So reich an Gütern, reicher an Gefahr; / Sie drängten mich zum gabeseligen Munde, / Sie trennen mich, und richten mich zugrunde.“

(Goethe)

*

Wo man singet, lass dich ruhig nieder, / Ohne Furcht, was man im Lande glaubt; / Wo man singet, wird kein Mensch beraubt; / Bösewichter haben keine Lieder.“

(Seume)

*

Wer im Bösen stets das Gute sieht, der singt am End‘ das schönste Lied.“

(Rabia von Katzenstein)

*

You either die a hero or you live long enough to see yourself become the villain.“

(Harvey Dent)

*

Wie Sie wissen, zieht es den Täter immer wieder an den Tatort zurück.“

(Zarah Leander 1975 über ihr Verhältnis zu Berlin)

*

Richter, eh du den Stab gebrochen, / Hat keine Stimme in dir gesprochen: / Ist das Gute denn nicht schlecht? / Ist das Unrecht denn nicht Recht?“

(Hofmannsthal)

*

So muß ich dieses Amt zu Ende führen / Mit Furcht. Kenn ich das Gute und das Schlechte? / Ich übe zweifelnd angemaßte Rechte / Und herrsche hinter dicht verhangnen Türen.“

(Wolf von Aichelburg)

*

Wer niemals am bruder den fleck für den dolchstoss bemass / Wie leicht ist sein leben und wie dünn das gedachte. / Dem der von des schierlings betäubenden körnern nicht ass! / O wüsstet ihr wie ich euch alle ein wenig verachte!“

(George)

*

„Solange man ihn nicht ernst nimmt, kann, wer die Wahrheit spricht, eine Weile in der Demokratie leben. Danach: Der Schierling.“

(Gómez Dávila)

*

Wo des Schierlings weiße Kronen, / Giftgesalbte ohne Zucht, / Wuchernd herrschen gleich den Drohnen / Auf dem Boden fremder Frucht, / Steht die Seherin im schwanken / Irren Licht der Nebelzeit, / Festgehalten von den Ranken, / Von dem Dorn der Ewigkeit.“

(Oda Schaefer)

*

Vom Kraut, das die Unsterblichkeit verleihe, / Sprach zu den Ahnen schon ein Seher-Wort. / Allein wer weiß, in welch verborgnem Hort / Solch Schlüssel blüh und solche Saat gedeihe?“

(Schilling)

*

Gott ist Mensch geworden, damit der Mensch vergöttlicht werde.“

(Irenäus von Lyon)

*

Wer hat das knie vor menschenform gebeugt? / Er der im menschensohn das bild gezeugt.“

(Robert Boehringer)

*

Dass sie ihr werk willfährig wieder treibt: / Den leib vergottet und den gott verleibt.“

(George)

*

Da die Götter menschlicher noch waren, / Waren Menschen göttlicher.“

(Schiller)

*

Der christliche Gott ist immer wieder als der ganz Andere konzipiert worden, und das beileibe nicht nur von radikal protestantischen Theologen. Die griechische Religion weiß davon nichts. Wo alles voll ist von Göttern, werden Gott und Mensch einander ähnlich. Da müssen nicht nur Götter menschliche Züge annehmen, sondern auch – und das ist heute sicherlich der größere Skandal – die Menschen göttliche.“

(Konrad Adam)

*

Gott hat weder Anfang noch Ende, er besitzt sein ganzes Sein auf einmal – worin der Begriff der Ewigkeit beruht.“

(Thomas von Aquin)

*

Anfang und Ende sind beim Gedicht das Schwierigste, weil ja die Welt, für die es steht, weder Anfang noch Ende hat.“

(Schilling)

*

Dass du nicht enden kannst, das macht dich groß, / Und dass du nie beginnst, das ist dein Los. / Dein Lied ist drehend wie das Sterngewölbe, / Anfang und Ende immerfort dasselbe, / Und was die Mitte bringt, ist offenbar / Das, was zu Ende bleibt und anfangs war.“

(Goethe)

*

Like a circle in a spiral / Like a wheel within a wheel / Never ending or beginning / On an ever spinning reel.“

(Alan & Marilyn Bergman)

*

Nun holt dich keine Zeit mehr ein, / Was jemals werden kann, verging, / Was morgen war, wird gestern sein, / Beginn und Ende schließt der Ring.“

(Schilling)

*

Du stets noch anfang uns und end und mitte · / Auf deine bahn hienieden · Herr der Wende · / Dringt unser preis hinan zu deinem sterne.“

(George)

*

Der Seidenglänzer / Berühre dich grün, / Dir Schatten-Entgrenzer / Im Abend-Verglühn / Die Pfade zu zeigen / Zur Dunkel-Provinz, / Draus Gruftfinger steigen, / Kund Ends wie Beginns.“

(Schilling)

*

Ich bin der reiche bin der bare / Ich bin das zeichen bin der sinn / Ich bin der schatten bin der wahre / Ich bin ein end und ein beginn.“

(George)

*

Ich bin die Wange und der Streich, / Ich bin das Messer und die Wunde, / Glieder und Rad zur selben Stunde! / Opfer und Henkersknecht zugleich!“

(Baudelaire)

*

Solche Fragen zu erwidern / Fand ich wohl den rechten Sinn. / Fühlst du nicht an meinen Liedern, / Dass ich eins und doppelt bin?“

(Goethe)

*

Platonische Liebe kommt mir so vor wie ein ewiges Zielen und niemals Abdrücken.“

(Wilhelm Busch)

*

Gewiss gibt es eine Art zu existieren, die gleicht einem bedeutungsvollen Sich-Räuspern vor der großen Rede, die dann doch nie gehalten wird.“

(Botho Strauß)

*

Um ihn aber in seiner empedokleischen Nacktheit schlägt unrealisierte Dichtung ihren Mantel, sein Hauptwerk ist ein nie geschriebenes, dem alles, was er von sich gibt, nur Prolegomena sind, als solche belanglos, bedeutsam nur in der von ihm und den Seinen erahnten Relation zum Hauptwerk, jenem, das einer Umschöpfung seines Ich und damit einer Umschöpfüng der Welt gleichkommt.“

(Hofmannsthal)

*

Was er sagt, ist besser als was er schreibt.“

(Marie Herzfeld über George)

*

Ich erinnerte mich dabei eines schmeichelnden Vorwurfs, den mir einst ein Jugendfreund machte, indem er sagte: Das was du lebst ist besser als was du schreibst; und es sollte mir lieb sein, wenn es noch so wäre.“

(Goethe 1811 an Reinhard)

*

Optimismus ist Feigheit.“

(Spengler)

*

Wie verzweifelt muss ein Mensch sein, der sich in den Optimismus flüchtet!“

(Klonovsky)

*

So ist der Optimist an seine Heiterkeit gekettet wie der Galeerensträfling an sein Ruder.“

(Terry Eagleton)

*

Ich glaube, man darf sich heute glücklich schätzen, wenn man beim Aufwachen feststellt, dass die Welt noch heil ist.“

(Jünger)

*

Einer unserer größten Staatsmänner sagt, dass ein Wechsel in der Arbeit die beste Ruhe ist.“

(Sherlock Holmes)

*

Goethe ermüdete nicht, weil er im entscheidenden Moment die Tätigkeit wechselte.“

(Götz Kubitschek)

*

Ein Thema ausdiskutieren ist plebejisch. Ein Mensch mit Geschmack wechselt es rechtzeitig.“

(Klonovsky)

*

Aus dem hellen Tag verschlagen: / Sterne, fernes Doppellicht, / Zeichen, die der Zeit entragen, / Blüten, die der Wind nicht bricht.“

(Schilling)

*

Doch soll dein ewiger sommer nie ermatten – / Dein schönes sei vor dem verlust gefeit. / Nie prahle tod · du gingst in seinem schatten. / In ewigen reimen ragst du in die zeit.“

(George)

*

If we only have love, / Then Jerusalem stands / And then death has no shadow, / There are no foreign lands.“

(Johnny Mathis)

*

Though they go mad they shall be sane, / Though they sink through the sea they shall rise again; / Though lovers be lost love shall not; / And death shall have no dominion.“

(Dylan Thomas)

*

Kelche Mohns, vom Wind entführte, / Treiben fort im Lethestrom, / Doch die Hand, die sie berührte, / Trägt noch lange das Arom.“

(Schilling)

*

Die Wellen, sie verebbten, / Doch was sie brachten, prangt.“

(Schilling)

*

 „How long does it last? / Can love be measured by the hours in a day? / I have no answers now but this much I can say: / I know I’ll need her till the stars all burn away / And she’ll be there.“

(Carl Sigman)

*

Sein Aug ist Himmel-abgewandt, / Der Fang bedeckt mit Narben. / Er weiß von Reichen, die verbrannt, / Von Sternen, welche starben.“

(Schilling)

*

With this heart I will sing to you / Long after stars have lost their glow.“

(Benny Davis)

*

Nur kinder horchten seinem lied / Und sassen oft zur seit. / Sie sangens als er längst schon tot / Bis in die spätste Zeit.“

(George)

*

Mir, den als Werkzeug immer sie betrachtet, / Mir preßt Gesang sie aus mit tausend Qualen, / Lässt ihn vielleicht durch ferne Zeiten strahlen, / Ich aber werd als Opfertier geschlachtet.“

(Platen)

*

Wie die Schatten an der Mauer / Schwindet, der die Runen schreibt, / Aber die Gewähr der Dauer / Bleibt den Zeichen einverleibt.“

(Schilling)

*

Nun habe ich ein Werk vollendet, das weder Jupiters Zorn noch das Schwert, nicht das Feuer und nicht das gefräßige Alter zerstören können.“

(Ovid)

*

Ich habe mir errichtet ein Denkmal, dauernder als Erz.“

(Horaz)

*

Till the moon deserts the sky, / Till all the seas run dry, / Till then I worship you.“

(Carl Sigman)

*

Till all the seas gang dry, my dear, / And the rocks melt with the sun: / I will love thee still, my dear, / While the sands of life shall run.“

(Robert Burns)

*

Die die Runen-Weiser stellten, / Hat des Wächters Schwert geköpft, / Doch die Sprüche werden gelten, / Bis der Wind das Meer erschöpft.“

(Schilling)

*

Like a river flows / Surely to the sea, / Darling so it goes – / Some things are meant to be.“

(Elvis)

*

Durch des Bergstroms trockne Rinnen / Wind‘ ich ruhig mich hinab, / Jeder Strom wird’s Meer gewinnen, / Jedes Leiden auch sein Grab.“

(Wilhelm Müller)

*

Er trägt ein kleid aus blauer Serer-seide / Mit sardern und saphiren übersät / In silberhülsen säumend aufgenäht · / Doch an den armen hat er kein geschmeide.“

(George)

*

Du laß den Zug passieren / In Federkamm und Fell / Mit Sardern und Saphiren / Aus Morgenhimmeln hell.“

(Schilling)

*

Lass ferne Himmel leuchten in Saphir, / Sommer verrauschen, Baumgold und die Rosen! / Noch brandet Unermessliches in mir / Und will mein Herz mit Jubel übertosen.“

(Usinger)

*

I contain multitudes.“

(Walt Whitman)

*

Du trägst den Keim zur Unendlichkeit in dir! Erhalt ihn in der Dürftigkeit des Lebens!“

(Hölderlin)

*

Ich kann nicht glauben, dass er ernsthaft droht; / Ich lebe noch, ich habe Zeit zu bauen: / Mein Blut ist länger als die Rosen rot.“

(Rilke über den Tod)

*

You don’t know how hearts burn / For love that cannot live yet never dies.“

(Don Raye)

*

Was niemals war und immer ist.“

(Sallust über das Mythische)

*

Was zu keiner Zeit und an keinem Ort geschehen ist, allein das ist wahr.“

(Novalis zugeschrieben)

*

Gott ist noch nie gewest / Und wird auch niemals sein / Und bleibt doch nach der Welt, / War auch vor ihr allein.“

(Angelus Silesius)

*

Nur was die narren sprechen ist orakel / Nur was nie war ist frei von jedem makel.“

(George)

*

Nicht aus der Zeit ist, was er dir erzählt, / Gehoben ist es wie aus Wandgeweben; / Solche Gestalten hat es nie gegeben, – / Und Niegewesenes nennt er das Leben.“

(Rilke)

*

Es darf den großen Flug das Herz entfalten, / Und Fantasie nicht mehr der Täuschung zollen; / Was farbig prangt, muß bald ins Dunkel rollen, / Nur unsichtbares Licht kann nie veralten.“

(Friedrich Schlegel)

*

Was glänzt, ist für den Augenblick geboren; / Das Echte bleibt der Nachwelt unverloren.“

(Goethe)

*

Vorbei, dass es war, wie es war. Der Lilienton unendlich reiner Zeit: nie.“

(Botho Strauß)

*

Rot ist der Abend auf der Insel von Palau, / Eukalyptenschimmer / Hebt in Runen aus Dämmer und Tau: / Niemals und immer.“

(Benn)

*

Nachts, wenn das Pendel der Liebe schwingt / Zwischen Immer und Nie, / Stößt dein Wort zu den Monden des Herzens / Und dein gewitterhaft blaues / Aug reicht der Erde den Himmel.“

(Celan)

*

Die Tage, die uns einten, / Ihr Immer und ihr Nie, / Die Nächte, die wir weinten, / Vergißt du die?“

(Benn)

*

„Wer weiß, wie weit sein Schimmer reicht, / Und ob sein Blick dich trügt? / Im Niemals, das dem Immer gleicht, / Ward dir ein Reich gefügt.“

(Schilling über den ‚Stern Vergeblichkeit‘)

*

Ganz ähnlich meinte er, daß alles, was man mit Hilfe dieses Spiegels entflammen würde, im Unsichtbaren weit sicherer als hinter Panzertüren aufgehoben sei. Es würde durch eine Flamme, die weder Rauch noch niedere Röte zeige, in Reiche, die jenseits der Zerstörung liegen, überführt. Nigromontanus nannte das ‚die Sicherheit im Nichts‘, und wir beschlossen, sie zu beschwören, wenn die Stunde der Vernichtung gekommen war.“

(Jünger)

*

So wie die Zeit des Neuen Reiches der Augenblick ist, so ist sein Ort die Mitte. Und so wie der ewige Augenblick jederzeit eintreten kann, so kann im ‚einheitlichen meer‘ des Lebens die Mitte überall sein. Dies bezeichnet den prekären Realitätsstatus von Georges Neuem Reich: Es kann jederzeit und überall wirklich werden und ist damit doch zugleich nie und nirgendwo wirklich.“

(Ernst Osterkamp)

*

Das Ideal ist eben etwas, das zugleich ist und nicht ist. Es ist die im tiefsten Herzen der Menschen leuchtende Sonne, um welche unsere Gedanken und Kräfte, um welche auch alle die Mittelpunkte schwingen, welche unser Leben umkreist, eine Sonne, deren Schein fahl und bleich wird, wenn sie aus den Tiefen der Seelen an das Tageslicht emportaucht.“

(Paul de Lagarde)

*

Wie tief ist die Sonne unseres Zeitalters gesunken, wenn solche Pygmäen solche Schatten werfen!“

(Robert Scheu)

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Sonne stand am Himmel schief, / Lange Schatten warfen Zwerge, / Riese saß auf seinem Berge, / Sah die Schatten und entlief.“

(Rückert)

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Um das Maß an Genialität richtig einzuschätzen, dessen ein Mann bedurfte, um sein Jahrhundert zu beherrschen, muß man das Maß dieses Jahrhunderts berücksichtigen.“

(Metternich)

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Je mehr das Jahrhundert selbst Genie hat, desto mehr ist der Einzelne gefördert.“

(Grillparzer)

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Je mehr das Genie dem Jahrhundert mangelt, desto schwieriger wird die Hervorbringung. Auch umso verdienstlicher.“

(Jünger)

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Es gibt nichts Bewunderswertes, woran nicht der Geifer der Egalitaristen klebt.“

(Klonovsky)

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Der törichste von allen Irrtümern ist, wenn junge gute Köpfe glauben, ihre Originalität zu verlieren, indem sie das Wahre anerkennen, was von andern schon anerkannt worden.“

(Goethe)

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Bewunderung ist glückliche Selbstverlorenheit, Neid unglückliche Selbstbehauptung.“

(Kierkegaard)

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Wenn ich weiter geblickt habe, so deshalb, weil ich auf den Schultern von Riesen stehe.“

(Newton)

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Er gibt zu, dass vor ihm auch schon gemalt worden ist.“

(Werner Spies über Neo Rauch)

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Die meisten Menschen von heute, darunter erschreckend viele Künstler, lassen freiwillig das Beste links liegen, weil sie selber etwas Schlechteres, aber Eigenes vorhaben.“

(Sloterdijk)

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Die erste Bedingung zu einem Künstler ist, dass er Respekt vor dem Großen habe und sich davor beuge und es anerkenne und nicht die großen Flammen auszupusten versuche, damit das kleine Talglicht ein wenig heller leuchte.“

(Mendelssohn)

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Die Lust der Deutschen am Unsicheren in den Künsten kommt von der Pfuscherei her; denn wer pfuscht, darf das Rechte nicht gelten lassen, sonst wäre er gar nichts.“

(Goethe)

*

So kombinierte er in seinen Werken etwa Tennisbälle, Autoreifen, Fahrräder und ausgestopfte Ziegen auf hintersinnige Weise.“

(Wikipedia über Robert Rauschenberg)

*

Aber ich fürchte ein bisschen, dass meine Art, Theater zu machen, zu simpel und einfallslos ist, um in der heutigen Situation als ein Fortschritt gewertet zu werden. Mir fällt weder ein, dem Carlos ein drittes Bein aus Pappe anzukleben, noch ‚Romeo und Julia‘ bei geschlossenem Vorhang zu spielen.“

(Gründgens in einem Brief an Barlog)

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Heute haben die Schauspieler doch Angst, dass sie mit Scheiße beschmiert werden oder an der Rampe eine halbe Stunde lang wichsen müssen.“

(Peter Stein)

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Das Theater ist mir zu anspruchsvoll. Ich lese zwar gerne, aber die Inszenierungen, in denen jemand erstmal nackt rumschreit, sich dann einkotet und einen halbstündigen Monolog hält, sind mir zu künstlerisch.“

(Lisa Eckhart)

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Nachdem er in seiner neuesten Vernissage weder Fäkalien noch Müll zur Schau gestellt hatte, geriet der Künstler in den Ruch der Konzeptlosigkeit und des Konservatismus.“

(Klonovsky)

*

In diesen drei Jahrzehnten haben mich bei all meinem Denken, Handeln und Leben nur die Liebe und Treue zu meinem Volk bewegt. Sie gaben mir die Kraft, schwerste Entschlüsse zu fassen, wie sie bisher noch keinem Sterblichen gestellt worden sind.“

(Hitler in seinem politischen Testament)

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Manchmal nachts fällt Gold von den Sternen! / Du kannst es finden – / Da draußen, wo noch keiner war!“

(Michael Kunze)

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„Sie gleiten über ferne, wunderschwere, / Verschwiegne Flut, die nie ein Kiel geteilt.“

(Hofmannsthal)

*

Nachdem wir einen dichten Saum von Schlehdorn und Kornellen durchbrochen hatten, traten wir in den Hochwald ein, in dessen Gründen noch nie der Schlag der Axt erklungen war. Die alten Stämme, die den Stolz des Oberförsters bildeten, standen im feuchten Glanz wie Säulen, deren Kapitelle der Dunst verbarg.“

(Jünger)

*

Das unentdeckte Land, von des Bezirk / Kein Wandrer wiederkehrt.“

(Shakespeare über den Tod)

*

Einen Weiser seh‘ ich stehen / Unverrückt vor meinem Blick; / Eine Straße muß ich gehen, / Die noch keiner ging zurück.“

(Wilhelm Müller)

*

Es führt im Abendneigen / Fern über Fels und Grat / Ein Weg aus Schnee und Schweigen, / Den niemand noch betrat.“

(Schilling)

*

Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt.“

(Lukas 24:29)

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Und dennoch sagt der viel, der Abend sagt, / Ein Wort, daraus Tiefsinn und Trauer rinnt / Wie schwerer Honig aus den hohlen Waben.“

(Hofmannsthal)

*

Du, horstend auf Graten, / Die niemand betrat: / Wer wahrt unsre Saaten / Am Tage der Mahd?“

(Schilling)

*

What will happen to all that beauty?“

(James Baldwin)

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The theme from ‚Goldfinger‘ is forever. Trust me, it ain’t going nowhere: It’s here forever.“

(Marvin Hamlisch)

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Aus der Welt werden wir nicht fallen. Wir sind einmal darin.“

(Grabbe)

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Kein Hauch des Haines, / Der dir entging, / Der Leben keines / Fällt aus dem Ring.“

(Schilling)

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Die erden die in dumpfer urnacht atmen / Verwesen nimmer · sind sie je gefügt / Zergehn sie wenn ein glied dem ring entfällt.“

(George)

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Mich faßt ein längst entwohnter Schauer, / Der Menschheit ganzer Jammer faßt mich an.“

(Goethe)

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Ganz vergessener Völker Müdigkeiten / Kann ich nicht abtun von meinen Lidern.“

(Hofmannsthal)

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Nun geht, ihr matten Glieder, / Geht hin und legt euch nieder, / Der Betten ihr begehrt; / Es kommen Stund und Zeiten, / Da man euch wird bereiten / Zur Ruh ein Bettlein in der Erd.“

(Paul Gerhardt)

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Dass ich nicht zu dauern brauche, / Dass ich mich in Dich verhauche, / Solch Genügen zu erlernen, / Wirkt der Blick von Deinen Sternen.“

(Usinger)

*

Die Geschichte dieser beiden Wandgemälde erlaubt, Leonardo als kühnen Explorator künstlerischer Machbarkeitsstudien zu charakterisieren. Zugleich hat sie dazu verführt, darin auch dessen Einverständnis in die Vergänglichkeit seiner Werke zu lesen, die Einschreibung der eigenen Kunst in das generelle Werden und Vergehen der Natur. So sehr das Spekulation bleiben muss, so nah kommt es doch vermutlich heran an einen Künstler, der wie kein anderer von der Welthaltigkeit der Kunst und der Kunstfertigkeit der Welt beseelt war.“

(Andreas Beyer)

*

Nicht wie die Welt ist, ist das Mystische, sondern daß sie ist.“

(Wittgenstein)

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Mohnländer, die du erbeutest, / Löwenzahn, zitternd im Wind, / Stimmen, die du nicht deutest – / Nimm dein Genügen: Sie sind.“

(Schilling)

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Schicksallos, wie der schlafende / Säugling, atmen die Himmlischen.“

(Hölderlin)

*

Es war ihm so ruhig und wohl zumute – er dachte an nichts, er begehrte nichts, und plötzlich kam ihm ein so sonderbares Gefühl grundlosen Glücks und grundloser Liebe, dass er aus bloßer Gewohnheit von der Kindheit her das Kreuz schlug und das Dankgebet verrichtete.“

(Tolstoi)

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Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind. / Zu jenen Sphären wag ich nicht zu streben, / Woher die holde Nachricht tönt; / Und doch, an diesen Klang von Jugend auf gewöhnt, / Ruft er auch jetzt zurück mich in das Leben.“

(Goethe)

*

Der echte Künstler ist kein Egoist, der die Menschheit auffordert, das Rätsel seiner Seele zu entziffern.“

(Hans Habe)

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Ich bin Maler, kein Briefträger.“

(Picasso auf die Frage nach den Botschaften seiner Bilder)

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Nur das, was Sie sehen. Ich male Bilder, keine Bilderrätsel.“

(Böcklin auf die Frage nach der Bedeutung seiner ‚Toteninsel‘)

*

„Sie sind wie die Affen, die mit den Händen hinter einen Spiegel fahren, als müsse dort ein Körper zu fassen sein.“

(George über Gedicht-Interpretatoren)

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Ein Zeichen sind wir, deutungslos.“

(Hölderlin)

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Die Schlange, die sich häutet, / Ruht im besonnten Kreis, / Ein Bild, das nichts bedeutet / Und doch von allem weiß.“

(Schilling)

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We dance round in a ring and suppose, / But the secret sits in the middle and knows.“

(Robert Frost)

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But I abhor the dull routine of existence. I crave for mental exaltation.“

(Sherlock Holmes)

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Ich überfordere mich, weil ich der Niedergeschlagenheit zuvorkommen möchte, die meine Existenz als in die Welt geworfenes Einzelwesen von Anfang begleitet.“

(Sloterdijk)

*

Wer die Schönheit angeschaut mit Augen, / Ist dem Tode schon anheimgegeben.“

(Platen)

*

Vernichtet vom Schönheitsdrang / Wird mir kein Nachruhm zu eigen, / Es wird meinen Namen verschweigen / Die Tiefe, die mich verschlang.“

(Baudelaire übersetzt durch Therese von Jacob)

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Denn das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen, und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht, uns zu zerstören.“

(Rilke)

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In der Sicherheit des Sagens, / In der Sicherheit des Seins, / Sind die Stunden hohen Wagens / Und die Zeit des Heimgangs eins.“

(Schilling)

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In der Coda kommt dreimal nacheinander ein majestätisches Unisono-C vor, eine äußerste Steigerung des fröhlichen Rausches. Es ist aber zugleich ein Zitat aus Mozarts ‚Don Giovanni‘. In der letzten Szene pocht der Tod in Gestalt des Komturs mit genau einem solchen C an Don Giovannis Pforte. Im Augenblick höchsten Jubels erinnert die Symphonie also an den Tod. Schwer zu sagen, ob Schubert das bewusst gewollt hat.“

(Joachim Kaiser über Schuberts ‚Große Symphonie in C-Dur‘)

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„Noch der Baum, der blüht, lügt in dem Augenblick, in welchem man sein Blühen ohne den Schatten des Entsetzens wahrnimmt.“

(Adorno)

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Wohin sind sie versunken, / Die hier im grünen Hag / Vom Blut des Bocks getrunken? / Arkadisch war ihr Tag. / Das Weiß der Marmorplatten / Kam ihrem Traum zustatten, / Doch dunkel war der Schatten, / Der nachts auf ihnen lag.“

(Schilling)

*

Auch mir hat die Natur / An meiner Wiege Freude zugeschworen, / Auch ich war in Arkadien geboren, / Doch Tränen gab der kurze Lenz mir nur.“

(Schiller)

*

Singe, wandert die Welt / Schon in fremdestem Schwunge, / Schmeckt uns das Charonsgeld / Längst unter der Zunge.“

(Benn)

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„Ich sah den Todeskeim, der aus dem Leben sprießt.“

(Hofmannsthal)

*

 „Als ob ein Lebensquell dem Tod entspränge, / Wie mich geheimnisvoll die Form entzückte!“

(Goethe bei Betrachtung von Schillers Schädel)

*

Doch an den Fensterscheiben / Wer malte die Blätter da? / Ihr lacht wohl über den Träumer, / Der Blumen im Winter sah?“

(Wilhelm Müller)

*

Laß, o laß mich nicht ermatten! / Nein, es sind nicht leere Träume: / Jetzt nur Stangen, diese Bäume / Geben einst noch Frucht und Schatten.“

(Goethe)

*

Und die Winter der Natur / Sind der Geister Lenze.“

(Grillparzer)

*

Wenn irgendwo zwischen zwei Mächten ein noch so harmlos aussehender Pakt geschlossen wird, muss man sich sofort fragen, wer hier umgebracht werden soll.“

(Bismarck zugeschrieben)

*

Obgleich die geschriebenen Gesetze stets nur Erklärungen früherer Rechte sind, ist doch bei weitem nicht alles geschrieben, was geschrieben werden kann. Vielmehr gibt es in jeder Verfassung etwas, das man in einer dunklen, ehrwürdigen Wolke lassen muss, will man den Staat nicht umstürzen.“

(Joseph de Maistre)

*

Dieses geheime Etwas, das den Geringsten erfüllt wie den Vornehmsten, – diese geistige Luft, die wir ein- und ausatmen – geht aller Verfassung voran, belebt und erfüllt all ihre Formen.“

(Leopold von Ranke)

*

Der Staat kann nicht bloß Form sein; bloße Form gibt es gar nicht.“

(Treitschke)

*

Wenn eine Regierung nur im konstitutionellen Sinne repräsentativ ist, wird ihr früher oder später durch einen Herrscher im existenziellen Sinne ein Ende bereitet, und sehr wahrscheinlich wird der neue existenzielle Herrscher nicht allzu repräsentativ im konstitutionellen Sinne sein.“

(Voegelin)

*

Die Menschen fühlen sich nicht durch Papier und Siegel gebunden. Sie finden durch Gemeinsamkeiten, Ähnlichkeiten, Sympathien zueinander. Durch nichts sind Nationen so freundschaftlich verbunden wie durch eine Übereinstimmung in Gesetzen, Umgangsformen und Lebensgewohnheiten. Diesen wohnt eine Kraft inne, die stärker ist als die von Verträgen. Es sind Verpflichtungen, die mit dem Herze besiegelt werden.“

(Edmund Burke)

*

Auch was Geschriebnes forderst du Pedant? / Hast du noch keinen Mann, nicht Manneswort gekannt?“

(Mephisto)

*

Der Florentiner Philosoph Marsilio Ficino, ein Zeitgenosse Leonardos, vertrat in seinem Buch ‚De vita libri tres‘ die aus der Antike stammende Auffassung, dass die Melancholie von einem Übermaß an schwarzer Galle herrühre. Wenn sich diese schwarze Galle im Menschen erhitze, dann rufe sie kreative Kräfte herkulischen Ausmaßes hervor, erkalte sie jedoch, dann senkten sich auf die menschliche Seele Lust- und Antriebslosigkeit.“

(Klaus-Rüdiger Mai)

*

Woraus aber das Werden ist den seienden Dingen, in das hinein geschieht auch ihr Vergehen nach der Schuldigkeit; denn sie zahlen einander gerechte Strafe und Buße für ihre Ungerechtigkeit nach der Zeit Geheiß.“

(Anaximander)

*

Die Wunde schließt der Speer nur, der sie schlug.“

(Wagner)

*

’s ist ein Gesetz der Teufel und Gespenster: / Wo sie hereingeschlüpft, da müssen sie hinaus. / Das erste steht uns frei, beim zweiten sind wir Knechte.“

(Mephisto)

*

Wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen.“

(Herbert Wehner)

*

Schlange des Thor, im Gewebe der Nornen / Pfeil, der das Lichtherz der Sonne durchstieß, / Mund aus Metall, der den aschegebornen / Göttern ihr flammendes Ende verhieß.“

(Schilling)

*

Aus Eukalypten geht / Tropik und Palmung, / Was sich noch hält und steht, / Will auch Zermalmung / Bis in das Gliederlos, / Bis in die Leere, / Tief in den Schöpfungsschoß / Dämmernder Meere.“

(Benn)

*

Der ‚bios‘ in seiner Gesamtheit neigt immer dazu, wieder einen Zustand herzustellen, aus dem die Gliedmaßen ausgeschlossen sind. So neigen alle Tiere, die sich mit großer Schnelligkeit fortbewegen, jene, die tauchen, schwimmen, fliegen, immer dazu, ihre Flügel an den Körper anzulegen, sie streben dieses Fehlen von Gliedmaßen an.“

(Jünger)

*

In trockne scheiter flog der bolzen / Des Helfers mit entflammtem schwung · / Zerspaltne feuer all verschmolzen / Im streben nach vergöttlichung.“

(George)

*

„Und wie am ersten Schöpfungstag Gott das Licht von der Finsternis schied und aus Abend und Morgen der erste Tag ward, so hat der erste Tag der Geschichte die Völker aus Abend und Morgen geschieden zu ewiger Feindschaft und dem ewigen Verlangen nach Versöhnung; denn es ist das Wesen des Geschaffenen, sich aufzuzehren und zurückzusinken in die alte friedliche Nacht des des ungeschaffenen Anfangs.“

(Droysen)

*

Oder kömmt, wie der Strahl aus dem Gewölke kömmt, /
Aus Gedanken die Tat? Leben die Bücher bald?“

(Hölderlin)

*

Wie würde dann aber die Schrift erfüllt, dass es so geschehen muss?“

(Matthäus 26:54)

*

Pflanz du dein Gegenbild / In ihr Genicht, / Wenn sich die Schrift erfüllt, / Das Siegel bricht, / Wird ihre Asche wehn / Vom Scherbenkrug, / Ihr Sturz: dein Auferstehen, / Ihr Fall: dein Flug.“

(Schilling)

*

Als ich jünger war, dachte ich, der Rausch sei in jedem Takt da. Mittlerweile bin ich zu der Auffassung gelangt, dass man ihn auch bloß andeuten und durchscheinen lassen kann.“

(Thielemann über den ‚Tristan‘)

*

Dieser Künstler spürt offenbar gar nicht, wie wichtig gelegentliche Zurückhaltung, ja Ausdruckslosigkeit ist in großer Musik. Weil er alles auflädt, aktiviert, darum verlieren sich – umzingelt von lauter Auch-Höhepunkten – die entscheidenden herben Ereignisse.“

(Joachim Kaiser über Simon Rattle)

*

Einfachheit ist die größte Zierde der Kunst.“

(Dürer)

*

Das Große ist immer einfach, weil es nicht mit dem Effekt zu spielen braucht.“

(Goebbels)

*

Großer Stil ist klar und meidet die Komplikationen des Labyrinths. Seine Wahrheit erscheint dem barbarischen Parvenü als zu alt und zu bekannt.“

(Angerer der Ältere)

*

Woher wir kommen bleibt unerschlossen: / Die Daten sind reine Zahl auf Papier. / Am Anfang des Lebens wird Blut vergossen; / am Ende erschrickt ein verwundetes Tier.“

(Ulrich Schacht)

*

Sicher kannst du Opfer zollen, / Kränze flechten, Kronen schmieden, / Aber was die Götter wollen, / Bleibt im Letzten unentschieden.“

(Schilling)

*

Alle Güter und alles Geld / Gab ich hin ohne Reue; / Aber sterben müsst‘ ich wohl bald, / Hätt‘ ich nicht seine Treue.“

(Zarah Leander)

*

Er kommt dem nicht an land und schätzen liege · / An weisheit nur an liebe und an tugend / Und zwischen filz und filz steht seine wiege.“

(George)

*

Ich sollte ruhn? Ich soll die Liebe zwingen, / Die feurigfroh nach hoher Schöne strebt? / Ich soll mein Schwanenlied am Grabe singen, / Wo ihr so gern lebendig uns begräbt?“

(Hölderlin)

*

Die Schwäne singen am Ende ihres Lebens, Rossini aber hat in der Mitte zu singen aufgehört.“

(Heine)

*

Stefan George ist tot, kaum erst an der Schwelle zum Alter, aber schon seit Jahrzehnten nahezu stumm.“

(Rudolf Borchardt 1933)

*

Ich blieb derselbe in den Finsternissen: / Erlöst das Linde und entblößt das Scharfe? / Von meinen Sternen nur wehn noch zerrissen / Die Saiten einer überlauten Harfe.“

(Celan)

*

Klage nicht, weine nicht, / Lasse mich schweben. / Großes und Kleines blieb / Droben im Leben; / Du auch, der keine glich, / Harfe verwaist: / Nie mehr wird über mich / Kommen der Geist.“

(Weinheber)

*

Glaubt er, ich denke an seine elende Geige, wenn der Geist über mich kommt und ich komponiere?

(Beethoven zu Schuppanzigh, als dieser sich über die technischen Schwierigkeiten in einem Streichquartett beklagte)

*

Und unsere Not ist die Not der Notlosigkeit, der Unkraft zur ursprünglichen Erfahrung der Fragwürdigkeit des Daseins.“

(Heidegger)

*

Wie schön war die Freiheit, zu tun was verboten, gegen den Zwang, zu tun was man will.“

(Lisa Eckhart)

*

In einer sehr geglückten Formulierung spricht Böckelmann von der ‚Suche nach etwas, das es wert wäre, endlich keine Wahl mehr zu haben‘.“

(Lorenz Jäger)

*

„Indem der Mensch die Sonderung der Kasten zerstört, tauscht er das Glück gegen die Chance ein.“

(Jünger)

*

Wer sich alle Türen offenzuhalten versucht, der verbringt sein Leben im Flur.“

(Anonym)

*

Und wie wir auch durch fremde Lande ziehn, / Da kommt es her, da kehrt es wieder hin; / Wir wenden uns, wie auch die Welt entzücke, / Der Enge zu, die uns allein beglücke.“

(Goethe)

*

Oh die vielen Angelegenheiten! Er suche das Eine und Einzige, die Welt aber biete ihm unentwegt nur das Viele und Vielverschiedene. Ein Klausner, der Enge, Enges und immer Engeres für sich beansprucht, der eine von der erstickend weiten Welt ihn befreiende Beengung sucht.“

(Botho Strauß)

*

Von der Maas bis an die Memel, / Von der Etsch bis an den Belt – / Deutschland, Deutschland über alles, / Über alles in der Welt!“

(Hoffmann von Fallersleben)

*

Und nicht über und nicht unter / Andern Völkern woll’n wir sein / Von der See bis zu den Alpen / Von der Oder bis zum Rhein.“

(Brecht)

*

Zum Amboß hielt ich mich zu schlecht, / Zum Hammer war ich euch nicht recht. / So bin ich Amboß nicht noch Hammer / Und rufe frei von Herzensjammer: / So ist es gut, so ist es recht, / Niemandes Herr, Niemandes Knecht!“

(Hoffmann von Fallerslgeben)

*

Und weil der Mensch ein Mensch ist, / drum hat er Stiefel im Gesicht nicht gern! / Er will unter sich keinen Sklaven sehn / und über sich keinen Herrn.“

(Brecht)

*

„Der Sklave sehnt sich nicht nach der Freiheit, sondern nach der Versklavung seines Herrn.“

(Gómez Dávila)

*

Auf des Glückes großer Waage / Steht die Zunge selten ein; / Du mußt steigen oder sinken, / Du mußt herrschen und gewinnen / Oder dienen und verlieren, / Leiden oder triumphieren, / Amboß oder Hammer sein.“

(Goethe)

*

Die weder dienen noch herrschen können, sind Bürger.“

(George)

*

Dienen adelt.“

(Klonovsky)

*

Schmerz adelt.“

(Escrivá)

*

Genieße, was der Schmerz dir hinterließ! / Ist Not vorüber, sind die Nöte süß.“

(Goethe)

*

Das Geheimnis liegt darin, daß das Leiden höhere, heilende Kräfte erzeugt.“

(Jünger)

*

Doch schäm ich mich der Ruhestunden, / Mit euch zu leiden war Gewinn: / Denn für den Schmerz den ihr empfunden, / Seid ihr auch größer als ich bin.“

(Goethe)

*

O vielleicht, daß diese Bitterkeiten – / Dacht‘ ich – stärker bilden deinen Geist! / Daß die Stille höher deine Saiten / Stimmt, zu männlichem Gesang dich reißt!“

(Hölderlin)

*

So, wie euch und jedes Ding, / hat die Sehnsucht mich geboren / und der Sehnsucht starker Wille / webte mir mein Gotteskleid. / Keine Kraft und Größe ging / diesem Leben je verloren, / wenn sie nur in aller Stille / Ziele sah in Raum und Zeit!“

(Alfons Petzold)

*

Nur wer die Sehnsucht kennt, / Weiß, was ich leide! / Allein und abgetrennt / Von aller Freude, / Seh‘ ich ans Firmament / Nach jener Seite. / Ach! der mich liebt und kennt, / Ist in der Weite.“

(Goethe)

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Was wollt ihr mich so wild verlocken / In dieser Einsamkeit? / Wie in der Heimat klingen diese Glocken / Aus stiller Kinderzeit – / Ich wende mich erschrocken / Ach, was mich liebt, ist weit!“

(Eichendorff)

*

Dream you can, / Pray you can, / Then perhaps you may / Bring your love / To your arms / From so far away!“

(Shirley Bassey)

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Du, aus den Zelten / Ewiger Nacht, / Sind auch die Welten / Alle vollbracht, / Einmal, aus Landen, / Jeglichem Hier / Tagfremd, erstanden, / Bist du bei mir.“

(Schilling)

*

Wie fremd dir auch der andere ist bei klarem Licht – so schrankenlos doch das nächtliche Vertrauen.“

(Botho Strauß)

*

Wenn der Leib des Leviathan verzehrt ist, gehen die Maden sich gegenseitig an den Kragen.“

(Sieferle)

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Wenn der Löwe erstmal tot ist, dann kommt nicht nur der Adler, sondern es kommen auch ganz andere Vögel – und die waren dann alle dabei.“

(Jünger über spätberufene Widerständler)

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Für den letzten im Auftrag des NS-Regimes gedrehten Film ‚Das Leben geht weiter‘ von 1945, ein nie aufgeführter und nach Kriegsende verschollener Propaganda- und ‚Durchhalte‘-Film, wurde de Kowa als bestbezahlter Akteur verpflichtet. Zehn Jahre nach Kriegsende verbreitete de Kowa die Legende, er hätte einen Monat vor Drehbeginn einen Meniskusriss erlitten und wäre statt zu drehen als Widerständler durch Berlin gehumpelt, um Durchhalteparolen der Nazis zu übermalen.“

(Wikipedia über Viktor de Kowa)

*

Beethovens fünftes Klavier-Concert, gespielt von Gieseking, Berliner Aufnahme vom Januar 1945, mit Flak-Geräuschen im Hintergrund. Dabei zwei Empfindungen: Zum einen, daß das zusammengehört, daß diese Musik das Zeitalter der Fliegerangriffe und Maschinengewehre antizipiert. Zum anderen, daß die bürgerliche Cultur, trotz allen Erschütterungen, die beiden Weltkriege, Hitler und Stalin unbeschadet überstanden hat und zu meinen Lebzeiten, Anfang der sechziger Jahre plötzlich zusammenbricht.“

(Schilling)

*

Diese Angst, die immer präsent war, hat zum Beispiel dazu geführt, dass selbst in der phänomenalen Karriere von Wilhelm Furtwängler die Konzerte, die er zwischen 1941 und 1945 machte, mit Abstand die besten waren. Weil die Menschen während des Konzerts eben nicht schon darüber nachdachten, wo sie später zum Essen hingehen sollten – sondern sich fragten, ob sie morgen noch auf der Welt sind.“

(Joachim Kaiser)

*

Klar, wenn Furtwängler 1942 Beethoven zwischen zwei Bombenangriffen dirigiert hat, klang das anders als ein Beethoven, bei dem uns höchstens der EU-Rettungsschirm beschäftigt.“

(Thielemann)

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Nur heiliger Schrecken kann das Schöne zeugen. / Erst wenn dein Herz die Himmel überschwillt, / Wird sich das Wort ins Joch der Einfalt beugen. / Aus frühen Fluren hebt sich Klang und Bild.“

(Schilling)

*

Friedrich Schlegel war ein tiefsinniger Mann. Er erkannte alle Herrlichkeiten der Vergangenheit und er fühlte alle Schmerzen der Gegenwart. Aber er begriff nicht die Heiligkeit dieser Schmerzen und ihre Notwendigkeit für das künftige Heil der Welt.“

(Heine)

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Bangt nicht vor rissen brüchen wunden schrammen · / Der zauber der zerstückt stellt neu zusammen.“

(George)

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Die Menschenordnung gleicht dem Kosmos darin, daß sie von Zeit zu Zeiten, um sich von neuem zu gebären, ins Feuer tauchen muß.“

(Jünger)

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Mit ihrem heilgen Wetterschlage, / Mit Unerbittlichkeit vollbringt / Die Not an Einem großen Tage, / Was kaum Jahrhunderten gelingt.“

(Hölderlin)

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In einem Augenblicke soll entstehn, / Was Jahre lang bereitet werden sollte, / In einem Augenblick gehoben seyn, / Was Mühe kaum in Jahren lösen könnte.“

(Goethe)

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In eine Stunde kannst du Leben pressen, / Mehr als das ganze Leben konnte halten, / Das schattenhafte will ich ganz vergessen / Und weih mich deinen Wundern und Gewalten.“

(Hofmannsthal)

*

Die Glaubensmacht, die sonst über ganze Geschlechter verteilt war, die Gebetskraft frommer Zeitalter, die einst als Volks- oder Kirchen- oder Gemeinde-Andacht hundert Auswege und Ausdrucksformen hatte, ist hier in die Stimme eines einzigen Menschen gedrängt und entlädt inmitten millionenfältigen Schwatzes und einsamen Schweigens ihre tausendjährige Wucht.“

(Gundolf)

*

Bis einmal einer der Großen sich naht – / Irgendwann, / Wenn die Zeiten reif, und in lodernder Tat / Aufreißt Jahrhunderte alte Naht / Ein einziger Mann. / Er greift aus brodelnder Tiefe Schoß / Maß und Macht. / Uralte Tafeln reißt er los / Und ragt und reckt sich riesengroß / Über Nacht.“

(Bogislav von Selchow)

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Wir Mitgebornen der Generation, die im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts aus deutschem Blut gezeugt wurden, waren längst Eltern der gegenwärtigen Jugend Deutschlands geworden, ehe wir ahnen durften, daß unter uns Tausenden der Eine war, über dessen Haupte die kosmischen Ströme deutschen Schicksals sich sammelten, um sich geheimnisvoll zu stauen und den Kreislauf in unaufhaltsam mächtiger Ordnung neu zu beginnen.“

(Ina Seidel 1939)

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Ein Wort – ein Glanz, ein Flug, ein Feuer, / Ein Flammenwurf, ein Sternenstrich – / Und wieder Dunkel, ungeheuer, / Im leeren Raum um Welt und Ich.“

(Benn)

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Ein Flug, ein Traum, ein Dämmer-Blick / Von Blut aus wirren Zeilen: / So steht dein Bild im Mosaik / Der Zeiten, die enteilen.“

(Schilling)

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Der Selbstmord ist das größte Verbrechen. Welchen Mut kann derjenige besitzen, der vor einem Wechsel des Glückes zittert? Der wahre Heldenmut besteht darin, über das Elend des Lebens erhaben zu sein.“

(Napoleon)

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Doch er stehet männlich an dem Steuer: / Mit dem Schiffe spielen Wind und Wellen, / Wind und Wellen nicht mit seinem Herzen. / Herrschend blickt er auf die grimme Tiefe / Und vertrauet, scheiternd oder landend, / Seinen Göttern.“

(Goethe)

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Reiss mich an deinen rand / Abgrund – doch wirre mich nicht!“

(George)

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Der Gott, der Eisen wachsen ließ, / Der wollte keine Knechte, / Drum gab er Säbel, Schwert und Spieß / Dem Mann in seine Rechte.“

(Ernst Moritz Arndt)

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Wie es zugeht, daß der rechte Mann zur rechten Zeit erscheint, wird uns Sterblichen immer ein Rätsel sein: Die Zeit bildet das Genie, aber sie schafft es nicht.“

(Treitschke)

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Ein dunkles Schicksal wendet / Sich dem nur, der es wert: / Ein Mann, den Gott gesendet, / Wird Hammer, Pflug und Schwert.“

(Will Vesper)

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„Ein jung geschlecht das wieder mensch und ding / Mit echten maassen misst · das schön und ernst / Froh seiner einzigkeit · vor Fremdem stolz · / Sich gleich entfernt von klippen dreisten dünkels / Wie seichtem sumpf erlogner brüderei / Das von sich spie was mürb und feig und lau / Das aus geweihtem träumen tun und dulden / Den einzigen der hilft den Mann gebiert.“

(George)

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Du aber, verschworen / Der männlichen Macht, / Bleibst Ares erkoren, er hat dir zur Nacht, / Solang du dem Tempel / Noch dienst als Atlant, / Mit glühendem Stempel / Das Mal eingebrannt.“

(Schilling)

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Salomo, ich habe dich übertroffen.“

(Justinian zur Weihe der Hagia Sophia)

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Otto, ich grüße dich.“

(Björn Höcke vor dem Magdeburger Dom)

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Die krystallene Woge, die gemeinen Sinnen unvernehmlich, in des Hügels dunkeln Schoß quillt, an dessen Fuß die irdische Flut bricht, wer sie gekostet, wer oben stand auf dem Grenzgebürge der Welt, und hinübersah in das neue Land, in der Nacht Wohnsitz – wahrlich der kehrt nicht in das Treiben der Welt zurück, in das Land, wo das Licht in ewiger Unruh hauset.“

(Novalis)

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Ich sah vom berg aus ein erneuter / Wonach mein drang umsonst gefragt: / Das Fernenland – du warst der deuter / Da es aus nebeln mir getagt.“

(George)

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Das Gedicht ist nicht zeitlos. Gewiss, es erhebt einen Unendlichkeitsanspruch, es sucht, durch die Zeit hindurch zu greifen – durch sie hindurch, nicht über sie hinweg.“

(Celan)

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Steig auf aus den Nestern / Der Weltflüchter, bann / Ins zeitlose Gestern, / Was blühend begann.“

(Schilling)

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Wie schön die unbetretnen Sphären! / Wie süß zu sterben vor der Zeit, / Daß Angst und Trauer sich verzehren / In deinen Strahlen, Ewigkeit!“

(Lord Byron)

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Denn in der Gestalt, wie der Mensch die Erde verlässt, wandelt er unter den Schatten.“

(Goethe)

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Was um Besitz nicht leidet, / Ist wie die Welle leicht. / Was, eh es anhält, scheidet, / Bleibt heil und unerreicht.“

(Wolf von Aichelburg)

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Not such as Europe breeds in her decay; / Such as she bred when fresh and young, / When heavenly flame did animate her clay, / By future poets shall be sung.“

(George Berkeley)

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O dass die laune dich zurück mir brächte! / Dass neue nicht die fernen formen stören! / Wie ward es mir gebot für lange nächte / Treu zug um zug dein bildnis zu beschwören!“

(George)

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Doch nur Momente darfst dich unterwinden, / Ein Luftgebild statt ihrer festzuhalten; / Ins Herz zurück! dort wirst du’s besser finden, / Dort regt sie sich in wechselnden Gestalten; / Zu vielen bildet eine sich hinüber, / So tausendfach, und immer, immer lieber.“

(Goethe)

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Ich such im Schnee vergebens / Nach ihrer Tritte Spur, / Wo sie an meinem Arme / Durchstrich die grüne Flur. / Ich will den Boden küssen, / Durchdringen Eis und Schnee / Mit meinen heißen Tränen, / Bis ich die Erde seh.“

(Wilhelm Müller)

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The poets cried for dreams they never saw.“

(Dusty Springfield)

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„Nur das Geistige können wir ganz verstehen und wo es sich verkörpert, da verdunkelt es sich auch.“

(Achim von Arnim)

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So stehst du, o Schloß meiner Väter, / Mir treu und fest in dem Sinn, / Und bist von der Erde verschwunden, / Der Pflug geht über dich hin.“

(Chamisso)

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Deutsches Volk, du herrlichstes vor allen, / Deine Eichen stehn – du bist gefallen!

(Körner)

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Wer denn · wer von euch brüdern / Zweifelt · schrickt nicht beim mahnwort / Dass was meist ihr emporhebt / Dass was meist heut euch wert dünkt / Faules laub ist im herbstwind / Endes- und todesbereich.“

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Hitler hat die großen Symbole, die er besaß – oder besser: die ihn besaßen – auf den Märkten ausgestellt und damit ausgeschlachtet. Die Zeichen traten für eine Stunde hervor, aber nur, um ihren Träger zu vernichten.“

(Schilling)

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Die Blumen und Bäume freuen sich an Hyperions Strahlen, die Menschen gedeihen nur an der geheimnisvollen Wärme eines nie gesehenen Sternes.“

(Paul de Lagarde)

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Dem Auge erscheint das Schöne ohne Begrenzung am meisten als Mondschein, dieses wunderbare, weder dem Erhabenen, noch dem Schönen verwandte Geisterlicht, das uns mit schmerzlicher Sehnsucht durchdringt, gleichsam die Morgendämmerung einer Ewigkeit, die auf der Erde niemals aufgehen kann.“

(Jean Paul)

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Längst verschollen, dennoch unverloren, / Strahlt, ein Kronjuwel im dunklen All, / Unser Stern, uralt und ungeboren, / Siegreich über Asche und Verfall.“

(Schilling)

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Es wird der bleiche Tod mit seiner kalten Hand / Dir endlich mit der Zeit um deine Brüste streichen, / Der liebliche Corall der Lippen wird verbleichen; / Der Schultern warmer Schnee wird werden kalter Sand.“

(Hoffmann von Hoffmannswaldau)

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Der Wangen Zier verbleichet, / Das Haar wird greis, / Der Augen Feuer weichet, / Die Brunst wird Eis. / Das Mündlein von Korallen / Wird ungestalt, / Die Händ als Schnee verfallen / Und du wirst alt.“

(Martin Opitz)

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Ach, Unsterblichkeit ist nur ein Wort. / Jeder Ruhm ist dem Toten verdorrt. / Hier das Licht, hier die Kron, hier der Kranz: / Wer da stirbt, stirbt für immer und ganz.“

(Weinheber)

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Ein Lügenbild lebendiger Gestalten, / Die Mumie der Zeit, / Vom Balsamgeist der Hoffnung in den kalten / Behausungen des Grabes hingehalten, / Das nennt dein Fieberwahn – Unsterblichkeit?“

(Schiller)

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Glaubt nicht mit wort und ton und schönem klang / Gestorbene kräfte rettend zu beleben / Glaubt nicht geheimnisvoll im überschwang / Aus zaubergrotten ring und stab zu heben.“

(Morwitz)

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„Ginster schwang den goldnen Besen. / Zwischen Haugk und Hiel / Schien ein Pfad für dich erlesen, / Doch der Hüter schließt das Spiel, / Und es ist wie niegewesen, / Wenn der Vorhang fiel.“

(Schilling)

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Denn danach suchen wir letzten Endes nur: Die Poesie ins Leben zu verweben, im Leben selbst die Poesie zu finden.“

(Michael Ende)

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„Der Naturalist brachte das Leben, aber er unterschlug das Märchen, das im Leben steckt. Der Romantiker dagegen brachte zwar das Märchen, aber auf Kosten des Lebens. Daher kann man sagen, dass beide, Naturalismus und Romantik, zwei gleich unwahre Kunstrichtungen waren. Der romantische Naturalist nun hebt diese Gegensätze auf, indem er sie vereinigt. Für ihn ist die Welt weder ein fiktiver Zauberwald noch ein poesieloses Zellenagglomerat, sondern er zeigt, dass jener ausstudierte Apparat von Rittern, Elfen, Zauberern und Drachen im Leben wirklich vorhanden ist, nur viel phantastischer, mysteriöser und poesievoller.“

(Friedell)

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„Das Wirkliche ist ebenso zauberhaft wie das Zauberhafte wirklich ist.“

(Jünger)

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Er glaubt, Phantasie und Realität seien voneinander getrennt. Für ihn ist die Phantasie sozusagen eine Feierabendwelt, in der er sich von der Realität erholt. Für mich hingegen kommunizieren beide miteinander, weil sie im Grunde aus der gleichen Substanz bestehen.“

(Fritz Hörauf über den Typus seines Verkenners)

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Dieser wusste wohl, dass im Erdboden der Same des Himmels schlummere.“

(Aus Gustav Schwabs ‚Sagen des klassischen Altertums‘ über Prometheus)

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Und als wir ans Ufer kamen / Und saßen noch lang im Kahn, / Da war es, dass wir den Himmel / Am schönsten im Wasser sahn.“

(Wolf Biermann)

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Aber unten liegt ein Land, / Früchte spiegelnd ohne Ende / In den alterslosen Seen.“

(Hofmannsthal)

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Die Bilder werden blasser, / Entrücken sich der Zeit. / Wohl spiegelt sie noch ein Wasser, / Doch auch dies Wasser ist weit.“

(Benn)

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Moon river, wider than a mile / I’m crossing you in style some day.“

(Johnny Mercer)

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Weißt du, wer noch vom See erfuhr, / Der sommers auch gefriert, / Dann wie ein blindes Auge zur / Besternten Kuppel stiert?“

(Uwe Nolte)

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Die erste geistige Erfassung der Katastrophe ist fürchterlicher als die realen Schrecken der Feuerwelt. Sie ist das Wagnis nur der kühnsten, lastbarsten Geister, die den Dimensionen, wenngleich nicht den Gewichten des Vorgangs angemessen sind. So zu zerbrechen war das Schicksal Nietzsches, den zu steinigen heute zum guten Ton gehört. Nach dem Erdbeben schlägt man auf die Seismographen ein.“

(Jünger)

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Sucht man ein Symbol für dieses Jahrhundert, so wird man noch immer den Untergang der Titanic als am sinnfälligsten empfinden. Dieses Ereignis begriff im Wirklichen in sich, was Nietzsche im Geist erschaut hatte.“

(Schilling)

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Bevor man den Propheten einer nicht eingetroffenen Katastrophe verspottet, sollte man sich sicher sein, dass sein Warnruf nicht zu deren Ausbleiben beigetragen hat.“

(Klonovsky)

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Dass Bonn nicht Weimar wurde, verdankt es auch der Tatsache, dass es Weimar gegeben hat.“

(Heinrich August Winkler)

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Und die vierundzwanzig Ältesten fielen nieder und beteten an den, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit.“

(Offenbarung 5:14)

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Du bist der raunende Verrußte, / Auf allen Öfen schläfst du breit. / Das Wissen ist nur in der Zeit. / Du bist der dunkle Unbewusste / Von Ewigkeit zu Ewigkeit.“

(Rilke)

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Zehntausend sterben ohne klang: der Gründer / Nur gibt den namen · für zehntausend münder / Hält einer nur das maass. In jeder ewe / Ist nur ein gott und einer nur sein künder.“

(George)

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Es sind die Ewen / Der Künder müd, / Die Traum-Eleven / Stehn, abgeblüht, / Mit Schwert und Leier / Am Sturz der Zeit, / Wo schon das Feuer / Die Flut befreit.“

(Schilling)

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Deutsche Jugend hat den heiligen Geist des Christentums immer wieder in den schönen Leib zurückrufen wollen, schweifend und träumend getrieben vom Heimweh nach der Erde.“

(Gundolf)

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Ihrer Fahrt, in Weiten ungemessen, / Folgend, wenn der Himmel dich berief, / Sollst du doch der Erde nicht vergessen, / Die die barg, solang der Fittich schlief.“

(Schilling)

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Ihr, die ihr auftauchen werdet aus der Flut / In der wir untergegangen sind / Gedenkt / Wenn ihr von unseren Schwächen sprecht / Auch der finsteren Zeit / Der ihr entronnen seid.“

(Brecht)

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Schauernde kühle schliesst einen ring · / Dämmer der frühe wölkt in den kronen · / Ahnendes schweigen bannt die hier wohnen · / Traumfittich rausche! Traumharfe kling!“

(George)

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Sie bekämpfen den Führer mit einer Inbrunst, als ob er es noch selbst angeordnet hätte.“

(Klonovsky)

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Presse und Fernsehen dokumentieren das ‚Nazi‘-Spektakel als eine Art Offenbarung verborgenen Unheils: Endlich trete es ans Tageslicht. Die Sprecher und Kommentatoren greifen begierig zu.“

(Böckelmann)

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„Gottesstaaten hat es schon viele gegeben, sogar solche, die von Atheisten errichtet wurden. Bislang einzigartig in der Weltgeschichte ist indes die Existenz eines Teufelsaustreibungsstaates namens BRD.“

(Klonovsky)

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Die Unmenschlichkeit des praktizierten Atheismus haben im vergangenen Jahrhundert die gottlosen Regime des Nationalsozialismus und des Kommunismus mit ihren Straflagern, ihrer Geheimpolizei und ihren Massenmorden in grausamer Weise bewiesen.“

(Bischof Mixa)

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Wir werden in diesen Kampf hineingehen wie in einen Gottesdienst.“

(Goebbels 1945 in Görlitz)

*

Wenn die Narren sind, die in ihrem Herzen das Dasein Gottes leugnen, so kommen mir die noch unsinniger vor, die es erst beweisen wollen.“

(Hamann)

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Ich sah an alles Tun, das unter der Sonne geschieht, und siehe, es war alles eitel und Haschen nach Wind.“

(Prediger 1:14)

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Aus der Vergeblichkeit innigem Wissen / Dennoch die Werke tun, lallend und blind, / Schöpfung – nur einmal dem Chaos entrissen, / Atemlang, köstliches Haschen nach Wind.“

(Schilling)

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Und heißt dann: schweigen und walten, / Wissend, daß sie zerfällt, / Dennoch die Schwerter halten / Vor die Stunde der Welt.“

(Benn)

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Was die Haltung der Griechen zur Welt und zum Leben bestimmte, war eine Art fröhlicher Skepsis: nicht die grämliche, die über den ewigen Einwand nicht hinauskommt, sondern die harte und gesunde Skepsis, die mit dem Zweifel den Entschluss verbindet, die Sache trotzdem zu riskieren.“

(Konrad Adam)

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Hier ruht Phaeton, der Lenker des väterlichen Wagens; zwar konnte er ihn nicht halten, doch starb er als einer, der Großes gewagt.“

(Epitaph des Phaeton)

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Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, / Die sich über die Dinge ziehn. / Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen, / Aber versuchen will ich ihn.“

(Rilke)

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Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten.“

(2. Timotheus 4:7)

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 „Auf dem verlorenen Posten ausharren ohne Hoffnung, ohne Rettung, ist Pflicht. Ausharren wie jener römische Soldat, dessen Gebeine man vor einem Tor in Pompeji gefunden hat, der starb, weil man beim Ausbruch des Vesuv vergessen hatte, ihn abzulösen. Dieses ehrliche Ende ist das einzige, das man dem Menschen nicht nehmen kann.“

(Spengler)

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Verlange nicht, dass das, was geschieht, so geschieht, wie du es wünschst, sondern wünsche, dass es so geschieht wie es geschieht und dein Leben wird heiter dahin strömen.“

(Epiktet)

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Da ich meine Zufriedenheit immer dem Wahlergebnis anpasse, habe ich mehr Freude am Leben.“

(Harald Schmidt über die Wahl von Trump)

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Meine Formel für die Größe am Menschen: Das Nothwendige nicht bloss ertragen, noch weniger verhehlen sondern es lieben.“

(Nietzsche)

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Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“

(Václav Havel)

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„Es gibt keinen größeren Trost für die Mittelmäßigkeit, als dass das Genie nicht unsterblich sei.“

(Goethe)

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Dass die großen Menschen nicht glücklich waren, ist der schauderhafte Trost der Mediokren.“

(Norbert Bolz)

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Ein gewichtiger Trost für den erkannten Stümper sind die verkannten Genies.“

(Klonovsky)

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Wie viele Talente und Genies bleiben durch Verhältnisse unentwickelt und zurückgehalten, wie viele Dummköpfe dagegen durch Erziehung und Künstelei in die Höhe gehoben.“

(Goethe 1815)

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Wie viele tausende von möglichen Fichtes mag es gegeben haben, denen kein Herr von Miltitz begegnet ist? Und aus ihrer Perspektive, der Perspektive der verhinderten Genies, muss Geschichte geschrieben werden.“

(Walter Jens)

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Es gibt keine verkannten Genies, das ist meine Erfahrung. Die meisten, die arme Schlucker sind, sind es zurecht. Jeder, der zwei Grimassen im Keller schneidet und sagt: ,Ich lehne das bürgerliche Theater ab’, dem muss man ehrlicherweise sagen: ‚Das bürgerliche Theater dich auch.‘ Es scheitert sicher nie am Geld. Talent setzt sich immer irgendwann durch. Der echte Künstler ist arm und leidet für sein Werk und ist, ganz offen gesagt, auch bereit, für sein Werk zu sterben, wenn ihn die Gesellschaft ablehnt. So war das jedenfalls mit den Künstlern, die ich verehre.“

(Harald Schmidt)

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Für die Kunst: Talent ist notwendig, Fleiß wichtig, doch entscheidend ist der Mut: Daß man den Wahnsinn besitzt, seinem Stern zu folgen.“

(Schilling)

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Freund, wer den Himmel nicht / Erobert und bestürmt, / Der ist nicht wert, daß ihn / Sein Oberster beschirmt.“

(Angelus Silesius)

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Wer sich nicht nach der Decke streckt, / Dem bleiben die Füße unbedeckt.“

(Goethe)

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Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, / Der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet, / Der dich erhält, / Wie es dir selber gefällt; / Hast du nicht dieses verspüret?“

(Joachim Neander)

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„Denn wer isst und trinkt und nicht bedenkt, welcher Leib es ist, der isst und trinkt sich selber zum Gericht.“

(1. Korinther 11:29)

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Wer je sass bei solchem mahle / Wie kann der noch untergehn? / ›Diese trinken sich das leben / Jene essen sich den tod.‹“

(George)

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Und er kann töten, ohne zu berühren.“

(Hofmannsthal über George)

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Dies ist der Pfeil des Meisters.“

(Max Kommerell auf dem Sterbebett)

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„Ist Achilles möglich mit Pulver und Blei? Oder überhaupt die ‚Ilias‘ mit der Druckerpresse oder gar Druckmaschine? Hört das Singen und Sagen und die Muse mit dem Preßbengel nicht notwendig auf, also verschwinden nicht notwendige Bedingungen der epischen Poesie?“

(Karl Marx)

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Wenn die Memoiren als Literaturgattung ausgestorben sind, weil ohnehin alle ungefähr dasselbe Leben führen, hat der Fortschritt ein weiteres Etappenziel erreicht.“

(Klonovsky)

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Eines schickt sich nicht für alle. / Sehe jeder, wie er’s treibe, / sehe jeder, wo er bleibe, / und wer steht, daß er nicht falle!“

(Goethe)

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Nicht ungestraft gehen alle Menschen gleich angezogen, gehen alle Frauen gleich gekleidet, gleich geschminkt: die Monotonie muß notwendig nach innen dringen. Gesichter werden einander ähnlicher durch gleiche Leidenschaft, Körper einander ähnlicher durch gleichen Sport, die Geister ähnlicher durch gleiche Interessen. Unbewußt entsteht eine Gleichartigkeit der Seelen, eine Massenseele durch den gesteigerten Uniformierungstrieb, eine Verkümmerung der Nerven zugunsten der Muskeln, ein Absterben des Individuellen zugunsten des Typus.“

(Stefan Zweig)

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Dem gewaltigsten Kollektivierungsprozess der bisherigen Geschichte haben Soziologen den Namen Individualisierung gegeben.“

(Klonovsky)

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Papa seine Meinung sagt, / Bis der Elternbeirat tagt: / Eine Meute von Diversen / Heftet sich an seine Fersen.“

(Pommerening)

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Wo unersättliche gierde / Von dem pol bis zum gleicher / Schon jeden zoll breit bestapft hat / Mit unerbittlicher grelle / Ohne scham überblitzend / Alle poren der welt.“

(George)

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Dieselben Schienenstränge, Telegraphendrähte, Starkstromleitungen durchschneiden mit roher Geradlinigkeit Wald und Bergprofile, sei es hier, sei es in Indien, Ägypten, Australien, Amerika; bei uns wie anderswo werden die Gefilde verkoppelt, Gräben zugeschüttet, blühende Hecken rasiert, schilfumstandene Weiher ausgetrocknet; die blühende Wildnis der Forste von ehedem hat ungemischten Beständen zu weichen.“

(Klages)

*

Mögen wir fahren, laufen und gehen, so rasch und weit wir wollen – gelangen wir noch anderswohin?“

(Böckelmann)

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Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben ist, soll ebener Weg werden.“

(Lukas 3:5)

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Fasern Pfade / Schatten-um, / Was gerade / War, wird krumm, / Weg, Zenit-an, / Führt hinab, / Was verschied, rann / Aus dem Grab.“

(Schilling)

*

Der schreitet noch – er schleiche und hinke / Der schaut noch – macht dass er schiele und zwinke!“

(George)

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Die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt.“

(Matthäus 11:5)

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Wenn der lahme Weber träumt, er webe, / Träumt die kranke Lerche auch, sie schwebe, / Träumt die stumme Nachtigall, sie singe, / Daß das Herz des Widerhalls zerspringe.“

(Brentano)

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Roland Barthes hatte lange geplant, einen Roman nach Proust’schem Vorbild zu schreiben. Stattdessen verbrachte er sein Leben damit, die Texte anderer zu analysieren. Er, der unzählige Notizen für seinen ungeschriebenen Roman hinterließ und abends im Bett mit Genuss Chateaubriand las, verkündete den Tod des Autors, weil es ihm nicht gelang, selber einer zu werden.“

(Michael Onfray)

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Es gab schon manchen, der, als er nicht mehr weiterkam, die Prosa für erschöpft hielt.“

(Jünger)

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Ist man erst einmal gescheitert, so findet sich auch eine Theorie, die das Scheitern als ein unausweichliches rechtfertigt.“

(Schilling)

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Du machst einfach was du machst und später musst du es dann ideologisch unterfüttern.“

(Harald Schmidt zu Roger Schawinski)

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Einer Generation anzugehören ist weniger eine Notwendigkeit als eine Entscheidung gewöhnlicher Seelen.“

(Gómez Dávila)

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Eine Handvoll gleichaltriger Schwätzer macht noch keine Generation.“

(Rudolf Borchardt)

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Sie Ärmster. Deswegen bin ich gegen Familie.“

(Karl Lagerfeld auf Till Lindemanns Bekenntnis hin, sein Enkel nenne ihn ‚Opa‘)

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Der du gebietend schreitest / Durch Sichelklang und Saat, / Sich mühen heißt dir beten / Und Andacht ist dir Tat, / Im Werke meiner Hände / Hör meiner Sehnsucht Schrei, / Du Gott, zu dem ich bete, / Ach, geh mir nicht vorbei.“

(Lulu von Strauß und Torney)

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Es giebt im Grunde nur Gebete, / So sind die Hände uns geweiht, / Daß sie nichts schufen, was nicht flehte; / Ob einer malte oder mähte, / Schon aus dem Ringen der Geräte / Entfaltete sich Frömmigkeit.“

(Rilke)

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Ihn treibt die Gärung in die Ferne, / Er ist sich seiner Tollheit halb bewußt; / Vom Himmel fordert er die schönsten Sterne / Und von der Erde jede höchste Lust.“

(Goethe)

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Du siehst, ich will viel. / Vielleicht will ich Alles: / Das Dunkel jedes unendlichen Falles / Und jedes Steigens lichtzitterndes Spiel.“

(Rilke)

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Die Eltern, die sich bei aller Bescheidenheit der Verantwortung voll bewusst waren, die ein solcher Sohn ihnen aufbürdete, nahmen die bei der Landbevölkerung in solchen Fällen übliche Haltung ein und opferten sich selbst und die anderen Kinder diesem einen, außergewöhnlichen.“

(Rudolf Borchardt über George)

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„Dass sich das größte Werk vollende, / Genügt ein Geist für tausend Hände.“

(Goethe)

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Das war der Mann, der immer wiederkehrt, / Wenn eine Zeit noch einmal ihren Wert, / Da sie sich enden will, zusammenfasst. / Da hebt noch einer ihre ganze Last / Und wirft sie in den Abgrund seiner Brust.“

(Rilke)

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Zum Fluge sich empörend zückt er frei / Das stolze Haupt und weiß nichts mehr vom Leide / Der vielen, die vergingen, daß er sei.“

(Schilling)

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Denn wo ein Land ersterben soll, da wählt / Der Geist noch Einen sich zuletzt, durch den / Sein Schwanensang, das letzte Leben tönet.“

(Hölderlin)

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Die mit mir leben, sind mir längst gestorben. / An ihrer Nacht hab ich das Recht erworben, / Unangetastet in mein Licht zu steigen.“

(Weinheber)

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Er schritt im Schimmer letzten Lichts, / Das Sand und See wie je besamtet, / Und alle Schwere trug er des Gewichts, / Des greisen Priesters, der als letzter amtet.“

(Baal Müller)

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Wer so hoch wuchs, der ist einsam: Er hat keine Brüder, nur Kinder, mißratene, ungezogene, unselige, die den Credit abzuzahlen haben, den die Natur ihrem Zeuger gewährte.“

(Schilling)

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Hast du doch Flügel eben / Und das gewalt’ge Wort; / Halt‘ hoch dich über dem Leben, / Sonst geht’s über dich fort.“

(Eichendorff)

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Wind hebt zu weben an / Aus Wolkentoren, / Wer da nicht schweben kann, / Ist schon verloren.“

(Schilling)

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Ich kann nur jeden beglückwünschen, der die Bodenhaftung verloren hat – denn unten sind sie ja alle.“

(Harald Schmidt über Uli Hoeneß)

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Der steigt empor – ihn soll man loben! / Doch jener kommt allzeit von oben! / Der lebt dem Lobe selbst enthoben, / Der ist von Droben!“

(Nietzsche)

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Gleich Adlern, die im klaren Äther schwimmen, / Hält sich zur Vogelschau der Geist sublim. / Man muss den höchsten Gipfel nicht erklimmen: / Von oben kommend landet man auf ihm.“

(Schilling)

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Damals wurde es mir deutlich, daß die Panik, deren Schatten immer über unseren großen Städten lagern, ihr Pendant im kühnen Übermut der Wenigen besitzt, die gleich Adlern über dumpfem Leiden kreisen.“

(Jünger)

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Die Tragik des modernen Menschen ist nicht, dass er immer weniger über den Sinn des eigenen Lebens weiß, sondern dass ihn das immer weniger stört.“

(Václav Havel)

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„Kulturpessimist wird geheißen, wer auf dem überfluteten Vorderdeck kein Liedchen trällern mag.“

(Klonovsky)

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Wenn du in vierzig Jahren einen Band von mir kaufen willst, musst du im Geschäft drei Mal meinen Namen buchstabieren.“

(George zu Percy Gothein)

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„Niemand kennt mich. Zehn Jahre nach meinem Tod werden auch meine Lieder vergessen sein.“

(Bruno Balz)

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Wenn ich hier draußen jedem, der den Namen Robert Menasse kennt, hundert Euro gebe, komme ich mit Gewinn zurück. Sehen Sie sich doch Umfragen an, was die Leute interessiert. Die sind vollauf damit beschäftigt, sich Katzenohren aufzumontieren bei Instagram.“

(Harald Schmidt)

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„Ich weiß nicht, welche Waffen im nächsten Krieg zur Anwendung kommen, wohl aber, welche im übernächsten: Pfeil und Bogen.“

(Einstein)

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„Wo itzund Städte stehn, wird eine Wiese seyn, /
Auf der ein Schäferskind wird spielen mit der Herden.“

(Gryphius)

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Die Stunde der Gegenwirkung wurde versäumt, und wir alle, die wir aus leidenschaftlicher Liebe des Lebens so Grauenvolles beweinen müssen, sind ‚letzte Mohikaner‘. Wer aber von solchen noch Wünsche zu hegen wagt, müßte nur eins wünschen: daß eine derart Verruchtes vollbringende Menschheit so schnell wie möglich absinke, veraffe, verende, damit um ihre verwitternden und verfallenden Arsenale des Mordes noch ein Mal begrabend, entmischend und sich selber erneuernd der Rausch der Wälder brande.“

(Klages)

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Im hohen neunzehnten Jahrhundert trug man das Genie als Kostüm. Rembrandtkopf, Samt und Barett, kurz der Archetyp des Künstlers verwandelten sich in ein verinnerlichtes Stück Mobiliar. Das wird Thomas Mann an Wagner nicht übersehen haben, den er liebte mit empfindlicher Liebe. Scham über die Selbstbezeugung des Künstlers, des Genies, als das er sich drapiert, nötigt den Künstler, der eines Rests von Draperie nie ganz ledig wird, so gut es geht sich zu verstecken. Weil der Genius zur Maske geworden ist, muss der Genius sich maskieren.“

(Adorno)

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Der Künstler sollte in seinem Werk verschwinden und nicht davor stehen oder es gar verstellen. Schubert ist Schubert, aber Beethoven agiert wie einer, der den Beethoven spielt.“

(Schilling)

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Bach ist der größte Harmoniker gewesen, den es in der Geschichte der Musik gab. Bei ihm tönt die Musik-Sprache ganz selbstverständlichEr hat überhaupt nicht diese etwas selbstdemonstrative imperiale Geste, die man doch bei Beethoven, auch bei Wagner und überhaupt im ganzen 19. Jahrhundert bis zu Strauss hin finden kann.“

(Joachim Kaiser)

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Schon der Stil von George, Rilke, Mahler ist gebrochen, ist zu sehr Stil. Es bedarf schon einer bewussten Absicht, eines Stil-Willens, um Stil zu bilden. Für Goethe und Mozart ergab sich Stil noch von selbst.“

(Schilling)

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Alle schlechte Kunst hat eines gemeinsam: Absichten.“

(Klonovsky)

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Ich kenne eine Regieassistentin, deren Lebenskrönung war es, als ihr Hans Neuenfels nachgeschrien hat: ›Du Faschistensau, geh aufs Klo und spül dich runter!‹“

(Harald Schmidt)

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Für und unter Karajan würde ich auch den Sarastro singen.“

(Mirella Freni)

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Es ist von sehr tiefer Bedeutung, daß gerade das kräftigste Leben sich am willigsten opfert. Besser ist es, unterzugehen wie ein zersprühender Meteor, als zitternd zu verlöschen.“

(Jünger)

*

Lieber will ich ein prächtiger Meteor sein, der in all seinen Atomen zugleich verglüht, als ein langlebiger, verschlafener Planet. Ich werde meine Tage nicht dazu verschwenden, sie zu verlängern.“

(Jack London)

*

Nicht ist weise bis zur lezten frist / Zu geniessen wo vergängnis ist. / Vögel flogen südwärts an die see · / Blumen welkend warten auf den schnee.“

(George)

*

Some people live their lives and others just survive / Some people live on love and others live on life.“

(Andy Williams)

*

Aber Vergängliches / Gibt schmaler Schönheit Kraft, / Eh sie ein herbstlicher Stern / Ewig entrafft.“

(Weinheber)

*

Das Leben erschien den Griechen nicht leicht und luftig, in rosa und hellblauen Farben, sonder hart, ungerecht, mühevoll, unstet und vergänglich. Wahrscheinlich haben sie es gerade deshalb so aufwendig verherrlicht und so leidenschaftlich geliebt.“

(Konrad Adam)

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The way to love anything is to realize that it might be lost.“

(Chesterton)

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Denn unsre Bedrängnis, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit.“

(2. Korinther 4:17)

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Nur Salamander bleiben heil / Im Feuer. Wir, aus mürberm Stoff gestaltet, / Vergehn am Göttlichen, das uns durchwaltet.“

(Schilling)

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„Freund, wer in jener Welt / Will lauter Rosen brechen, / Den müssen vorher hier / Die Dornen g’nügsam stechen.“

(Angelus Silesius)

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Jedem Blick, der brennt, / Ist ein Blitz verpfändet, / Der dein Auge blendet / Und zerstört am End.“

(Schilling)

*

Denn unser Gott ist ein verzehrendes Feuer.“

(Hebräer 12:29)

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Kein Mensch ist freudiger / Als der zu aller Stund / Von Gott und seiner Lieb‘ / Entzündt wird und verwundt.“

(Angelus Silesius)

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Und ich seh sie, Wind-berührte / Flammen, die das Dunkel schenkt: / Einen, der das Feuer schürte, / Einen, der die Fackel senkt. / Jener ist des Traums Entzünder, / Meinem Wort erwählt von je, / Dieser ist des Tods Verkünder, / Dem ich schweigend untersteh.“

(Schilling)

*

Die Geschichtsschreibung ist die Unfallchronik der Menschheit.“

(Talleyrand)

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Die glücklichen Zeiten der Menschheit sind die leeren Blätter im Buch der Geschichte.“

(Leopold von Ranke)

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Dass Moskau verbrannt ist, tut mir gar nichts. Die Weltgeschichte will künftig auch was zu erzählen haben.“

(Goethe 1812 an Reinhard)

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Was mag das Jahr 1941 bringen, es wird sicher wieder eins von den großen; – Gott gebe uns auch bald wieder einmal ein ganz kleines, bescheidenes.“

(Jünger 1940 an Nebel)

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Sie sind mir nicht reinlich genug: sie trüben Alle ihr Gewässer, dass es tief scheine.“

(Nietzsche über die Dichter)

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Rätsel, die zu lösen endlich, / Werden sie »natürlich« schelten. / Nur was ewig unverständlich, / Wird als Offenbarung gelten.“

(Paul Heyse)

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„Die Vierung west als das ereignende Spiegel-Spiel der einfältig einander Zugetrauten. Die Vierung west als das Welten von Welt. Das Spiegel-Spiel von Welt ist der Reigen des Ereignens. Deshalb umgreift der Reigen auch die Vier nicht erst wie ein Reif. Der Reigen ist der Ring, der ringt, indem er als das Spiegeln spielt. Ereignend lichtet er die Vier in den Glanz ihrer Einfalt. Erglänzend vereignet der Ring die Vier überallhin offen in das Rätsel ihres Wesens. Das gesammelte Wesen des also ringenden Spiegel-Spiels der Welt ist das Gering. Im Gering des spiegelnd-spielenden Rings schmiegen sich die Vier in ihr einiges und dennoch je eigenes Wesen. Also schmiegsam fügen sie fügsam weltend die Welt.“

(Heidegger)

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Hurz!“

(Hape Kerkeling)

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Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!“

(2. Korinther 6:2)

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Woher soll Platon denn erkannt werden, wenn nicht von einer bestimmten Realität und Gegenwart aus? Sonst ist die Antike ein vermauerter Tempel.“

(George)

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Wer klar das Heut‘ erfaßt, / Erkennt die Gestern alle und die Morgen.“

(Grillparzer)

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Und was ihr heut nicht leben könnt wird nie.“

(George)

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Auch wenn wir wissen, daß alles zu Grunde geht, müssen wir jedes unserer Quartiere für eine Nacht in Granit bauen.“

(Gómez Dávila)

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The here and now is all that we own in the world.“

(Alan & Marilyn Bergman)

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Blüh auf, gefrorner Christ, / Der Mai ist vor der Tür. / Du bleibest ewig tot, / Blühst du nicht jetzt und hier.“

(Angelus Silesius)

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Ich rathe: suche nicht / den Himmel übermorgen. / Kommst du nicht heut in ihn: / Er bleibt dir stets verborgen.“

(Daniel Czepko von Reigersfeld)

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Der tag war da: so stand der stern. / Weit tat das tor sich dir dem herrn / Der heut nicht kam bleib immer fern! / Er war nur herr durch diesen stern.“

(George)

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Du hast gehofft, dein Lohn ist abgetragen, / Dein Glaube war dein zugewognes Glück. / Du konntest deine Weisen fragen, / Was man von der Minute ausgeschlagen, / Gibt keine Ewigkeit zurück.“

(Schiller)

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„Trotzdem harre hoffend im Absurden, / Pflanz dein Apfelbäumchen jetzt und hier! / Denn das Feuer, draus die Welten wurden, / Brennt noch immer rein und stark in dir.“

(Schilling)

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Wer jedoch wirklich berufen ist, der steht zu jeder Stunde und an jedem Orte im elementaren Raum.“

(Jünger)

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Ein Traum, ein Traum ist unser Leben / Auf Erden hier. / Wie Schatten auf den Wogen schweben / Und schwinden wir, / Und messen unsre trägen Tritte / Nach Raum und Zeit; / Und sind (und wissen’s nicht) in Mitte / Der Ewigkeit.“

(Herder)

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Dort in der Ewigkeit / Geschiehet alls zugleich, / Es ist kein Vor noch Nach / Wie hier im Zeitenreich.“

(Angelus Silesius)

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Ach! da stürzt ich mit den Wesen allen / Freudig aus der Einsamkeit der Zeit, / Wie ein Pilger in des Vaters Hallen, / In die Arme der Unendlichkeit.“

(Hölderlin)

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Von irgendeiner alten Grausamkeit / Vergraben in den Wangen sich die Schmerzen.“

(Ernst Bertram über George)

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Es ließ den stolzen Geist erkennen, wie er sich wehrte gegen die schlimme Zeit, die er in drohend schönen Psalmen selbst vorausgesagt hatte; das noch jugendlich gewellte Haar war weiß geworden über der altersklaren Stirn, das früher schmerzlich zarte Antlitz zu löwenhafter Gedrungenheit umgeformt.“

(Hans Carossa über das Altersbild eines Dichters)

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Ein Antlitz nicht aus unserer Zeit.“

(Heidelberger Student über George)

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Unzeitgemäßheit ist die Vorhalle der Zeitlosigkeit.“

(Meynrath)

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Gerwalter, glutgestählte, / Zersensen Frucht und Keim, / Doch wen das Los erwählte, / Fällt keiner Zeit anheim.“

(Schilling)

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Frühtag, darum sich die Nacht als ein reines Vergessen / Schlang, als uns Lethe, noch nicht zu den Schatten verbannt, / Abhielt, am Tage die anderen Tage zu messen, / Hast du dein Wunder in dunkle Bereiche gewandt.“

(Uwe Lammla)

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Glanz und Elend des Historismus, der das Entscheidende preisgibt: die Aura, die Ehrfurcht, die Ganzheit, aber ohne diese Gesinnung würden die Forschungen nicht unternommen, die Funde nicht gemacht. Es fragt sich, was dadurch gewonnen wurde, zumal das homerische Troja wirklicher ist als jedes, das ein Ausgräber rekonstruiert. Das Vergangene ist immer nur da in der Vorstellung des Gegenwärtigen, durch Schliemann wird weniger bei- als abgetragen, ich halte mich an Nietzsches dionysische Vision.“

(Schilling)

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Ich vertraue eher der metaphorischen Anschauung, denn von ihr geht höhere Sicherheit aus. Sie schafft den Grundstock für jene Erinnerung, die das Geistige belebt.“

(Angerer der Ältere)

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Das ist der Sinn von allem, was einst war, / Daß es nicht bleibt mit seiner ganzen Schwere, / Daß es zu unserm Wesen wiederkehre, / In uns verwoben, tief und wunderbar.“

(Rilke)

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Auch Homer stand bereits auf den Schultern von Riesen, mag sein, wir wissen es nicht, und eine unsrer Traum-Aufgaben verlangt von uns die Wieder-Erweckung der frühsten Gesichte, nicht aus Gräbern und Ruinen, sondern im Innersten, in uns.“

(Schilling)

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Mir ekelt vor diesem tintenklecksenden Säkulum.“

(Schiller)

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Zum Verfall gehört auch das Auftreten bestimmter Wissenschaften zu bestimmten Zeiten. Im 19. Jahrhundert war es die Archäologie, später die Paläontologie. Die Alten Griechen gruben keine antiken Statuen aus. Sie schufen welche.“

(Schilling)

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Die Rätsel der alten Ägypter waren ebenso die Rätsel für die Ägypter selbst.“

(Hegel)

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Nie stellt Europa Fragen und wartet auf Antwort. Obwohl es längst verstanden hat, dass die anderen sich selbst nicht verstehen und darin ihre Stärke besteht, rüstet es unablässig zur Verständigung.“

(Böckelmann)

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Ein Kunstwerk ist nur dann wahr, wenn es sich selbst nicht versteht.“

(Adorno)

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Die Kunst ist unendlich, endlich aller Künstler Wissen und Können.“

(Caspar David Friedrich)

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Die Kunst ist überall am Ziel.“

(Schopenhauer)

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Die Kraftlinien der Intention führen in die Kunst hinein, nicht aus ihr hinaus.“

(Safranski)

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Das Gedicht ist nicht Mittel zum Zweck, sondern als Quintessenz unserer Geistes- und Seelenkräfte das Höchste für uns Erreichbare, in dem wir Erfüllung, Erhebung und vielleicht Erlösung finden.“

(Schilling)

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Stündlich webt er im Ganzen / Drängend zum Traum des Gedichts / Seine schweren Substanzen / Selten und langsam ins Nichts.“

(Benn)

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Über Goethe habe ich wirklich einen großen Aufschluss bekommen. Er lebt eben wie der Dichter mit dem Ganzen oder das Ganze in ihm. Er fühlt sich als ein höheres Wesen. Seitdem ich weiß, was ein Dichter und Künstler ist, seitdem verlange ich kein engeres Verhältnis.“

(Karoline Herder)

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Wissenschaft setzt an die Stelle des lebendigen Subjekts ein abstraktes, hypothetisches Subjekt, eine Art von idealem Beobachter, der wie eine Maschine arbeitet. Aber indem man im Menschen ein Wesen erkannte, das den Gesetzen der Mechanik und der Chemie untersteht, ist man ihm nicht nähergekommen, man hat sich von ihm entfernt. Man suchte, ‚erdichtete‘ Zusammenhänge durch ‚wirkliche‘ zu ersetzen. Man hat eine schlüssige Mythologie durch eine schlechte Mythologie ersetzt.“

(Schilling)

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Das ganze Unglück besteht darin, dass die Wahrheit des griechischen Mythos zur bloßen Fabel wurde.“

(Albert von Schirnding)

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Die Götter sind erdichtet, doch nicht fabuliert. Das ist ein Irrtum oder eine Unterstellung, die wiederkehrt. Dem Dichter selbst geschieht Unrecht, wenn man ihn rein als Fabulierer sieht. Das ist nur eine Sparte seiner Kraft. Bevor er Wort und Handlung findet, ist etwas anderes geschehen.“

(Jünger)

*

Ach, da euer Wonnedienst noch glänzte, / Wie ganz anders, anders war es da! / Da man deine Tempel noch bekränzte, / Venus Amathusia! / Da der Dichtung zauberische Hülle / Sich noch lieblich um die Wahrheit wand, – / Durch die Schöpfung floß da Lebensfülle, / Und was nie empfinden wird, empfand.“

(Schiller)

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Im Innern quillt euch allen treu ein Geist, / Der diesem Chaos toter Sachen / Beziehung einzuhauchen heißt, / Und euren Garten draus zu machen.“

(Hofmannsthal)

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Totes Wissen sammelt nur die Teile, / Erst im Glauben gründet sich Natur, / Wer die Himmel denkt, voll innerm Heile, / Schaut im Chaos Gottes goldne Spur.“

(Schilling)

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Ihr lebtet stark in einer starken Zeit, / Die dunkel noch im Unbewussten lag / Als wie ein Korn in Mutter Erde Schoß.“

(Pfitzner)

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Nur was im schützenden schlaf / Wo noch kein taster es spürt / Lang in tiefinnerstem schacht / Weihlicher erde noch ruht – / Wunder undeutbar für heut / Geschick wird des kommenden tages.“

(George)

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Wisse, wenn in Schmerzensstunden / Dir das Blut vom Herzen spritzt: / Niemand kann die Welt verwunden, / Nur die Schale wird geritzt. / Tief im innersten der Ringe / Ruht ihr Kern getrost und heil. / Und mit jedem Schöpfungsdinge / Hast du immer an ihm teil.“

(Werner Bergengruen 1944)

*

„Die letzten geschriebenen Worte Wagners an mich stehen in einem schönen Widmungs-Exemplare des Parsifal: »Meinem theuren Freunde Friedrich Nietzsche. Richard Wagner, Ober-Kirchenrath.« Genau zu gleicher Zeit traf, von mir gesendet, bei ihm mein Buch »Menschliches, Allzumenschliches« ein – und damit war Alles klar, aber auch Alles zu Ende. Wie oft habe ich, in allen möglichen Dingen, gerade dies erlebt: »Alles klar, aber auch Alles zu Ende«!“

(Nietzsche an Lou Andreas-Salomé)

*

Doch des Bewusstseins Licht, das tödlich grelle, / Das störend aufsteigt wie der freche Tag / Ist Feind dem süßen Traumgewirk, / Dem Künsteschaffen; / Der Stärkste streckt vor solcher Macht die Waffen.“

(Pfitzner)

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Nur durch den zauber bleibt das leben wach.“

(George)

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Die Kunst ist mächtiger als die Erkenntnis, denn sie will das Leben und jene erreicht als letztes Ziel nur – die Vernichtung.“

(Nietzsche)

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Die Naturen von deiner Art, die mit den starken und zarten Sinnen, die Beseelten, die Träumer, Dichter, Liebenden, sind uns andern, uns Geistmenschen, beinahe immer überlegen. Eure Herkunft ist eine mütterliche. Ihr lebt im Vollen, euch ist die Kraft der Liebe und des Erlebenkönnens gegeben. Wir Geistigen, obwohl wir euch andere häufig zu leiten und zu regieren scheinen, leben nicht im Vollen, wir leben in der Dürre. Euch gehört die Fülle des Lebens, euch der Saft der Früchte, euch der Garten der Liebe, das schöne Land der Kunst. Eure Heimat ist die Erde, unsere die Idee. Eure Gefahr ist das Ertrinken in der Sinnenwelt, unsere das Ersticken im luftleeren Raum. Du schläfst an der Brust der Mutter, ich wache in der Wüste. Mir scheint die Sonne, dir scheinen Mond und Sterne.“

(Hesse)

*

Die Wissenschaft ist mächtig, doch der Kunst stehen die Engel bei.“

(Wahlspruch Friedrich Hechelmanns an der Pforte von Schloss Isny)

*

Die Spendung des Dichters ist stärker als die gesamte Leistung der Wissenschaft. Die Welt kann ohne Wissenschaft leben, doch ohne Dichtung nie.“

(Jünger)

*

Die ’normalen‘ Leute sind Schuldner des Dichters. Sie halten sich aber für Gläubiger.“

(Schilling)

*

Die Rose ist ohne Warum, / Sie blühet nur, weil sie blühet, / Achtet nicht ihrer selbst, / Fragt nicht, ob man sie siehet.“

(Angelus Silesius)

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Da es mir heilig einst, / Dunkle Gewalten! / Galt es, dem Leiden die / Treue zu halten. / Flammend und flammeklar / Wuchs mein Gedicht. / Daß ich ein König war, / Wußte ich nicht.“

(Weinheber)

*

Und überm Herz, groß wie ein Lindenblatt, die verwundete Stelle: Ich halte sie fürsorglich offen, um nicht allzu früh dem Wahn zu erliegen, ein Gott zu sein (der ich allerdings bin).“

(Schilling)

*

Bescheidenheit ist ein Befund / Und fordert ewig nichts denn Tote: / Sieh, die Titanic sank auf Grund / Aufgrund der schweren Rettungsboote.“

(Lisa Eckhart)

*

Sieh da! Sieh da, Timotheus, / Die Kraniche des Ibykus!“

(Schiller)

*

Sieh da! Sieh da, Timotheus, / Die Enten des Relotius!“

(Anonym)

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Der Glaube daran, dass es Worte von mächtiger Kraft gibt, Worte die öffnen, und die Zuversicht auf sie, haben den Menschen nie ganz verlassen, selbst nicht in Zeiten, in denen die Theologie verflacht.“

(Jünger)

*

Und er, der sprachlos waltet, und unbekannt / Zukünftiges bereitet, der Gott, der Geist, / Im Menschenwort, am schönen Tage / Wieder mit Namen, wie einst, sich nennet.“

(Hölderlin)

*

Wenn sich die Welt ins freye Leben / Und in die Welt wird zurück begeben, / Dann fliegt vor Einem geheimen Wort / Das ganze verkehrte Wesen fort.“

(Novalis)

*

Nicht der Dichter ist weltfremd. Die Welt ist weltfremd.“

(Schilling)

*

In gespenstischer Zeit ist jede Wanderung – und jede Schifffahrt – eine Erkundungsfahrt: Ob ‚da draußen‘ denn noch Wirklichkeit und man selbst in ihr anwesend sei.“

(Böckelmann)

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Unmöglich kann der Mensch als wie Meeresschleim mit allem zusammenfließen, unmöglich alles in gleichem Maße lieben. Er schadet damit dem Guten so sehr als dem Bösen und verliert zuletzt ganz sein Urteil und seinen Standpunkt.“

(Herder)

*

Unterschiedslosigkeit infiziert die besten Zwecke. Retten wollen um der Rettung willen, keine Ahnung haben, was man retten möchte – solche Menschlichkeit macht mit ihrem Gegenüber weniger Federlesens als Todfeindschaft.“

(Böckelmann)

*

Wenn man glaubt, dass der Mensch vom Menschen gerettet werden kann, ist man reif für den Kommunismus oder für den Nationalsozialismus.“

(Joseph Roth)

*

Die Kommunisten hatten einen Instinkt für Gefahren und für Qualität – was für sie meistens dasselbe war.“

(Schilling)

*

Das Werk ist die Totenmaske der Konzeption.“

(Walter Benjamin)

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Ihr wart doch all einmal gefühlt, / Gezeugt von zuckenden, lebendgen Launen, / Vom großen Meer emporgespült, / Und wie den Fisch das Netz, hat euch die Form gefangen.“

(Hofmannsthal)

*

Das ist das erste klagen / Weil hellster traum als wort nur trügt / Und weites stolzes jagen / So wirr und schwach wird wenn gefügt.“

(George)

*

Wie eine tiefe weise / Die uns gejubelt und gestöhnt / In neuem paradeise / Noch lockt und rührt wenn schon vertönt.“

(George)

*

Du hast dich so unendlich groß begonnen / An jenem Tage, da du uns begannst, – / Und wir sind so gereift in deinen Sonnen, / So breit geworden und so tief gepflanzt, / Daß du in Menschen, Engeln und Madonnen / Dich ruhend jetzt vollenden kannst.“

(Rilke)

*

Im Dom, den die Seelen erbauen, / Vom Pfeiler zur Rune, der rauhen, / Durch Masken in Babel und Rom, / Vom Priester des Hor zum Druiden / Fließt Gott durch die Herzen hienieden / Dahin wie ein ewiger Strom.“

(Victor Hugo)

*

Es ist ein Grundtrieb, der sich in dorischen Säulen und gotischen Domen ausdrückt und der seine Zeichen setzen wird, solange der Mensch vom Leben mehr begehrt als das tägliche Brot.“

(Schilling)

*

„Was möglich war, erkennt man heute nur auf einem begrenzten Felde, nämlich auf dem der Kunsthistorie. Daß aber alle diese Bilder, Paläste, musealen Städte nichts bedeuten, verglichen mit der schöpferischen Urkraft – mit dem Gedanken hatten die Futuristen Recht. Der große Strom, der diese Gebilde wie bunte Muscheln hinterließ, kann nicht versiegt sein – er fließt unterirdisch fort.“

(Jünger)

*

Der Strom, der in Klarheit und Glut / Die Füße Homers einst umflossen, / Die nackten, von Schaum übergossen, / Am Saum der unendlichen Flut.“

(Victor Hugo)

*

Unter demselben Blau, über dem nämlichen Grün / Wandeln die nahen und wandeln vereint die fernen Geschlechter, / Und die Sonne Homers, siehe! sie lächelt auch uns.“

(Schiller)

*

Ist denn die Welt nicht übrig? Felsenwände, / Sind sie nicht mehr gekrönt von heiligen Schatten? / Die Ernte, reift sie nicht? Ein grün Gelände, / Zieht sich’s nicht hin am Fluss durch Busch und Matten?“

(Goethe)

*

Da geht der Sturm, ein Umgestalter, / Geht durch den Wald und durch die Zeit, / Und alles ist wie ohne Alter: / Die Landschaft, wie ein Vers im Psalter, / Ist Ernst und Wucht und Ewigkeit.“

(Rilke)

*

Grün ist der Wind und grün der Hang. / Hier lebte ich ein Lieben lang. / Der greise Berg ist spurlos jung. / Alt ist nur die Erinnerung.“

(Wolf von Aichelburg)

*

Dort liegt die Sphinx am Brunnen, / Dort grünt der Feigenbaum, / Dort, hinter diesen Fenstern, / Verträumt ich den ersten Traum.“

(Chamisso)

*

Später gedenkt es euch kaum: / Nie lag die welt so bezwungen · / Eines geistes durchdrungen / Wie im jugend-traum.“

(George)

*

Kindheit, beflügelter Pfeil, / Blick nach verwegensten Zielen, / Wanderung ohne Gespielen, / Morgenweit, zeitlos und heil.“

(Schilling)

*

Der tiefe Brunnen weiß es wohl; / In den gebückt, begriffs ein Mann, / Begriff es und verlor es dann. / Und redet‘ irr und sang ein Lied – / Auf dessen dunklen Spiegel bückt / Sich einst ein Kind und wird entrückt.“

(Hofmannsthal)

*

Wirke stetig im Geheimen. / Einer, gleichem Traum vertraut, / Liest dereinst aus deinen Reimen, / Was als letzter du geschaut.“

(Schilling)

*

Denn edlen Seelen vorzufühlen / Ist wünschenswertester Beruf.“

(Goethe)

*

Sind doch wirs! und wüßten sie noch in kommenden Jahren / Von uns beiden, wenn einst wieder der Genius gilt, / Sprächen sie: es schufen sich einst die Einsamen liebend / Nur von Göttern gekannt ihre geheimere Welt.“

(Hölderlin)

*

Fern in der Not jener anderen Zeit / Trägt es das Herz, das am Zeitlichen bricht. / Weitergegeben in Ewigkeit – / Immer vergänglich, vergeblich doch nicht.“

(Weinheber)

*

Wir nahen den Göttern in Stolz und in Demut. In Stolz, weil wir gottgleich sind. In Demut, weil wir es nur zuweilen sind.“

(Schilling)

*

Willkommen dann, o Stille der Schattenwelt! / Zufrieden bin ich, wenn auch mein Saitenspiel / Mich nicht hinab geleitet; Einmal / Lebt ich, wie Götter, und mehr bedarfs nicht.“

(Hölderlin)

*

Der Augenblick ist mein, / Und nehm ich den in Acht, / So ist der mein, der Zeit / Und Ewigkeit gemacht.“

(Gryphius)

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Befriedete Kundgebungen der Anheimgabe ans Vegetative.“

(Thomas Mann über das Schnarchen)

*

Der raunende Beschwörer des Imperfekts.“

(Thomas Mann über den Erzähler)

*

Metallenes werkzeug die lockung der erde betrügend.“

(Alexander von Stauffenberg über die Flugmaschine)

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In der Stadt wo an pfosten und mauereck / Jed nichtig begebnis von allerwärts / Für eiler und gaffer hing angeklebt.“

(George über die Litfaßsäule)

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In seinem Bauche schafft ein Feuer, / Das schwarzen Qualm zum Himmel treibt; / Ein Bild scheint’s von dem Ungeheuer, / Von dem die Offenbarung schreibt.“

(Justinus Kerner über den Dampfzug)

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Wer kauft mir dann noch meinen Ökosamen ab, wenn der automobile Wahnsinn tobt?“

(Friedmunt Sonnemann)

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Ich kann auch das lieben, was mich ängstet.“

(Hofmannsthal an George)

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Und dennoch fühl ich, wie verwandt, / Zu deinen Schauern mich gebannt, / Und Liebe muss der Furcht sich einen.“

(Droste-Hülshoff)

*

Das Verwischte-Verwehte-Verschleierte in den Äußerungen der Menschen nahm beängstigend zu. Ein flaches Glissando, so schnellte die Zunge über die Tasten der Worte hinab, und sie verloren darüber Klang und Sinn.“

(Botho Strauß)

*

Es zerfiel mir alles in Teile, die Teile wieder in Teile und nichts mehr ließ sich mit einem Begriff umspannen. Die einzelnen Worte schwammen um mich; sie gerannen zu Augen die mich anstarrten und in die ich wieder hineinstarren muß: Wirbel sind sie, in die hinabzusehen mich schwindelt, die sich unaufhaltsam drehen und durch die hindurch man ins Leere kommt.“

(Hofmannsthal)

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Die Worte haben mich allein gelassen. / Ich harre aus in stummer Heiterkeit. / Auf niemand wart ich, nirgends mehr zu zweit. / Die Dunkelheiten werden mich erfassen.“

(Wolf von Aichelburg)

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Worte, Worte aus grundlosem Schacht / Quellen, noch blutend, herauf, / Hol deine Reusen ans Ufer der Nacht, / Keins der Gestirne ging auf.“

(Schilling)

*

Es gibt keine Dummheit, die der moderne Mensch nicht zu glauben imstande wäre, sofern er damit dem Glauben an Jesus Christus ausweicht.“

(Gómez Dávila)

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Denn unter Beibehaltung der metaphysischen Struktur und Haltung treten immer neue Faktoren als absolute Instanzen auf.“

(Carl Schmitt)

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„Wenn ein religiöses System zertrümmert wird, wie das mit dem Christentum in der Reformation geschah, dann führt das nicht nur zu einer Entfesselung der Laster. Auch die Tugenden werden entfesselt, streifen noch haltloser umher und richten noch schrecklicheren Schaden an.“

(Chesterton)

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„Die hypertrophische Tugend kann ebenso zum Verderben eines Volkes führen wie das hypertrophische Laster.“

(Nietzsche)

*

„Niemals tut man so vollständig und so gut das Böse, als wenn man es mit gutem Gewissen tut.“

(Blaise Pascal)

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„Die Gewissenlosigkeit mordet nur. Das gute Gewissen rottet aus.“

(Klonovsky)

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Das Ungeheure des Lebens ist nur durch Zutätigkeit erträglich zu machen; immer nur betrachtet, lähmt es.“

(Hofmannsthal)

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Der Handelnde ist immer gewissenlos; es hat niemand Gewissen als der Betrachtende.“

(Goethe)

*

Claude Lorrain. Wenn in seinen Gefilden ein Mensch erscheint, so mindert das ihren Rang. Sie verlieren ihre Aura, ihre Traum-Präsenz. Nachdem ich das notiert habe, schlage ich in den Katalogen nach und bemerke, daß es menschenleere Szenerien bei ihm nicht gibt. Ich präzisiere und sage: Der handelnde Mensch, der geschichtliche Mensch hat hier nichts zu suchen, nur der Hirt, der Heger, der Sinnende, der Betrachtende, der Reisende, den es zu arkadischen Ufern verschlägt.“

(Schilling)

*

Wenn man von der Phantasie ausgeht, ist das Bild als Vorstellung vorhanden, ehe es Wirklichkeit wird. In meinem Fall dagegen wird ein Bild, das im Unsichtbaren verborgen ist, gleichsam herausgelöst. Der künstlerische Prozess ist ein zweifacher: Ich bin Realisator, artifex creator, lege dabei jedoch einen Inhalt frei, der unabhängig von mir existiert.“

(Fritz Hörauf)

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Wir sind für die Kunstwerke, die wir schaffen, so sehr und so wenig verantwortlich wie für unsere Träume oder wie Gott für die Welt.“

(Schilling)

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„Verbotene Früchte schmecken am besten.“

(Ovid)

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Aber die Sünde erkannte ich nicht außer durchs Gesetz. Denn ich wüsste nichts von der Begierde, wenn das Gesetz nicht gesagt hätte: »Du sollst nicht begehren!«“

(Römer 7:7)

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Die Majestät des Deutschen ruhte nie auf dem Haupt seiner Fürsten. Abgesondert vom politischen hat sich der Deutsche einen eigenen Wert gegründet, und wenn auch das Imperium unterginge, so bliebe die deutsche Würde unangefochten. Indem das politische Reich wankt, hat sich das geistige immer fester und vollkommener gebildet.“

(Schiller)

*

Wenn er als ein noch schönerer im leben / Jezt käme – wer dann ehrte ihn? er ginge / Ein könig ungekannt an euch vorbei.“

(George)

*

Aber sie haben zugleich auch einen verborgenen Kaiser, / Welcher am Brunnen vielleicht selber das Wasser sich schöpft, / Und – sei dieser ein Künstler, ein Denker oder ein Weiser – / Eh‘ das Jahrhundert vergeht, trägt er die Krone allein.“

(Hebbel)

*

Zerging in Dunst / Das heil’ge röm’sche Reich, / Uns bliebe gleich / Die heil’ge deutsche Kunst!“

(Wagner)

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„Wenn im Unendlichen dasselbe / Sich wiederholend ewig fließt, / Das tausendfältige Gewölbe / Sich kräftig ineinander schließt; / Strömt Lebenslust aus allen Dingen, / Dem kleinsten wie dem größten Stern, / Und alles Drängen, alles Ringen / Ist ewige Ruh in Gott dem Herrn.“

(Goethe)

*

Alles Wesentliche bleibt unveränderlich und unverändert und taucht in periodischen Intervallen immer wieder auf. Entwicklung, Fortschritt, Prozeß: alles nur Zeit-Illusionen, wechselndes Zeitkostüm (der Gottheit lebendiges Kleid? Der toten Götter dürres Laubgeraschel). Zeit und Meer, Raum und Land liegen fertig da wie die Partitur einer Symphonie, die manchmal aufgeführt wird und dann jahrelang wieder nicht.“

(Carl Schmitt zugeschrieben)

*

Sollte am Ende die Erde doch der einzig bewohnte unter diesen zahllosen Sternen sein? Dann würde vielleicht, wenn es dereinst zur Erbteilung kommt, auf jeden von uns einer jener Nebelflecke entfallen, die fünfzig Millionen Sonnen in sich vereinigen. Warum auch nicht? Sie sind ja nur wie ein Stecknadelknopf in unserem Gehirn. Wenn es in der Erde vermodert, gleicht es Aufgüssen aus faulem Stroh, das grüngebänderte Milchstraßen, geschweifte Kometen und rotierende Sonnen erzeugt. Das alles sind Träume des Absoluten, und Dimensionen sind leerer Trug.“

(Jünger)

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Ohne Rührung sieht er, wie die Erde / Eine andere ward, als ihm begann, / Nicht mehr Stirb und nicht mehr Werde: / Formstill sieht ihn die Vollendung an.“

(Benn)

*

Der Spiegel sagt mir: ich bin schön! / Ihr sagt: zu altern sei auch mein Geschick. / Vor Gott muß alles ewig steh’n; / In mir liebt Ihn, für diesen Augenblick.“

(Goethe)

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So siehst du alles fällige geschehen / Bevor es wird · indem du schaust zur mitte / Vor der als heutig alle zeiten stehen.“

(George)

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Jede Epoche ist unmittelbar zu Gott, und ihr Wert beruht gar nicht auf dem, was aus ihr hervorgeht, sondern in ihrer Existenz selbst, in ihrem Eigenen selbst.“

(Leopold von Ranke)

*

Wie sah St. Benedikt / Die Welt in einer Kohlen? / Es ist in allem alls / Verborgen und verhohlen.“

(Angelus Silesius)

*

A song wherein all earth and heaven and sea / Were molten in one music made of thee.“

(Swinburne)

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The echo of the whole sea’s speech / And all mankind is thus at heart / Not anything but what thou art / And Earth, Sea, Man, are all in each.“

(Dante Gabriel Rossetti)

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Dein Name falle / Den Hütern zu, / In dir sind alle, / In allen du.“

(Schilling)

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Und es ist das ewig Eine, / Das sich vielfach offenbart; / Klein das Große, groß das Kleine, / Alles nach der eignen Art.“

(Goethe)

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Eine bestimmte Frau kann für uns die Inkarnation der Aphrodite sein. Durch sie gelangt man zu etwas völlig anderem. Darauf beruht im übrigen das ganze Wesen der Liebe. Sie bezieht sich nicht auf das Wesen als solches, sondern auf das, was es für einen bedeutet und was der andere durch es fühlt. Die sichtbaren Dinge verweisen uns zurück auf eine unsichtbare Macht, und diese unsichtbare Macht ist immer dieselbe.“

(Jünger)

*

Der eine Sinn, der durch die Welt waltet, ist von jedem einzelnen Punkt aus anders sichtbar, bedarf für jeden Raum und jede Zeit anderer Zeichen. Wir leugnen nicht relativistisch den einen unbedingten Sinn, sondern wir suchen sein heut allein gültiges Zeichen.“

(Gundolf)

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Die Wunder wechseln, das Tremendum bleibt. Es gilt nicht dem Spiel der Willen mit ihrem Wiegen oder Toben, sondern der lautlosen Tiefe des Ozeans.“

(Jünger)

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Denn jedem wird ein andrer Gott erscheinen, / Bis sie erkennen, nah am Weinen, / Daß durch ihr meilenweites Meinen, / Durch ihr Vernehmen und Verneinen, / Verschieden nur in hundert Seinen / Ein Gott wie eine Welle geht. / Das ist das endlichste Gebet, / Das dann die Sehenden sich sagen: Die Wurzel Gott hat Frucht getragen.“

(Rilke)

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Gott ist, wen Götter geliebt; verehrt sei nun, wer verehrt hat.“

(Ovid)

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Das Dichterische und das Heldische sind eines: das Heldische, das heißt die Verehrung großer Menschen, und das ist ohne Dichtung nicht möglich.“

(George)

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Nicht jede Zeit findet ihren großen Mann, und nicht jede große Fähigkeit findet ihre Zeit.“

(Jacob Burckhardt)

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Ein großer Mann von kleiner Wirkung.“

(Golo Mann über Helmut Schmidt)

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Ein kleiner Mann von großer Wirkung.“

(George über Luther)

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Ein bösartiger Spießer mit hysterisch getrübtem Blick in der bleich gedunsenen Visage. Nichts, was auf Größe oder auch nur Begabung schließen ließe.“

(Klaus Mann über Hitler)

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Bei seinen feinsten Zügen schiebt der Weltgeist die unbedeutenden Figuren vor.“

(Jünger)

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Die Feste häufen sich in den Städten, die bald vom Feinde besetzt werden.“

(Ernst Bertram)

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Ich fuhr unglaubwürdigerweise zu Silvester 1944/45 vom Internat in Templin nach Elbing, einem kleinen Ort in Westpreußen. Nach Tilsit in Ostpreußen konnte man nicht mehr wegen der russischen Front. In Elbing traf sich meine Familie zum letzten Mal. Da alle das Gefühl hatten, dass es zu Ende ging und die Russen gleich da wären, öffneten sich plötzlich die Speicher und Tresore. Es war ein rauschendes, absurdes Silvesterfest.“

(Joachim Kaiser)

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Ihr hobet über körper weg und boden / Aus rauch und staub und dunst den bau · schon wuchsen / In riesenformen mauern bogen türme – / Doch das gewölk das höher schwebte ahnte / Die stunde lang voraus wo er verfiel.“

(George)

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Der, was du weinst, / So rein gewann, / Ein Adler einst, / Ein Falke dann, / Er führt dich hin / Zum Pfauenthron, / Schaut im Beginn / Das Ende schon.“

(Schilling)

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Dem Vater grauset’s, er reitet geschwind, / Er hält in Armen das ächzende Kind, / Erreicht den Hof mit Müh und Not; / In seinen Armen das Kind war tot.“

(Goethe)

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Eh ihr in den friedensforsten / Euren ruheplatz erlast – / Wisset: ist dies herz geborsten / Von der glut die drin gerast.“

(George)

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Wer nicht segnen kann, der soll fluchen lernen.“

(Nietzsche)

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Rühr ich die Himmlischen nicht, will Acherons Flut ich empören.“

(Vergil)

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Rückt vor! Dringt ein! Recht in des Wirrwarrs Völle! / Wo nicht zum Himmel, Hand in Hand zur Hölle!“

(Shakespeare)

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„‚Willst du mir folgen?‘ / ‚In den Orkus dir!'“

(Kleist)

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Hercules mistete einmal einen Stall aus und wurde vergöttert. Gemistet habe ich auch, aber mit der Vergötterung will’s nicht so recht fort.“

(Catharina Elisabeth Goethe über die zahlreichen, zum Leidwesen der Germanisten ausgesonderten Dokumente aus der Jugend ihres Sohnes)

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Ich habe kürzlich im Klappentext eines Buches ein Zitat von Jorge Luis Borges gelesen, darin hieß es: ‚Und wenn ich nochmal von vorne anfangen könnte, würde ich versuchen, weniger perfekt zu sein. Ich würde von März bis Oktober barfuß gehen, viel in Flüssen schwimmen und vor allem mit Kindern spielen.‘ Darum geht es, das ist es eigentlich. Allerdings kommt es darauf an, wer einen solchen Satz formuliert. Hätte ihn, sagen wir mal, Claudia Roth gesagt, hätte ich ihn ihr womöglich um die Ohren gehauen.“

(Harald Schmidt)

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Himmlische Laute von einem grässlichen Maule hervorgestoßen.“

(George über eine Berliner Banqueuse, die ‚Taormina‘ aussprach)

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Dann fleckt auf jedem wort der menge stempel / Der toren mund macht süsse laute schal.“

(George)

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Das einzig wahre Menschenrecht ist das Recht, in Ruhe gelassen zu werden.“

(Roland Baader)

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So gelang es uns manchmal tatsächlich, uns einige Stunden in der Stille zu verbergen. Manchmal hatten wir auch Pech. Ich erinnere mich, daß wir auf einer solchen Abseitsfahrt im Walde Rast machten. Plötzlich tauchte eine pilzsuchende Familie auf, und es dauerte nicht lange, dann hatten diese Leute aus der nächstgelegenen Ortschaft einen Haufen Menschen herbeigeholt, der sich mir konzentrisch mit lauten Heil-Rufen näherte. Da war es natürlich für diesmal mit der Ruhe vorbei.“

(Hitler)

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Drum! so wandle nur wehrlos / Fort durchs Leben und sorge nicht! / Was geschiehet, es sei alles gesegnet dir, / Sei zur Freude gewandt!“

(Hölderlin)

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Amor fati: das sei von nun an meine Liebe! Ich will keinen Krieg gegen das Hässliche führen. Ich will nicht anklagen, ich will nicht einmal die Ankläger anklagen. Wegsehen sei meine einzige Verneinung! Und, Alles in Allem und Großen: ich will irgendwann einmal nur noch ein Ja-sagender sein!“

(Nietzsche)

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Was machst du an der Welt? Sie ist schon gemacht, / Der Herr der Schöpfung hat alles bedacht. / Dein Los ist gefallen, verfolge die Weise, / Der Weg ist begonnen, vollende die Reise: / Denn Sorgen und Kummer verändern es nicht, / Sie schleudern dich ewig aus gleichem Gewicht.“

(Goethe)

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Du siehst die Zeit nach jenen Ufern fliegen, / Die blühende Natur / Bleibt hinter ihr – ein welker Leichnam – liegen. / Wenn Erd und Himmel trümmernd auseinanderfliegen, / Daran erkenne den erfüllten Schwur.“

(Schiller)

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„Mir war, als ob sich die Erdoberfläche vor mir ausbreitete – wie eine Halbkugel, die sich plötzlich in der Mitte spaltete und aus der ein ungeheurer Wasserstrahl herausgeschleudert wurde, so gewaltig, daß er den Himmel berührte und die Erde erschütterte.“

(Riefenstahl über den Redner Hitler)

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Mir war, als hätte ich einen Moment lang auf den Grund der Welt geblickt.“

(Student über Heideggers Freiburger Antrittsvorlesung)

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Es gibt in Ihren Schriften etwas, das weiter, das tiefer geht als das Wort und es dann wieder auf die Oberfläche zurückführt.“

(Jünger zu Heidegger)

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Hier ruht die Welt im Schweigen, / Nichts rührt an Zeit und Raum / Als toter Winde Reigen / In Traumes tiefstem Traum.“

(Swinburne)

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Ich will’s versuchen, nein, ich will es wagen! / Mehr als ein tiefrer Traum kann mir nicht drohn. / Doch die Besinnung will mich nicht mehr tragen, / Als lief ich meinem Schattenwurf davon.“

(Wolf von Aichelburg über den Selbstmord)

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Die Welt, sie wird dich schlecht begaben, glaube mir’s! / Sofern du willst ein Leben haben: raube dir’s!“

(Lou Andreas-Salomé)

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Das einzige Argument gegen die Todesstrafe ist die mögliche Unschuld des Delinquenten. Ich sehe jedoch keinen Sinn darin, daß etwa ein überführter Kindermörder wie Marc Dutroux noch lebt – und daß die Qualen der Kinder weiter in der Welt sind, nämlich in der Endlosschleife seiner Erinnerung.“

(Klonovsky)

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Es hat keinerlei Sinn, dass der Mörder den Gemordeten überlebt. Sie haben, unter vier Augen, allein miteinander, wie zwei Wesen es  nur bei einer zweiten, verwandten Gelegenheit noch sind, der eine duldend, der andere handelnd, ein Geheimnis geteilt, das sie auf immer verbindet. Sie gehören zusammen.“

(Naphta)

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Ich bin nicht mit Bedenklichkeiten ausstaffiert.“

(Angerer der Ältere zur Frage, ob er töten könnte)

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Du machst den Mond zum Maß für die Zeiten; die Sonne weiß, wann sie untergeht.“

(Psalm 104:19)

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Von Süden die Sonne, / Des Monds Gesell, / Schlang die Rechte / Um den Rand des Himmels: / Die Sonne kannte / Ihre Säle nicht; / Die Sterne kannten / Ihre Stätte nicht; / Der Mond kannte / Seine Macht noch nicht.“

(Völuspa)

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Dann aus der friedfertigen ordnung bezirk / Brach aus den fosfor-wolken der nacht / Wie rauchende erden im untergang / Volltoniges brausen des schlachtengetobs · / Es stürmten durch dust und bröcklig geröll / Die silberhufigen rosse.“

(George)

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Wehlaut von splitternden Hufen, / Da dich die Flamme beschrie, / Traum-Aug, zur Blendung berufen, / Labt sich am Vorschein des Nie, / Schweift mit gelaßnem Verachten / Über die Flutenden hin, / Bluthelle künftiger Schlachten / Blickt aus dem reinen Rubin.“

(Schilling)

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Gestern lernte ich hier den Baron Uexküll kennen, den Biologen. Er hat unheimliche Dinge aus seiner Wissenschaft erzählt: Unter anderem, dass der große Naturforscher Johannes Müller sich umgebracht hat, weil er das Unheimliche in der Natur, je tiefer er es erforschte, umso weniger aushielt. Als eine Seegurke eines Tags kleine Schnecken zur Welt brachte, schoss er sich tot.“

(Gundolf an George)

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Der Archäologe Hans von Prott beging 1903 in Griechenland Selbstmord, weil er in einer Vision die Wahrheit des griechischen Olymps durchschaut zu haben glaubte. Seine Überzeugung war es, dass sogar diese Vision nur ein ‚Euphemismus des Schrecklichen‘ sei. Von Prott konnte die Erkenntnis nicht ertragen, dass das konstituierende Moment des schönen olympischen Scheins die zweigeschlechtliche Göttin war. Sein ‚Sonnentraum‘ ging zu Ende, weil er die Einsicht in den schrecklichen Grund nicht, wie es George gelang, apollinisch zu überwinden vermochte.“

(Georg Dörr)

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Fittich des sonnentraums / Streiche nun nah am grund!“

(George)

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Der Gott-Mensch schließt der Höllen Pforten, / Er schwingt sich aus den dunklen Orten / In Seine Herrlichkeit zurück.“

(Goethe)

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Ihm gebricht es an der Form. So wirkt er weniger befreiend als verstörend, in Bann und Traum befangen, unerlöst.“

(Schilling über Schuler)

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„Der Sänger zwingt mit Klängen, / Was störrig, dumpf und wild. / Es spiegelt in Gesängen / Die Welt sich göttlich mild.“

(Eichendorff)

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Es ist Hölderlin zufolge die Lage des Dichters überhaupt, der sich dem Aorgischen, also den ungestalt auf ihn eindrängenden Weltkräften aussetzen muss, um das Organische, Gestalthafte zu gewinnen und beizeiten zu verlieren.“

(Jürgen Egyptien)

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Der große Stil entsteht, wenn das Schöne den Sieg über das Ungeheure davonträgt.“

(Nietzsche)

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Mir sagt das samenkorn im untren schacht: / ›Aus dunst und düster ringt sich jedes ding · / Verdamm das grausen nicht das dich umfing / Sei nicht erschrocken über soviel nacht.‹“

(George)

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Classiker sein heißt nicht: vom Schmerz absehen, Glätte und Harmonie vortäuschen, sondern: aller Schrecken inne, das Vollkommene schaffen, die reine Gestalt.“

(Schilling)

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Schönste farben hellste strahlen / Gebt ihr da ihr grünt und quellt / Voll der ahnung aller qualen / Mitten in der blumenwelt.“

(George)

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Was bleibet aber, stiften die Dichter.“

(Hölderlin)

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Halt aus! Wach auf! Gefeit vor ihren Giften / Musst du bestehn, das Bleibende zu stiften.“

(Schilling)

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Lauter intelligente Burschen riegeln rings die Welt ab. Wo sollen denn Phantast, Archaiker und Träumer den cordon sanitaire uneinsichtiger Vernunft durchbrechen, der den Tag vor den Infektionen der Nacht abschirmt? Wir müssen Verwirrung stiften wie einst die Dichter das Bleibende.“

(Botho Strauß)

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Der menschliche Einfluss erstreckt sich nicht über die Fortentwicklung bestehender Rechte hinaus, die jedoch verkannt oder strittig waren. Wenn Unbesonnene diese Grenzen durch vermessene Reformen überschreiten, verliert das Volk, was es besaß, ohne zu gewinnen, was es verlangte. Daher die Notwendigkeit, nur selten zu reformieren, und nur mit Maß und Zittern.“

(Joseph de Maistre)

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Das Ruder schläft, der Schiffer legt / Die Hand dir angstvoll auf die Lippe, / Ein Räuspern nur – ein Fuß geregt – / Und donnernd überm Haupte schlägt / Zusammen dir die Riesenklippe.“

(Droste-Hülshoff an die Weltverbesserer)

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Warum so viel in fernen menschen forschen und in sagen lesen / Wenn selber du ein wort erfinden kannst dass einst es heisse: / Auf kurzem pfad bin ich dir dies und du mir so gewesen! / Ist das nicht licht und lösung über allem fleisse?“

(George)

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Wo weh und wünsche sind ist wucht / Zu schwer für klugen fleiss. / Lenk uns durch zauber, nicht durch zucht, / Durch huld, nicht durch geheiss.“

(Gundolf)

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Und könnt ihr ja das Schöne nicht ertragen, / So führt den Krieg mit offner Kraft und Tat! / Sonst ward der Schwärmer doch ans Kreuz geschlagen, / Jetzt mordet ihn der sanfte kluge Rat.“

(Hölderlin)

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Die wenigen, die was davon erkannt, / Die töricht g’nug ihr volles Herz nicht wahrten, / Dem Pöbel ihr Gefühl, ihr Schauen offenbarten, / Hat man von je gekreuzigt und verbrannt.“

(Goethe)

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Oskar Goldberg hat in seiner ‚Wirklichkeit der Hebräer‘ die Sonderstellung der Juden in ihrem Gegensatz zu anderen altorientalischen Völkern beschrieben, die allesamt ihr Siedlungsgebiet und ihren ‚Nationalgott‘ besaßen, während die Juden nur letzteren hatten und sich daher einen geistigen Raum erschaffen mussten. Ihr Gott wurde außerweltlich gedacht, während die übrigen Götter der Welt immanent waren.“

(Baal Müller)

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Aber dem weltlos gewordenen Gott entspricht eine gottlos gewordene Welt. Dem unbewegten, immateriellen Gott des Xenophanes kann man nirgends begegnen, man kann sich nicht an ihn wenden mit Gebet und Opfer. Es ist nicht mehr der erfahrbare, nur noch der denkbare, der abwesende Gott. So wird der Weg vom antiken Polytheismus über den philosophischen Monotheismus mit einer gewissen Zwangsläufigkeit zum Atheismus der sophistischen Aufklärung führen.“

(Albert von Schirnding)

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Am meisten ärgert mich an diesen islamischen Radikalen, dass sie mich an die Seite von Leuten nötigen, die den Begriff ‚Aufklärung‘ ohne eine Spur von Ironie verwenden.“

(Klonovsky)

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Der größte Vorwurf, der sich gegen die Siegelbewahrer des Zeitgeistes vorbringen lässt, ist der, dass man sich beim Trauern um die ermordeten Juden inzwischen wie eine Hure vorkommt.“

(Klonovsky)

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Von allem Geschriebenen liebe ich nur das, was einer mit seinem Blute schreibt. Schreibe mit Blut: und du wirst erfahren, daß Blut Geist ist.“

(Nietzsche)

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Und scheidend wussten wir: in unserem leben / Ein jeder atemzug und schmerzlich beben / Bleibt dienst an diesem grab mit geist und blut.“

(Alexander von Stauffenberg)

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Mochte auch die allzufrüh mir schon aufgezwungene Fron eines Broterwerbs mich von des Meisters Seite reißen, mochte ich auch räumlich von ihm getrennt sein, die Treue habe ich ihm immerdar gehalten und werde sie ihm halten, solange noch ein Atemzug in mir bebt.“

(Carl August Klein)

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Er wird viele kennen und vielen sich verstricken, wird erschüttern und verwirren, Entwicklungen mit sich reißen und verschütten: aber es wird keiner ihm begegnet sein, der nicht von dieser Begegnung in seinem inneren Leben Epoche datierte.“

(Hofmannsthal)

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Wenn wir uns in der Krankheit zu Gott wenden, werden wir erkennen, dass die Krankheit einem Teppich gleicht, der auf der falschen Seite liegt. Wir sehen nur Knoten und wirre Fäden und wissen nicht, was das Ganze bedeutet. Aber Gott wird zu der Zeit, die er bestimmt, den Teppich auf die richtige Seite legen.“

(Joseph Kardinal Höffner)

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Der zufall über den sich die geschichte / Des menschen-daseins nicht hinausverbreitet / Ist ganz gemalt vorm ewigen gesichte.“

(George)

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Glaub unsereinem, dieses Ganze / Ist nur für einen Gott gemacht!“

(Mephisto)

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 „Tage der Jugend vergehen, / Schnell wird der Jüngling ein Mann; / Träume der Jugend verwehen, / Dann fängt das Leben erst an.“

(Bruno Balz)

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Sein leib ward schlank und straff. Er greift · / Er lockt nicht mehr · ist ohne schmuck. / Von mut und lust des kampfes leuchtet / Sein blick · sein kuss ist kurz und brennend. / Hat er besämt aus heiligem schoosse / Drängt er in mühe und gefahr.“

(George)

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Noch gestern war die Stirne wie ein Stein / Im Bach, geründet von den Tagen, / Die nichts bedeuten als ein Wellenschlagen / Und nichts verlangen, als ein Bild zu tragen / Von Himmeln, die der Zufall drüber hängt; / Heut drängt / Auf ihr sich eine Weltgeschichte / Vor einem unerbittlichen Gerichte, / Und sie versinkt in seinem Urteilsspruch. / Raum wird auf einem neuen Angesichte. / Es war kein Licht vor diesem Lichte, / Und, wie noch nie, beginnt dein Buch.“

(Rilke)

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Einem jungen Menschen beim Politisieren zuzuhören, ist in etwa so, wie einem alten dabei zuzusehen, wie er sich coram publico seiner Kleidung entledigt. Nur der umgekehrte Fall kann zuweilen reizvoll sein.“

(Klonovsky)

*

Ich hatte im Alter jener Wirtschaftswundersprößlinge – von den Interventions-Bataillonen der Securitate gejagt –  jahrelang in Biwaks, aufgelassenen Sennhütten, in Höhlen gehaust, hatte sehen müssen, wie Gleichgesinnte – Philosophie-, Theologie-, Medizinstudenten, Bauern, Lehrer, Ärzte, Ingenieure, Hirten – neben mir auf bestialische Weise abgeschlachtet wurden, ohne ihnen helfen zu können, und sah mich jetzt einer Jugend gegenüber, die jene Toten schallend auslachte und mich in Sprechchören als »Faschist« beschimpfte.“

(Hans Bergel)

*

Ihr klagt: du ton der donner ton der tempel / Ergreifst du uns allmächtig noch einmal?“

(George)

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Was gäb ich, könnt mich euer Bann erfassen, / Wie wollt ich mich gefangen nehmen lassen!“

(Hofmannsthal)

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Stier, Nimrod, Seraphim: Du spürst in allen / Nur eine Lust: In Hoheit zu verfallen.“

(Schilling)

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Der Denker und ebenso der Künstler, welcher sein besseres Selbst in Werke geflüchtet hat, empfindet eine fast boshafte Freude, wenn er sieht, wie sein Leib und Geist langsam von der Zeit angebrochen und zerstört werden, als ob er aus einem Winkel einen Dieb an seinem Geldschrank arbeiten sähe, während er weiß, dass dieser leer ist und alle Schätze gerettet sind.“

(Nietzsche)

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Freunden von früh oder weit – / Freunden vielleicht überm Grabe / Sei meine heimliche habe / Mühlos im worte bereit.“

(Gundolf)

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Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort. / Sie sprechen alles so deutlich aus: / Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus, / Und hier ist Beginn und das Ende ist dort.“

(Rilke)

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Was schon genannt ist liegt gefällt umher / Der leer gehäus – ein stumpfes waffen der: / Die eingereihten und die rückgewandten… / Bringt kranz und krone für den Ungenannten.“

(George)

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Es scheint, daß in dem Grade, in dem wir uns einen Namen machen, wir auch an Qualität verlieren – und zwar an jener, die man als die des Nachbarn bezeichnen kann. Im gleichen Maß, in dem die Menschen für die Menge bedeutend werden, büßen sie ihren Wert als Nächste ein.“

(Jünger)

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Was ich Ihnen erzähle steht nirgendwo. Es wird zünftig weitergegeben.“

(Karl Mickel zu seinen Schülern)

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Nihilismus ist ein Glücksgefühl.“

(Benn)

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Die Geschichte hat keinerlei Sinn: wir haben also Grund zur Freude. Sollten wir vielleicht Qualen ausstehen um eines günstigen Ausgangs des Geschehens willen, um eines letzten Festes willen, dessen Kosten von unserem Schweiß und unserem Scheitern bestritten würden? Die Vision des paradiesischen Endzustandes übertrifft in ihrer Absurdität die schlimmsten Verirrungen der Hoffnung.“

(Cioran)

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Schläft ein Lied in allen Dingen, / Die da träumen fort und fort, / Und die Welt hebt an zu singen, / Triffst du nur das Zauberwort.“

(Eichendorff)

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Viel hat von Morgen an / Seit ein Gespräch wir sind und hören voneinander, / Erfahren der Mensch; bald sind wir aber Gesang.“

(Hölderlin)

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Alles wird einst noch Gesang.“

(Schilling)

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Während meine leiblichen Kräfte langsam schwinden, pilgere ich innerlich nach Hause.“

(Benedikt XVI. 2018)

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Und meine Seele spannte / Weit ihre Flügel aus, / Flog durch die stillen Lande, / Als flöge sie nach Haus.“

(Eichendorff)

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Die eigentliche Lebenskunst ist, dass dein Leben nicht auf der Intensivstation endet, sondern mit einer Überfahrt. Für diese Überfahrt musst du dich vorbereiten. Ich fülle mich mit Bildern und Poesie auf, um Proviant für das andere Ufer zu haben, wie es der Lyriker Machado einmal genannt hat: »amarrada tu barca a otra ribera«. Der tiefste Reichtum der Kunst ist, dass sie ständig mit dem Gedanken an Tod und Unsterblichkeit spielt.“

(Hubert Burda)

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Du, der Gesichte, / Der Rätsel voll, / Tritt ein, entrichte / Den Botenzoll. / Die Nornen zwingend / Mit Spruch und Lied, / So fährst du singend / In ihr Gebiet.“

(Schilling)

*

Die Hochmoore bildeten Archive von unbekannten Farben, die eines großen Malers harrten, der sie entschleierte. Die Zinnen und Gletscher waren von einer Hintergründigkeit umwittert, die alle List des Südens übertraf. Nur glich das alles einem leeren Schachbrett; die Langeweile, die Müdigkeit gehörten wie Vorhänge dazu. So geht auch Träumen Einschläferung voraus.“

(Jünger)

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Die bestimmte Form von Müdigkeit ist die Voraussetzung für die Produktion; für die große Stunde ganz bestimmt.“

(Benn)

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Heilge Nacht, ich kehre wieder, / Müd des Lichts, / Und ich sink wie meine Lieder / Hin ins Nichts.“

(Maurice von Stern)

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Wir lasen auf den Tafeln der Kalifen: / Tritt ein und schweig – ich bin die Messingstadt. / Das Tiger-Band gezackter Hieroglyphen / Spricht: Was auf Erden wallt, was Flügel hat, / Kehrt lichtgestillt zurück in meine Tiefen.“

(Schilling)

*

Wenn ein Autor sich in seiner Substanz entblößt, ohne zu versuchen, durch eine Willensanstrengung Einfluss auszuüben, kann das bedeutendere Folgen haben, als wenn er sich in eine politische Argumentation stürzt: Er gibt keinen Anstoß, sondern ein Beispiel.“

(Jünger)

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Jede Seite ist die falsche.“

(Klonovsky)

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Der Rechten oder der Linken anzugehören, ist einer der Wege, die ein Mensch wählen kann, um ein Idiot zu werden.“

(Ortega y Gasset)

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Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“

(Nietzsche)

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Wer sich auf die Gegnerschaft einlässt, verliert das Wesenhafte, mag er dabei siegen oder unterliegen. Alles Revolutionäre bleibt in die Gegnerschaft gefesselt. Gegnerschaft aber ist Knechtschaft.“

(Heidegger)

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Wer mit einem Dreck rammelt, er gewinne oder verliere, so gehet er beschissen davon.“

(Luther)

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Auch der Haß gegen die Niedrigkeit / Verzerrt die Züge. / Auch der Zorn über das Unrecht / Macht die Stimme heiser.“

(Brecht)

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Einer stand auf der scharf wie blitz und stahl / Die klüfte aufriss und die lager schied / Der euren wahnsinn so lang in euch schrie / Mit solcher wucht dass ihm die kehle barst.“

(George)

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Und der alten Götter bunt Gewimmel / Hat sogleich das stille Haus geleert, / Unsichtbar wird einer nur im Himmel, / Und ein Heiland wird am Kreutz verehrt.“

(Goethe)

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Alle jene Blüten sind gefallen / Von des Nordes winterlichem Wehn: / Einen zu bereichern unter allen, / Mußte diese Götterwelt vergehn.“

(Schiller)

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Weh! auf des Syrers gebot / Stürzte die lichtwelt in nacht.“

(George)

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Jene sinnliche Religion der Griechen wollte nur äußere vergängliche Segnungen erwerben; die Unsterblichkeit, insofern sie geglaubt wurde, stand in dunkler Ferne wie ein Schatten, ein abgeschwächter Traum dieses wachen Lebenstages. In der christlichen Ansicht hat sich alles umgekehrt: die Anschauung des Unendlichen hat das Endliche vernichtet; das Leben ist zur Schattenwelt und zur Nacht geworden, und erst jenseits geht der ewige Tag des wesentlichen Daseins auf.“

(August Wilhelm Schlegel)

*

Obwohl Hitler ja physisch ausgelöscht wurde, hat es den Anschein, dass seine Methodik den Krieg gewann. Seine Nachfolge wird überall mit solcher Leidenschaft betrieben, dass man billig zweifeln darf, ob es den wenigen unbefangenen Geistern, die auf der Welt noch leben, gelingen wird, für die Vernunft noch eine Lanze zu brechen, ohne dass das gänzlich den Anstrich der Don-Quijoterie gewinnt.“

(Jünger an Nebel 1945)

*

Mir wurde bewußt, daß die Entwicklungen und Erscheinungen, die ich im Hinblick auf die Deutschen im höchsten Grade für alarmierend halte, historisch angelegt und ergo unaufhaltsam sind. Als Einzelner gegen den Niedergang einer Gesellschaft anzurennen, halte ich für sinnlosen Selbstmord. Ich neige nicht dazu.“

(Hans Bergel)

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Die großen politischen Mächte sind heute so stark, dass man mit offenem Widerstand nichts erreicht als seinen Selbstmord.“

(Jünger)

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Einstweilen fällt uns nur die Aufgabe zu, zu verhindern, daß man die Graffiti löscht, die unsere Vorgänger an den Wänden dieses Kerkers hinterlassen haben.“

F(Gómez Dávila)

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Es treibt eben alles unaufgehalten dem Katarakt entgegen; rudern nützt da schon lange nichts mehr. Sloterdijk meinte vor Jahren, es bliebe nur noch, die Argumente fürs Archiv zu sammeln.“

(Peterjörg Endres)

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It’s not my fault / If in God’s plan / He made the devil so much
stronger than a man.“

(Disneys Glöckner von Notre-Dame)

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Rudyard Kipling, der Sänger des britischen Imperialismus, war vor einem Jahrhundert der Ansicht, dass es die erzieherische Bürde des weißen Mannes sei, den unterentwickelten Teilen der Menschheit das Licht der europäischen Zivilisation zu bringen. Als deren klügere Vertreter jedoch genug davon aufgenommen hatten, waren sie eines Tages imstande, diese Vorstellung als eine Herrschaftsideologie zu durchschauen. Von selber wären sie freilich nicht darauf gekommen. Sie hätten nicht einmal die Fragestellung begriffen.“

(Lichtmesz)

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Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.“

(Klonovsky)

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Reine Rassen sind wahrscheinlich die Pygmäen Innerafrikas, die Buschmänner Südafrikas und die Australier, die sich alle auf keiner sehr hohen Entwicklungsstufe befinden. Hingegen steht es von so edeln Rassen wie den alten Germanen, ja selbst den alten Indogermanen keineswegs fest, daß sie rein gewesen sind.“

(Friedell)

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Die Gotik als Ur-Gestus ist ein Prinzip der Transzendenz und der Entkörperung.“

(Fritz Hörauf)

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Allen Baustilen entspricht eine geschichtliche Wirklichkeit, die sich unschwer mit ihnen verknüpfen lässt, nur der Gotik nicht. Man könnte sagen, sie verweise auf Fernstes, Künftigstes, Transzendentes oder besser doch: allein auf sich selbst, sie ist der verwirklichte Traum. Hier ist mehr als die Erde zu bieten vermag, man tritt in andere Bereiche ein. Flugstätten für Engel, Drachen und Dämonen, Türme, die den Blitz auf sich ziehen. Traum-Substanz, nicht nur relikthaft in die Tagwelt gerettet, sondern sie überwiegend als die eigentliche, tiefere, stärkere Realität.“

(Schilling)

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Ich hörte Geschosse auf der Lichtung singen – sowohl das schwere Schwirren der Armbrustbolzen als auch den scharfen Büchsenschuß. Sie fuhren so nah vorüber, daß sich mir die Schläfenhaare hoben, doch achtete ich ihrer nur wie einer tiefen Melodie, die mich begleitete und mir das Maß für meine Schritte gab.“

(Jünger)

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Hier war selbst das Blutige und, was noch eigentümlicher anmutete, das Triviale zur würdevollen Pose stilisiert.“

(Schilling über George)

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Axel Krause inszeniert exzentrische Alltäglichkeit und – was uns besonders gut gefällt – lässt das Alltägliche exzentrisch werden, umfangen von der Stille des retardierenden Moments.“

(Böckelmann)

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Pisces natare oportet.“

(Petronius über den gebotenen Wein zu Fischgerichten)

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„Fish got to swim, birds got to fly, / I gotta love one man till I die.“

(Oscar Hammerstein II)

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Der Ochs muss pflügen, die Nachtigall singen, der Delphin schwimmen, ich muss Krieg führen.“

(Friedrich der Große an Voltaire)

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Angerers fester Glaube an den Wert der Beschränkung hatte ihn einst dazu bewogen, den rumänischen Dirigenten Sergiu Celibidache für seine Studio-Abstinenz zu loben: Indem er die lose potentielle Ewigkeit der modernen Schallplatte zum vergänglichen Augenblick der Bühnen-Aufführung rückverdichtet habe, sei deren Gewicht um ein Vielfaches erhöht worden.“

(Meynrath)

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Ich verstehe auch, warum Gould die Studio-Produktion dem Live-Auftritt vorzog und nicht mehr vor Publikum spielte. Man musiziert wie man dichtet: Für sich und die Götter.“

(Schilling)

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So schauet mit bescheidnem Blick / Der ewigen Weberin Meisterstück, / Wo ein Tritt tausend Fäden regt, / Die Schifflein hinüber, herüber schießen, / Die Fäden sich begegnend fließen. / Ein Schlag tausend Verbindungen schlägt!“

(Goethe)

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Überhaupt habe ich bei den Werken Bachs nie nach der Zeit ihrer Entstehung gefragt, wirken sie doch, als seien hier auf einen Schlag tausend Quellen entsprungen, tausend Fäden geknüpft.“

(Schilling)

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Dieser große Mann würde die Bewunderung ganzer Nationen seyn, wenn er mehr Annehmlichkeit hätte, und wenn er nicht seinen Stücken durch ein schwülstiges und verworrenes Wesen das Natürliche entzöge, und ihre Schönheit durch allzugroße Kunst verdunkelte.“

(Johann Adolf Scheibe 1737 über Bach)

*

Gauguin ist ein Maler, den ich nicht mag, ein Dilettant und Wichtigtuer. Wie das Werk, so die Gesinnung: In einem Artikel über Moreau wirft er diesem vor, er habe kein Herz, begrabe das Menschliche unter Juwelen, sei ein bloßer Handwerker, Illustrator, Ziseleur. Argumente, die man seither bis zum Erbrechen von Leuten gehört hat, die weder zeichnen noch malen können.“

(Schilling)

*

Wirft man die Frage auf nach den Beweggründen für die beständigen Marschänderungen und führt man sich das schillernde Changieren zwischen Trutzburg und Elfenbeinturm, Todeskult und Lebensreform, zartestem Abgesang und dröhnendem Erneuerungspathos vor Augen, so kann der reißbretthafte Schematismus dieser Gegensätze den Verdacht der Berechnung begründen: Als habe George durch sein ambivalentes Wirken von vornherein den Nachweis führen wollen über die Beliebigkeit des Gesagten im Unterschied zur Art des Sagens, die ihm als wesentlich galt.“

(Meynrath)

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Es kommt nicht auf Inhalt und Gesinnung an, sondern auf ein Unwägbares, das aufrüttelt und mitreißt, man kann es Enthusiasmus nennen oder Fanatismus, Suggestiv-Kraft, Dämonie. Hier mag man an Wagner und Nietzsche denken, die alles und das Gegenteil proklamieren, und man hat doch, wenn man ‚Wagner‘ oder ‚Nietzsche‘ sagt, den Eindruck einer vollkommen geschlossenen, in sich stimmigen Tonalität. So ist es auch, wenn man ‚Hitler‘ sagt. Eine Art von Stil ist ihm nicht abzusprechen, eine Weise des Redens und Agierens, die das zwanghaft-Berückende eines Traumes oder Alptraums hat.“

(Schilling)

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Man denke an den erobernden Vormarsch durch Turkestan, Afghanistan und Belutschistan und dann ins Fünfstromland über starrende Wüsten, reißende Ströme und verschneite Hochgebirge; und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb hatte er immer etwas von einem Traumwandler. Er handelte wie unter einer fremden Macht, willenlos, aber sicher vorwärtsgetrieben.“

(Friedell über Alexander)

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Im Sommer 1862 überflog er die noch unfertige Partitur der ‚Meistersinger‘ und stellte das Komponieren ein. Verglichen mit diesem Opus empfand er die eigene Arbeit als ‚Lappaliendreck‘. Eine Zeitlang trug er sich mit Selbstmordgedanken.“

(Klonovsky über Hans von Bülow)

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Auf Verrocchios Täufer-Bild stammt ein Engel von der Hand des jungen Leonardo. Es heißt, dass Verrocchio das Malen aufgab, nachdem er ihn sah.“

(Schilling)

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Das bin nicht ich, die schreibt, sondern es schreibt sich. Es malt sich auch.“

(Anita Albus)

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Wir hören die Caruso-Aufnahmen an, gipfelnd in ‚O terra addio‘. Jeder Sänger hat seine Tragik, vor allem die Tenöre, nur er nicht, der an der Spitze steht. Da sagt man auch nicht mehr: Er singt, sondern: Es singt aus ihm.“

(Schilling)

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„Nur dem, der die Weite kennt, wird die Heimat fruchtbar.“

(George)

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Wir müssen die Welt umrunden, um zuletzt wieder die Goldene Aue zu finden, das verlorene Paradies.“

(Schilling)

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Aus der Heimat hinter den Blitzen rot / Da kommen die Wolken her, / Aber Vater und Mutter sind lange tot, / Es kennt mich dort keiner mehr.“

(Eichendorff)

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Sie fragten wer er wär und sahn / Ihm fremd ins angesicht · / Der vater starb die mutter starb / Ein andrer kannt ihn nicht.“

(George)

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„Fremd bin ich eingezogen, Fremd zieh‘ ich wieder aus.“

(Wilhelm Müller)

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Fremd bist du eingekehrt, / Fremd ziehst du hin, / Lichtstimme, traumversehrt / Von Anbeginn, / Die dunkle Saite schwingt / Und schweigt sich aus, / Eh noch der Abend sinkt, / Bist du zuhaus.“

(Schilling)

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Also brach ich auf / Und ein fremdling ward ich / Und ich suchte einen / Der mit mir trauerte / Und keiner war.“

(George)

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Ich trat die Kelter allein, und niemand war unter den Völkern mit mir.“

(Jesaja 63:3)

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Rufet aus der trauten Halle / Auch die Auserwählten alle / In die Ferne das Geschick, / Bleibt, auf freundelosen Pfaden / Hinzugehn mit Schmerz beladen, / Tränend einer nur zurück.“

(Hölderlin)

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Wie wenig Geist doch in diesen Hohenzollerngesichtern ist.“

(Herman Bang)

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Man muss tief in die Erde graben, um noch königliche Häupter zu finden. Zwei der bedeutendsten wurden erst in unseren Tagen entdeckt: die Büste der Nofretete und der Mann aus dem Moor bei Tollund. Bezeichnend auch, dass beide aus Epochen stammen, die – nicht nach der absoluten, doch nach der relativen Chronologie – vor jenen Zeiten liegen, aus denen uns bis dahin Portraits überliefert waren. Dies wird deutlich, wenn wir die Nofretete dem Zeus von Otricoli, den Moor-Mann dem Dürerschen Selbstbildnis oder dem Bamberger Reiter gegenüberstellen. Der segnende Christus am Portail royal zu Chartres steht dazwischen. Mag sein, dass sich am Ende eines Weltalters die Magie jener frühen Gesichter noch einmal in einzelnen Gestalten krystallisiert.“

(Schilling)

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On desperate seas long wont to roam, / Thy hyacinth hair, thy classic face, / Thy Naiad airs have brought me home / To the glory that was Greece, / And the grandeur that was Rome.“

(Poe)

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Auf welchen Werken alter Kunst sind wir, Verletzte von heute, lange vor unserem Erscheinen bereits aufgetaucht? In welchen Szenen großer Meister früh schon vorausgesehen?“

(Botho Strauß)

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Laß uns soviel als möglich an der Gesinnung halten, in der wir herankamen; wir werden, mit vielleicht noch Wenigen, die Letzten seyn einer Epoche, die so bald nicht wiederkehrt.“

(Goethe 1825 an Zelter)

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Nun säume nicht die gaben zu erhaschen / Des scheidenden gepränges vor der wende · / Die grauen wolken sammeln sich behende · / Die nebel können bald uns überraschen.“

(George)

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Ja, es ist Herbst im Reich, von allen Herbsten vielleicht der holdeste, der letzte. Wir stehen an der Scheide zwischen Abendrot und langer Nacht. Nur von den höchsten, solitären Gipfeln, von Adler-Horsten und für Adler-Augen, ist die Sonne noch sichtbar. Bald senken sich die Schleier. Der Nebel kommt. Das Gestaltlose bricht herein. Aber diese Stunde mit ihrem Sagenlicht gehört uns.“

(Schilling)

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Nur diese Stunde, / Ihr Sagenlicht, / Und dann die Wunde, / Mehr gibt es nicht.“

(Benn)

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Ich hatte wohl erwartet, daß in der letzten Phase des Ringens um die Marina der Adel in Erscheinung treten würde – denn in den edlen Herzen brennt das Leiden des Volkes am heißesten. Wenn das Gefühl für Recht und Sitte schwindet und wenn der Schrecken die Sinne trübt, sind die Kräfte der Eintagsmenschen gar bald versiegt. Doch in den alten Stämmen lebt die Kenntnis des wahren und legitimen Maßes, und aus ihnen brechen die neuen Sprosse der Gerechtigkeit hervor.“

(Jünger)

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Die Liebe zum Volk ist eine aristokratische Berufung. Der Demokrat liebt das Volk nur im Wahljahr.“

(Gómez Dávila)

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Goethe ist der König seines Volkes; ihn gestürzt, wie leicht wäre dann mit dem Volke fertig zu werden!“

(Börne)

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Die Säule, die sich dieser Heilige ausgesucht hat, ist mit zuviel Schlauheit ausgesucht, sie steht an einer zu volkreichen Stelle, sie bietet einen zu malerischen Anblick.“

(Brecht über George)

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Gegen die Pächter der privaten Innerlichkeit, die Schlauheit, die oft genug ihre Funktion auf dem Markt erfüllt, indem sie die Reinheit dessen vorspiegelt, der nicht nach rechts und nicht nach links blickt, zitiert Valéry einen sehr schönen Satz von Degas: ‚Wieder einer jener Eremiten, die wissen, wann der nächste Zug abgeht.'“

(Adorno)

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In meinem leben rannen schlimme tage / Und manche töne hallten rauh und schrill. / Nun hält ein guter geist die rechte waage / Nun tu ich alles was der engel will.“

(George)

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„Einst war dein Werk nichts als Rausch und Verzehr, / Kostbar die Stunde und selten das Gut. / Aber nun schreitet ein Gott vor dir her: / Was du vollbringst, steht in heiliger Hut, / Und es gehorcht wie das wogende Meer / Einzig dem Wechsel von Ebbe und Flut.“

(Schilling)

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Wenn Lieb‘ in jenen Welten blüht, / Die über Sternen ewig währen, / Wenn dort das teure Herz noch glüht, / Die selben Augen, selben Zähren, – / Wie schön die unbetretnen Sphären!“

(Lord Byron)

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Ob sie dir wiederkehr, / Ob sie dich ließ, / Weiß nur der Sonnen-Stier, / Aber im Traum vor dir / Leuchtet für immer ihr / Aug von Türkis.“

(Schilling)

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Von dem bad in eisiger quelle / Von der rast in sonniger flur / Ist er ganz vom braun der felle · / Nur sein aug ist von azur.“

(George)

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Der Mensch als Naturwesen ist kein anderes als er je war. Seine schöpferischen Potenzen sind im Gang der Geschichte eher verkümmert. Genauer: Die Gesamt-Potenz blieb vielleicht gleich, aber sie nahm ab auf Kosten der Mehrzahl und zugunsten des Einzelnen. Die geschichtliche Tendenz ist, bei wachsender individueller Leistung, die des culturellen Niedergangs.“

(Schilling)

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Für ihn gibt es schon seit dem Rokoko fast ausschließlich subjektive Künstler, die ihr eigenes Ego in Werken vervielfältigen, denen kein objektives Maß mehr entspricht. Meines Erachtens ist seine Bewertung jedoch übertrieben. Er sah nicht die Chance, die in der gegenwärtigen Situation liegt – nämlich dass der Künstler eine enorme Verantwortung aus ihr ableiten und sich auf die Suche nach einer Welt machen kann, die dann zu einem bisher undenkbaren oder nicht beachteten Koordinatensystem führt.“

(Fritz Hörauf über Hans Sedlmayr)

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Die Sonnen also scheinen uns nicht mehr, / Fortan muss eignes Feuer uns erleuchten.“

(Schiller)

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Regelmäßig empfängt Angerer russische Bewunderer, erhält mitunter Aufträge von orthodoxen Patriarchen und pflegt Freundschaften zu polnischen Künstlern wie Marcin Kolpanowicz. Nur aus dem Osten, so ist der Maler heute überzeugt, könne auch die kulturelle Sonne über Europa wieder aufgehen, die ihren Zenit nach seinem Dafürhalten spätestens 1789 überschritt.“

(Meynrath)

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Nord und West und Süd zersplittern, / Throne bersten, Reiche zittern, / Flüchte du, im reinen Osten / Patriarchenluft zu kosten.“

(Goethe)

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Dieser Mensch, dieser Goethe ist mir einmal im Wege; und er erinnert mich so oft, dass das Schicksal mich hart behandelt hat. Wie leicht ward sein Genie von seinem Schicksal getragen, und wie muss ich bis auf diese Minute noch kämpfen!“

(Schiller)

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Nivellierung als Tendenz der Moderne. Dazu gehört der forcierte Wettbewerb in immer mehr Spezial-Disziplinen. Am Ende ist jeder sein eigener Weltmeister, insofern niemand besser er sein kann als er selbst. Man läßt im Besonderen die Hierarchie gelten, aber nicht im Allgemeinen. Dies ist aber das Wesen der Rangordnung: daß der Eine die Vielen nicht nur in einer, sondern in vielfacher Hinsicht überragt. Wer solches beansprucht, wird verfolgt. Alles findet Gnade, nur das Erhabene nicht. Nichts ist suspekter als die Aristokratie der Natur. Goethes Vorzug beseht nicht allein darin, daß er besser dichten konnte als die anderen. Das hätten sie ihm allenfalls verziehen.“

(Schilling)

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Viele Kräfte ringen heute um die Jugend. Viele Banner flattern vor ihren Augen auf und werben um Gefolgschaft. Viele falsche Propheten predigen ein neues Evangelium.“

(Eugenio Pacelli als apostolischer Nuntius in Deutschland)

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Die klare antwort steigt mit meiner sonne / Wenn du dich fragst: nach welchem winde kehren / Wo greifen da sich alle fäden queren / Wo schöpfen da es quillt aus jedem bronne?“

(George)

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„Noch flirren rastlos die Bilder vorüber, noch wirbeln die Atome in den Siedekesseln der Großstadt. Und doch wird auch dieser Sturm zerflattern, auch dieser Glutstrom zu Ordnung erkalten. Noch zerschellte jede Raserei an grauem Gemäuer oder es fand sich einer, der sie mit stählerner Faust vor seinen Wagen spannte.“

(Jünger)

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Das Braune Haus, wie es fortan genannt wurde, lag auf der Brienner Straße, genau gegenüber der Nuntiatur, der einstigen Residenz Pacellis. ‚Braunes Haus und Nuntiatur liegen nebeneinander wie die zwei Schiffe im Fliegenden Holländer‘, erklärte Hitler seinem Parteigenossen Hans Frank, ‚wir dienen den Lebenden zur Fahrt, die da drüben den Toten.‘ Er verriet nicht, daß die Fahrt der ‚Toten‘ ins Leben, die seinige dagegen in den Tod führte.“

(Michael Hesemann)

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Freund, wer weiß, ob Tod des Lebens oder Leben Todes Ziel? / Weder Tag noch Nacht verrät es, Himmel nicht noch Wellen-Spiel.“

(Swinburne)

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Wie konnte der deutsche Soldat zweimal hintereinander der ganzen gegen ihn verbündeten Welt die Stirn bieten? Das ist die einzige Frage, die man sich meiner Meinung nach in hundert Jahren stellen wird.“

(Jünger)

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Was Historiker über die Wehrmachtssoldaten schreiben, ist uninteressant verglichen damit, was in Russland und Übersee von den Enkeln der Männer weitergeraunt wird, die gegen sie kämpfen mussten.“

(Klonovsky)

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„Man lindert oft sein Leid, indem man es erzählt.“

(Corneille)

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Gibt es für Trostlosigkeiten überhaupt ein andres vor dem Schlimmsten Rettendes als dass sie niemand weiß?“

(George)

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Bei Gott ist alles schön und gut und gerecht; die Menschen aber halten einiges für gerecht, anderes für ungerecht.“

(Heraklit)

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Denn unfühlend / Ist die Natur: / Es leuchtet die Sonne / Über Bös und Gute, / Und dem Verbrecher / Glänzen wie dem Besten / Der Mond und die Sterne.“

(Goethe)

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Der Tsunami vom 26. Dezember, der in Südost-Asien 200.000 Todesopfer forderte, ist fast so rasch vergessen wie die Welle kam und ging. Das hat seinen Sinn: Die Natur und namentlich das Meer ist die Große Mutter, die nimmt und gibt, verschlingt und gebiert – wir versöhnen uns mit ihr eher als mit den Menschen, denen wir ein Bewusstsein ihrer Untaten zuschreiben und die Verantwortung dafür.“

(Schilling)

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Wo das Denken und die Maschine zusammenkommen, wird es uninteressant.“

(Jünger)

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Überall, wo die Leistung messbar ist, wird der Mensch vom Tier oder von der Maschine übertroffen. Aufs Incommensurable kommt es an.“

(Schilling)

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Islamistische Anschläge in Europa? Wozu das Haus demolieren, in das man einzieht?“

(Klonovsky)

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Geht, raubt den Memmen ihre Last, ihr Gold, / Bewohnt statt eurer nackten Hügel Eis / Und alt bemooste Felsen, eures Feindes / Vergnügenvoller Fluren Fruchtbarkeit.“

(Hölderlin)

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Kinder halten nicht, was sie versprechen; junge Leute sehr selten, und wenn sie Wort halten, so hält es ihnen die Welt nicht.“

(Goethe)

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Aber still! Die goldnen Bubenträume / Hört in ihrer Nacht die Zukunft nicht – / Schon so manche Früchte schöner Keime / Logen grausam mir ins Angesicht.“

(Hölderlin)

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Nur die Mythen geben eine Vorstellung von dem, was sich hinter den Pforten der Wahrnehmung verbergen könnte; es bleibt ein Wunder, dass solcher Einblick einmal gelungen ist. Zudem scheinen nur Scherben, nur Bruchstücke auf uns gekommen zu sein. Dass Einheit war  und eine tiefe Sehnsucht strebt, sie wiederherzustellen, lässt sich überall beobachten.“

(Jünger)

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Yggdrasil und Simorgh-Baum; Trinität und Trimurti; Empyreum, Merkaba, Pleroma: Farbenreich und einhellig zugleich muten die Überlieferungen an, wie Ausstrahlungen eines gemeinsamen Lichtquells, prismatisch in die frühen Hochkulturen hineingebrochen. Schilling liest diese Bruchstücke auf und verdichtet sie erneut zum Mosaik.“

(Meynrath)

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„Aber in den Hainen, / Die dein Schritt erriet, / Werden sich vereinen, / Die der Himmel schied.“

(Schilling)

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Weite menge siehst du rüstig traben / Laut ist ihr sich mühendes gewimmel: / Forscht die dinge nützet ihre gaben / Und ihr habt die welt als freudenhimmel.“

(George)

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Der Reichtum der Erde strömt an ihm vorbei. Dort sind die mit Waren befrachteten Schiffe, die Heere der Goldgräber, die Kontore der Kaufleute mit all der Mühe, dem wechselnden Gewinn. Doch hier ist Ruhe – man hält den Schlüssel in der Hand.“

(Jünger)

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Der Pöbel kann sich die Macht nur als politische vorstellen. Aber die Macht des Künstlers und des Propheten ist größer als die des weltlichen Herrschers. Man meinte, Jesus habe sich angemaßt, König der Juden zu sein, und verspottete ihn wegen dieser scheinbaren Überhebung. Er war nicht so bescheiden, wie seine Feinde glaubten. ‚Mein Reich ist nicht von dieser Welt‘ ist die Formel für einen Anspruch, auch einen Machtanspruch, der über Staaten und Völker weit hinausgreift.“

(Schilling)

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Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. So jemand die Welt liebhat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters.“

(1. Johannes 2:15)

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Harre nun! sie kömmt gewiß, die Stunde, / Die das Göttliche vom Kerker trennt – / Stirb! du suchst auf diesem Erdenrunde, / Edler Geist! umsonst dein Element.“

(Hölderlin)

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Es sei gesegnet wer die Welt verachtet, / Denn falscher ist sie, als es Worte malen: / Sie sammelt grausam unsern Schmerz in Schalen, / Und reicht zum Trunk sie, wenn wir halb verschmachtet.“

(Platen)

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Wir weben in abgeschiedenen Zeiten oder in fernen Utopien, indes der Augenblick verfließt.“

(Jünger)

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Sie sind von Vorgestern und von Übermorgen, – sie haben noch kein Heute.“

(Nietzsche)

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Nietzsches ‚noch‘ vor dem ‚Heute‘ ist zu streichen. Unser Ziel liegt nicht in der Zeit. Wir sind nicht in die Geschichte eingetreten. Hitler trat ein, und auch Stauffenberg trat ein. Damit verwirkten beide das Recht auf mythische Repräsentanz.“

(Schilling)

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Das Märchen bleibt im Traumreich, kennt nicht die Schranke zwischen Erfüllung und Begier. Dass er sie nicht überwindet, ist eine der Qualen des faustischen Menschen.“

(Jünger)

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So tauml ich von Begierde zu Genuß, / Und im Genuß verschmacht ich nach Begierde.“

(Faust)

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Es gibt Epochen des Niedergangs, in denen sich die Form verwischt, die innerst dem Leben vorgezeichnet ist. Wenn wir in sie geraten, taumeln wir als Wesen, die des Gleichgewichts ermangeln, hin und her. Wir sinken aus dumpfen Freuden in den dumpfen Schmerz.“

(Jünger)

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Sag, Sänger, den Apoll erkor / Zu seines Schweigens Mund: / Flammt noch dein Wort als Meteor / Durch Nacht und Sternen-Rund?“

(Schilling)

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Jede Vergeistigung durch Wort oder Werke ist eher ein Aufräumen, eine Lichtung der massiven Substanz, deren Dichte die Kapazität des Lebens übersteigt. Die Dichtung kann daher nur Annäherung sein, Bannung des Schweigens durch den Namen und das Wort.“

(Jünger)

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Ossian und andere ‚Fälschungen‘ sind nicht zu tadeln. Sie machen nur deutlich, dass solche Formeln wie ‚der Autor von…‘  mit großer Vorsicht zu gebrauchen und vielleicht gänzlich unbrauchbar sind, weil es kein Werk gibt, das nur einen Autor hat.“

(Schilling)

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Wenn also dieser seiner eigenen Richtform zu folgen vermochte – überragte er damit nicht bereits die gewöhnlichen Maler? Aber heute habe ich erfasst, dass dem auch nicht so ist: denn unter dem unermesslich weiten Himmelszelt gibt es nur eine Richtform. Wer diese erfasst hat, für den wird, wo er auch gehen mag, alles zur Richtform. Warum da noch so unbedingt von Eigenem sprechen?“

(Shi Tao)

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Ist nicht alles wie nie?“

(Botho Strauß)

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Alles ist schon geklagt, / Echo verhallt, / Alles noch ungesagt, / Nah und uralt.“

(Schilling)

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Ist aber der Schopf des dunklen Kairos erst leichtfertig ergriffen und stiebt die seit unvordenklichen Zeiten verfugte Ordnung schlagartig auseinander, dann ist es zuvörderst am buchstäblichen Dichter, das ungestüm Divergierende aufs Neue zu binden und ihm gelassen jenen veredelnden Zaum der Poesie anzulegen, von dem Schiller in ‚Die Götter Griechenlands‘ als ‚malerische Hülle‘ spricht, die sich in den Tagen Homers ’noch lieblich um die Wahrheit‘ gewunden habe.“

(Meynrath)

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Es ist der mythische Trotz eines Mannes, nicht einsehen zu wollen, dass die Trennung von Himmel und Erde keineswegs ursprünglich auf eine Sphärendriftung zurückzuführen ist, vor deren Eintritt sie zusammenhingen wie Gondwana. Ihn, den mit kleinem Namen Benannten, zwingt es, innen als rastloser Binder und Einer zu wirken; es ist, als führten in seiner Seele Heerscharen von Nähern und Näherinnen die Nadel an der Kimm zwischen Jetzt und Nu auf und ab.“

(Botho Strauß)

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So hehrer Art doch ist des Grales Segen, / Enthüllt muss er des Laien Auge fliehn; / Des Ritters drum sollt Zweifel ihr nicht hegen, / Erkennt ihr ihn – dann muss er von euch ziehn.“

(Wagner)

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Weit im Kreise siehst du ihn ziehen, / Bald ist er fern, bald ist er nah, / Halt ihn fest und er wird entfliehen, / Weichst du ihm aus, flugs ist er da.“

(‚Carmen‘-Libretto)

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Trauriges Gestrüppe wuchert fort, / Während frommer Sage Kraft verdorrt.“

(Mayrhofer)

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Das Schöne schwindet, scheidet, flieht, / Fast tut es weh, wenn man es sieht. / Die Schönheit gibt uns Grund zur Trauer, / Die Häßlichkeit erfreut durch Dauer.“

(Gernhardt)

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Dem Werden den Charakter des Seins aufzuprägen – das ist der höchste Wille zur Macht.“

(Nietzsche)

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Mit dem Dichter kehrt die Natur von je zu je in die Geschichte zurück und verleiht ihren Wechselfällen die Weihe und zeitlosen Glanz.“

(Schilling)

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So auch der berühmte Pariser Einsiedler Graf Schlabrendorf, der in seiner Klause die ganze soziale Umwälzung wie eine große Welttragödie unangefochten, betrachtend, richtend und häufig lenkend, an sich vorübergehen ließ. Denn er stand so hoch über allen Parteien, daß er Sinn und Gang der Geisterschlacht jederzeit klar überschauen konnte, ohne von ihrem wirren Lärm erreicht zu werden.“

(Eichendorff über Gustav von Schlabrendorfs Erleben der Revolution)

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Die Stadt mit ihren roten Türmen und Kuppeln lag in gewaltiger Schönheit, gleich einem Kelche, der zu tödlicher Befruchtung überflogen wird. Alles war Schauspiel, war reine, von Schmerz bejahte und erhöhte Macht.“

(Ernst Jünger über den Luftangriff auf Paris 1944)

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Als München zum Kriegsende immer heftiger unter Beschuss gerät, besteigt der Junge seinen Bad Reichenhaller Hausberg, den Hochstaufen, um sich von dort das nächtliche Spektakel anzusehen, als welches er die Bombardierung wahrnimmt.“

(Meynrath über Angerer)

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Und da sagen die Leute, mir fiele nichts mehr ein.“

(Pfitzner nach der Zerstörung seines Münchner Hauses durch die Bombardierung 1943)

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Ich gab dem Meister noch einmal die Hand und ging dann wieder zu Helmut. Dieser war die ganze Zeit mir wie verschwunden erschienen, da das Licht des Meisters das seine so überstrahlte. Es war wie bei uns am Tage, wo man wegen der Sonne den Mond und die Sterne nicht sieht.“

(Cajo Partsch über George)

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Rilke und Valéry bringen, als es niemand mehr erwartet, im Jahr 1922 die Ernte des Fin de Siècle ein.“

(Schilling)

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On a vou souvent / Rejaillir le feu / De l’ancien volcan / Qu’on croyait trop vieux.“

(Brel)

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Das Unpraktische kann niemals schön sein.“

(Otto Wagner)

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Irrtum der modernen Architekten: Sie wollen klare geometrische Form und praktischen Nutzen miteinander vereinen. Aber die reine Form hat nur dort einen Reiz, wo sie von Zwecken frei erscheint: als Pyramide oder als Obelisk. Wohnstätten für Menschen und für Götter verlangen nach der gekrümmten Linie, der Brechung, der Asymmetrie.“

(Schilling)

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Zugespitzt ließe sich sagen, dass Hitler mit der Übernahme des Wehrmacht-Oberbefehls 1941 erstmals einer regelmäßigen Beschäftigung nachging: Der Geniekult zerscholl am Tagestakt.“

(Meynrath)

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A star like Judy Garland needed less exposure, and a weekly show of her was like an aurora borealis in someone’s backyard every night. The power can’t be appreciated when it’s too accessible.“

(Jack Mauro)

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Shirley Bassey is an oddity: Every 200 years or so she turns up at some posh do, sings ‚Diamonds are forever‘ and disappears without a trace.“

(Pseudonymer Twitter-Nutzer)

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Vivaldi hat keine 400 Konzerte komponiert, sondern 400 Mal eines.“

(sinngemäß Stravinsky zugeschrieben)

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Im Grunde schreibt der Franzose ja immer wieder denselben Roman in immer neuen Variationen fort.“

(Klonovsky über Houllebecq)

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Wenn das Leben eines Mannes eine Einheit darstellt, dann hängt das mit seinem Charakter zusammen. Man wird in die verschiedensten Situationen geworfen. Aber was das betrifft, was man die Melodie des Lebens nennen könnte, so ist sie von Anfang an da; und man spielt sie weiter, bis das Schiff sinkt, wie auf der Titanic, man wiederholt die Melodie genau. Das trifft vielleicht auf jedes Dasein zu, aber nicht alle Melodien sind reizvoll.“

(Jünger)

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Die Welt der Worte ändert sich, immer kommt etwas Neues. Jeder Schriftsteller entwirft eine neue Realität. Die Musik hingegen besteht aus sieben Tönen, das war schon bei Bach, Mozart, Schumann und Wagner so. Die Fülle der Kombinationsmöglichkeiten ist zwar groß, aber es wird einem Wolfgang Rihm sehr schwer gemacht, auf seine Weise noch einmal Tristan und Isolde zu komponieren.“

(Joachim Kaiser)

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Also streicht die alte Geige Pan der Alte laut und leise, / Unterrichtend seine Wälder in der alten Weltenweise. / In den sieben Tönen schweift er unerschöpflich auf und nieder, / In den sieben alten Tönen, die umfassen alle Lieder.“

(Gottfried Keller)

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Er hob noch einmal die Pistole vor, dann nahm ihm ein Schlag vor die linke Brustseite Licht und Gehör. Sein letztes Gefühl war das des Versinkens im Wirbel einer uralten Melodie.“

(Jünger)

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